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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 17. April 2012. Von PETER NINDLER. "Ein roter Scherbenhaufen".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Der SPÖ fehlte in Innsbruck das
personelle Angebot, nur eine komplette Erneuerung kann mit
verkrusteten Strukturen brechen. Die Wahlschlappe in der
Landeshauptstadt ist auch ein warnender Fingerzeig an die
Landespartei.
Bei der Landtagswahl 2008 wurde die SPÖ von der Liste Fritz
aufgerieben, in Innsbruck geriet sie jetzt zwischen die Fronten des
schwarz-schwarzen Familienduells von Christoph Platzgummer (VP) und
BM Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck). Die Kanzlerpartei in
Österreich verbuchte bei 96.000 Wahlberechtigten nur noch 7200
Stimmen. Die SPÖ konnte einfach nicht mithalten. Nicht in Ermangelung
von Themen, sondern weil ihr das personelle Angebot gefehlt hat.
Ex-Stadtrat Walter Peer, einer der Sympathie- und Hoffnungsträger der
Sozialdemokraten in der Landeshauptstadt und in der Landespartei,
warf 2010 entnervt das Handtuch. Die Funktionärskader zermürbten ihn,
der Stallgeruch der Parteigremien wollte nicht an ihm kleben bleiben.
In Innsbruck hat das gesamte Dilemma der Tiroler SPÖ System: Der
Selbsterhaltungstrieb von strukturkonservativen Funktionären ist
wichtiger als die Partei. Wie die Wahlen ausgehen, ist letztlich egal
- "Hauptsache, wir bleiben die Alten". Der lange Arm der Innsbrucker
SPÖ reicht jedoch bis in die Landespartei. Und so ist Parteiobmann
Hannes Gschwentner seit seiner Wahlschlappe 2008 vom Wohlwollen der
Genossen in der Landeshauptstadt abhängig. Bisher hat er den Konflikt
mit ihnen gescheut, den Rückzug Peers bedauert, aber nicht die
Ursache bekämpft.
Die SPÖ benötigt allerdings eine umfassende Erneuerung, die in der
Stadt Innsbruck beginnen muss. Gschwentner kommt um ein Machtwort
nicht umhin, auch wenn er dadurch selbst in Frage gestellt wird. Wenn
die Innsbrucker Spitzenkandidatin Marie-Luise Pokorny-Reitter als
Bauernopfer übrig bleibt, hat die SPÖ ihre bittere Lektion vom
Sonntag nicht gelernt. Vielmehr müssen Pokorny-Reitter, der
langjährige Parteichef Ernst Pechlaner und Klubchef Arno Grünbacher
endlich den Weg für eine Verjüngung frei machen. Nur so kann die SPÖ
wieder in jene Lebenswelten vordringen, wo ihre heutigen Wähler
zuhause sind.
Die Erneuerung darf vor den Bezirken und der Landespartei nicht
stoppen. Dafür benötigt es Impulse und Durchschlagskraft. Gschwentner
muss die Richtung vorgeben, schließlich will er die SPÖ wieder in die
Landtagswahl führen. Wenn der SPÖ-Chef aber ein Jahr davor die
Alarmsignale überhört oder nicht mehr hören kann, dann sollte er wie
Franz Gruber (VP) in Innsbruck umsatteln. Neue Gesichter lösen sicher
keine Strukturprobleme, aber sie sorgen für frischen Wind und
Aufbruch. Auch das ist die Lektion von Innsbruck.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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