• 16.04.2012, 15:07:42
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Bildungs-Volksbegehren: Ausschuss setzt Beratungen fort ExpertInnen einig: Schule muss Wissensdurst und Neugierde erhalten

Wien (PK) - Der zur Behandlung des Bildungs-Volksbegehrens
eingesetzte Spezialausschuss des Nationalrats setzte heute seine
Beratungen fort. Dabei ging es zunächst um Fragen der Pädagogik. Die
VertreterInnen des Volksbegehrens fordern unter anderem eine bessere
Förderung von Talenten und Fähigkeiten, mehr Unterstützung für
"RisikoschülerInnen", mehr Vielfalt im Unterricht, eine Sprengung des
Korsetts der 50-Minuten-Stunde, fächerübergreifende Stoffvermittlung,
die systematische Abschaffung des Sitzenbleibens und ein weitgehendes
Ende der Nachhilfe. Mittel- bis langfristig treten sie zudem für eine
gemeinsame Schule bis zum Ende der Schulpflicht und ein
flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen ein.

Eine weitere Sitzung des Ausschusses ist für den 7. Mai geplant,
wobei die Abgeordneten heute ihre Absicht bekräftigten, über eine
gemeinsame Entschließung als Beratungsergebnis zu verhandeln.
Ausschussvorsitzender Elmar Mayer (S) will dazu bereits im Vorfeld
gemeinsame Standpunkte der Fraktionen ausloten. Unterrichtsministerin
Claudia Schmied betonte heute unter anderem, man müsse in der Schule
zu "einer Kultur des Gelingens" kommen.

Androsch: Kein Kind darf zurückgelassen werden

Eingeleitet wurde das Hearing zum Themenkomplex "Pädagogische
Schwerpunkte" durch Stellungnahmen von VertreterInnen des Bildungs-
Volksbegehrens. Den Anfang machte dabei der Bevollmächtigte des
Volksbegehrens Hannes Androsch, der auf die Notwendigkeit verwies,
das österreichische Bildungssystem "wirkungsvoll in das 21.
Jahrhundert zu bringen" und das Bildungsniveau insgesamt zu heben.
Auf Initiative von Unterrichtsministerin Schmied seien bereits
wichtige Teilschritte gesetzt worden, meinte er, weitere Schritte
müssten aber folgen.

Androsch hält es insbesondere für notwendig, an den Schulen den
Wissensdurst zu wecken und zu erhalten. Der Unterricht und dessen
Ergebnis könnten aber nur so gut sein, wie das Lehrpersonal,
unterstrich er. Seiner Ansicht nach kommt daher der
LehrerInnenauswahl und -ausbildung eine hohe Bedeutung zu.
LehrerInnen müssten ihre Aufgabe als Berufung und nicht vorrangig als
Erwerbsarbeit begreifen, appellierte Androsch und sprach sich für
eine gemeinsame Ausbildung auf akademischem Niveau aus. Um kein Kind
auf dem Bildungsweg zurückzulassen, braucht es ihm zufolge außerdem
ganztägige Schulen und eine altersmäßig deutlich spätere
Differenzierung. Weiters trat der Initiator des Volksbegehrens für
eine einheitliche Bundeszuständigkeit für Bildung und mehr
Schulautonomie ein.

Wentner: Halbtägiges Regelschulsystem erzwingt Teilzeitarbeit

Die Mitinitiatorin des Volksbegehrens, Unternehmensberaterin Gundi
Wentner, stellte zentrale Problemfelder dar, die ihrer Analyse
zufolge aus den Versäumnissen in der Bildungspolitik der letzten
Jahrzehnte resultieren. Als erstes beschrieb sie den
Arbeitskräftemangel in vielen Wirtschaftssektoren. Es sei bereits
jetzt ein erhöhter Bedarf an Lehrlingen mit notwendigen
Grundkenntnissen zu verzeichnen, und die "Knappheit" an
qualifizierten Arbeitskräften setze sich in kaufmännischen und
technischen Bereichen fort, meinte sie. Auch im Lehrpersonal würden
auf Grund der anstehenden Pensionierungen in den kommenden Jahren
Lücken zu füllen sein. Gleichzeitig gebe es in Österreich 75.000
Jugendliche ohne Schulabschluss.

Wentner erachtet daher eine Verbesserung der schulischen
Rahmenbedingungen für dringend angeraten und machte sich unter
anderem für die Ganztagsschule stark. Schließlich habe das derzeitige
halbtägige Regelschulsystem auch negative Auswirkungen auf die
Stellung der Frauen am österreichischen Arbeitsmarkt, gab sie zu
bedenken. Eltern und insbesondere Mütter müssten das schulische
Weiterkommen ihrer Kinder bis zu deren Schulabschluss intensiv
mitbetreuen, da an den Halbtagsschulen für die Vorbereitung für
Schularbeiten, Hilfestellung bei Hausübungen sowie für sportliche und
künstlerische Aktivitäten keine Zeit sei, monierte die
Unternehmensberaterin. In Folge wäre für die meisten Frauen nur eine
Halbtagsanstellung bis zum 18. Lebensjahr ihrer Kinder möglich,
wodurch sie geminderte Karrierechancen und weniger Gehalt in Kauf
nehmen müssten. Das führe gerade für Alleinerzieherinnen oft in die
"Armutsfalle" und zu sozialer Diskriminierung, prangerte Wentner an.

Schilcher: Modernisierung des Bildungssystems dringend notwendig

Als weiterer Vertreter des Volksbegehrens forderte Bildungsexperte
Bernd Schilcher, der Früherkennung von Talenten bei Kindern und der
Kompensation von Schwächen mehr Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik
zu widmen und, wie im Bildungs-Volksbegehren vorgeschlagen, in den
Jahren 2013 bis 2020 konkrete Schritte zu setzen. Es gelte, den
Unterricht und die damit verbundene Erziehung von Kindern und
Jugendlichen zu modernisieren, etwa durch selbständige
Unterrichtsformen wie Gruppenarbeit und Praktika oder kreatives
Lernen, schlug Schilcher vor. An österreichischen Schulen werde noch
zu viel Theorie weitergegeben, es mangle jedoch am
"Erfahrungslernen", das eine selbstständige Reflexion über die
erworbenen Lerninhalte miteinbezieht.

Wie seine Vorrednerin erwähnte auch Schilcher die 75.000 jungen
Menschen in Österreich, die über keinen Schulabschluss verfügen. Er
ortet diese Risikogruppe vor allem in bildungsfernen Schichten sowie
bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Eine aktive Bildungs- und
Arbeitsmarktpolitik müsse daher neben der bereits bestehenden
Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen, ebenfalls die
Option für einen nachträglichen Berufsschulabschluss bieten, so der
Universitätsprofessor. Außerdem sei die Zahl der Arbeitsplätze an
überbetrieblichen Lehrwerkstätten aufzustocken, um
Perspektivenlosigkeit bei jungen Leuten zu vermeiden. Immerhin würden
SchulabbrecherInnen dem Staat und damit den SteuerzahlerInnen enorme
Kosten in Milliardenhöhe verursachen, warnte Schilcher. Derzeit, so
merkte der Redner an, gebe es in Österreich bis zu 30%
"RisikoschülerInnen", deren Lesevermögen und naturwissenschaftliche
sowie mathematische Kompetenzen unter dem OECD-Vergleichswert liegen.
Dieser Prozentsatz müsse bis 2020 zumindest halbiert werden.

Koenne: Es darf nicht möglich sein, SchülerInnen "loszuwerden"

Christa Koenne, Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der
Universität Klagenfurt, plädierte für einen gemeinsamen Unterricht
aller Schulpflichtigen, gab aber zu bedenken, dass die Ausbildung von
AHS-LehrerInnen nicht darauf ausgerichtet sei und es daher auch
Vorbehalte der LehrerInnen gegen eine gemeinsame Schule gebe. Ihrer
Ansicht nach benötigt man ein Bildungssystem, das es unmöglich macht,
Kinder bis zum Ende der Schulpflicht "loszuwerden". Schulisches
Versagen dürfe bzw. könne erst nach dieser Zeit möglich sein. Dann
aber sollten die SchülerInnen mehr Verantwortung für ihre Bildung
übernehmen. Derzeit würden OberstufenschülerInnen nicht anders
behandelt als UnterstufenschülerInnen, kritisierte Koenne, man müsse
von dieser "Infantilisierung" wegkommen.

Enzenhofer urgiert Bildungspflicht für Jugendliche

Der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer,
warf den ProponentInnen des Bildungs-Volksbegehrens vor, einige Daten
und Fakten durcheinanderzumischen. So führt er etwa das gute
Abschneiden finnischer SchülerInnen beim Lesen darauf zurück, dass es
dort viel weniger MigrantInnen als in Österreich gibt. Überdies wies
er darauf hin, dass es im Bereich der auch von ihm als wichtig
qualifizierten Talenteförderung bereits etliche Angebote gebe. In der
Schule gehe es nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, eine
wesentliche Frage sei auch die der Menschenbildung, betonte
Enzenhofer.

Die Zahl jener SchülerInnen, die nach der Pflichtschule weder eine
weiterführende Schule besuchen noch eine Berufsausbildung machen,
konnte laut Enzenhofer von 17% auf 12% gesenkt werden. Er erachtet in
diesem Bereich aber noch weitere Anstrengungen für erforderlich und
sprach sich dafür aus, eine Art Bildungspflicht für Jugendliche
einzuführen. Seiner Meinung nach sollte man außerdem berufsbildende
Schulen auch für SchülerInnen aus dem Ausland öffnen.

Fischer: Selektion findet bereits in Volksschule statt

Peter Fischer, Pädagogische Hochschule Vorarlberg, gab in seinem
Statement zu bedenken, dass die frühe Trennung der SchülerInnen
"fatale" Auswirkungen auf die Volksschulen habe, weil bereits dort
"Selektion pur" stattfinde. Junge LehrerInnen würden sehr darunter
leiden, dass sie ihre pädagogischen Konzepte auf Grund des Drucks der
Eltern in der dritten und vierten Volksschulklasse über Bord werfen
müssten, weil nur eines gefordert werde: "Leistung, Leistung,
Leistung". Man brauche in der Schule eine andere Beurteilungskultur,
mahnte Fischer, nur so könne die Begeisterung der SchülerInnen
erhalten bleiben. Das Bildungssystem dürfe nicht selektieren. Fischer
wies überdies auf eine erfolgreiche Umstellung des Bildungssystems in
Polen hin: dort seien nun nach sechs Pflichtschuljahren noch drei
AHS-Jahre für alle vorgesehen.

Amlinger: Freie Schulwahl ist wichtig

Florian Amlinger, stellvertretender Bundeselternsprecher der
österreichischen Waldorfschulen, hob ebenfalls die Notwendigkeit
hervor, die Neugierde und die Begeisterungsfähigkeit von Kindern in
der Schule zu erhalten. Es gebe eine enorme Vielfalt von Begabungen,
betonte er, daher sei auch eine Vielfalt bei den Schulprofilen
wichtig. Schulen sollten sich autonom entscheiden können, welche Art
der Methode, welche Schwerpunkte und welche Geschwindigkeit beim
Unterricht sie wählten. Gleichzeitig müsse die Schule für Eltern und
SchülerInnen frei wählbar sein. Als Aufgabe des Staates sieht es
Amlinger, Rahmenbedingungen zu schaffen und darauf zu achten, dass
kein Schüler bzw. keine Schülerin aus dem Bildungssystem herausfällt.

Bundesschulsprecherin Kolmann fordert "gläserne Note"

Cornelia Kolmann, Bundesschülervertretung, trat unter anderem für
mehr Autonomie der Schulen und für eine fundierte Lehrerausbildung
ein. Die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik sollte ihrer
Meinung nach allerdings erhalten bleiben. Für SchülerInnen erachtet
Kolmann einen Talente- und Kompetenzcheck für sinnvoll. Noten lehnt
sie nicht per se ab, demotivierend sei aber die Intransparenz der
Notengebung. Die Bundesschulsprecherin forderte in diesem Sinn
"gläserne Noten".

Kimberger: LehrerInnen brauchen mehr Zeit zum Unterrichten

Paul Kimberger, Vorsitzender der Pflichtschullehrergewerkschaft,
unterstrich, gute Schule sei nur mit guten LehrerInnen zu machen.
Österreich habe gute Schulen, er lasse sich diese nicht schlecht
reden, hielt er fest. LehrerInnen bräuchten aber mehr Zeit für ihre
eigentliche Kernaufgabe, das Unterrichten. Derzeit ginge viel zu viel
Zeit für Disziplinierungsmaßnahmen und Organisation auf. Kimberger
plädierte in diesem Sinn für interne und externe
Unterstützungssysteme und hob etwa die Nachmittagsbetreuung durch
FreizeitpädagogInnen hervor. Qualitätssicherung koste aber Geld, gab
der Lehrergewerkschafter zu bedenken. Kimberger bekannte sich weiters
zur universitären Lehrerausbildung auf Masterniveau.

Schmied: Schule braucht "Kultur des Gelingens"

Unterrichtsministerin Claudia Schmied führte aus, die Forderungen des
Bildungs-Volksbegehrens würden im hohen Maß ihren bildungspolitischen
Zielen entsprechen. Auch sie halte die Förderung von Talenten, Freude
am Lernen, den Erwerb sozialer Fähigkeiten und
Persönlichkeitsentwicklung für enorm wichtig. Man brauche auch
gegenseitigen Respekt und Wertschätzung, hier könnten die
Schulpartnerschaft und die LehrerInnen als Vorbild wirken. Schmied
zufolge führt aber kein Weg an der Erziehungsverantwortung der Eltern
vorbei.

Die Unterrichtsministerin wies darauf hin, dass zuletzt mehrere
Gesetzesbeschlüsse zur Verbesserung des Bildungssystems gefasst
worden seien. Im Konkreten nannte sie die Ausweitung der schulischen
Tagesbetreuung, die Oberstufe Neu, die Integration in der neunten
Schulstufe, die Neue Mittelschule, das erleichterte Nachholen von
Bildungsabschlüssen, das neue Dienstrecht für Pädagogische
Hochschulen und Änderungen bei der Schulaufsicht. Was man dringend in
den Schulen brauche, sei eine "Kultur des Gelingens", sagte Schmied,
eine Haltung, die geprägt sei vom Motto "Yes, we can".

Die Reaktion der Abgeordneten

Im Anschluss an die Expertinnen und Experten waren die Abgeordneten
an der Reihe, ihre Schwerpunkte zu formulieren.

Abgeordneter Ewald Sacher (S) trat für eine Ausdehnung des
Modularsystems nach dem Vorbild der im letzten Jahr beschlossenen
Oberstufenreform ein, um, wie er sagte, das Wiederholen einer ganzen
Schulstufe wegen einer Teilleistungsschwäche hintanzuhalten. In der
Ganztagsschule wiederum sah er einen wichtigen Schritt, der eine
Förderung ohne Diskriminierung und unter Rücksichtnahme auf die
gesellschaftlichen Verhältnisse der Kinder ermöglicht. Für seine
Fraktionskollegin Abgeordnete Rosa Lohfeyer (S) waren ganztägige
Schulformen das einzige Mittel, Stress sowohl für LehrerInnen als
auch für SchülerInnen zu vermeiden. Abgeordneter Franz Riepl (S)
sprach von der Notwendigkeit, den Abschluss einer Berufsausbildung
nachzuholen, während Abgeordnete Ulrike Königsberger-Ludwig (S) die
Kinder mit Behinderungen ins Bild rückte und für gemeinsames Lernen
von behinderten und nicht behinderten Kindern in der Schule
plädierte.

Die Inklusion war auch Anliegen von Abgeordnetem Franz-Joseph
Huainigg (V), der in diesem Zusammenhang auch seine Skepsis gegenüber
den Sonderschulen zum Ausdruck brachte. Abgeordneter Werner Amon (V)
setzte Akzente vor allem auf die Bereiche frühkindliche Pädagogik und
Sprachförderung und betonte zudem mit Nachdruck, die Schulpflicht
sollte automatisch mit dem Erreichen des definierten Bildungsziels
verknüpft werden, wobei er die Idee einer Bildungsgarantie bis zur
Volljährigkeit zur Diskussion stellte. Abgeordnete Katharina
Cortolezis-Schlager (V) brachte die Berufsbildung zur Sprache und
wünschte eine Verbesserung der Durchlässigkeit und Anrechenbarkeit
zum Hochschulbereich, meinte aber grundsätzlich, Berufsbildung sollte
insgesamt im Sekundarbereich verbleiben.

Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) trat dafür ein, die Lehrpläne zu
entrümpeln und auf den Wissensstand zu konzentrieren, den man zu
Beginn des 21. Jahrhunderts braucht. Bei den ganztägigen Schulformen
wiederum wäre seiner Meinung nach darauf zu achten, dass manche
Eltern aufgrund ihrer Vorbildung und ihrer Möglichkeiten das Geschick
über die Bildung ihrer Kinder nicht gänzlich der Schule übergeben
wollen. Es sollte jedenfalls zu denken geben, dass gerade in den
Ländern mit Gesamtschulpraxis das Angebot an Privatschulen am größten
ist. Insgesamt rief Rosenkranz dazu auf, Ideologie und Parteipolitik
aus dem Bildungsbereich herauszuhalten.

Abgeordneter Harald Walser (G) unterstrich, im Mittelpunkt sämtlicher
Überlegungen habe das Kind zu stehen, Aufgabe der Schule sei es,
Leistung und angstfreies Lernen zu ermöglichen. Hauptübel des
derzeitigen Systems sei die zu frühe Trennung der Kinder auf Basis
der Noten in der Volksschule, kritisierte der Bildungssprecher der
Grünen und plädierte deshalb für die gemeinsame Schule der Zehn- bis
Vierzehnjährigen. Abgeordnete Helene Jarmer (G) wies auf die
besonderen Bedürfnisse behinderter Kinder sowie auf den damit
verbundenen finanziellen Mehraufwand hin und forderte einen
barrierefreien Zugang zu den Universitäten.

Abgeordnete Ursula Haubner (B) stellte ihrerseits fest, die Schule
der Zukunft müsse ein pädagogischer Dienstleister sein, der auf die
geänderten Lebens- und Familienverhältnisse der Eltern Bedacht nimmt,
und dürfe kein Kind zurücklassen. An einem flexiblen Angebot von
ganztägigen Schulen werde man nicht vorbeikommen, schloss sie daraus.
Wichtig war für Haubner überdies ein neues Lehrerdienstrecht, das
sich nicht nur am Unterricht, sondern auch an den sonstigen
pädagogischen Aufgaben orientiert. Auch gehe es darum, die Vielfalt
der weiterführenden Schulen sowie die duale Ausbildung in Österreich
beizubehalten.

Die Expertinnen und Experten

Bernd Schilcher trat seitens der Proponenten des Volksbegehrens für
eine schrittweise Erweiterung der Schulpflicht ein und unterstrich
ferner die Forderung nach Support-Systemen an den Schulen
hinsichtlich psychologischer Betreuung oder Sprachvermittlung.
Insgesamt vermisste er klare Zielsetzungen in der Schulpolitik.

Gundi Wentner präzisierte den Vorschlag der Ganztagsschulen als
Abfolge von Lerneinheiten, Sport- und Projekteinheiten inklusive
Mittagsverpflegung.

Hannes Androsch wandelte das "Yes we can"-Motto der
Unterrichtsministerin in den Satz "Yes we could, yet we have still to
do" um und betrachtete gerade die Einführung von Ganztagsschulen als
entscheidenden Faktor.

Christa Koenne, die eine abschließende Runde der Expertinnen und
Experten eröffnete, gab zu bedenken, bei den ganztägigen Schulformen
seien nicht nur die Tage, sondern auch die Woche und das Jahr neu zu
gestalten. Klar sollte dabei sein, dass die gemeinsame Zeit der
Eltern mit ihren Kindern nicht für Schule und auch nicht für private
Nachhilfe zu verbrauchen sei. Die Integration sah Koenne wiederum als
Inklusion sämtlicher Formen von Behinderung, aber auch sämtlicher
Kulturen.

Fritz Enzenhofer wandte sich gegen jegliche Dramatisierung und
betonte unter Hinweis auf eine Umfrage unter Top-Managern in Europa,
die österreichische Schule genieße aufgrund ihrer hohen Qualität
großes internationales Ansehen. Wichtig wäre es seiner Meinung nach
aber, den Lehrberuf für die jeweils Besten attraktiv zu machen.

Peter Fischer sprach sich vehement gegen eine frühe Trennung der
Kinder nach der Volksschule und gegen die Sonderschule aus. Er
forderte eine aussagekräftige Leistungsbeurteilung und kritisierte
das derzeitige System der Ziffernbenotung.

Florian Amlinger erinnerte, viele Forderungen des Volksbegehrens
seien in den Waldorfschulen bereits verwirklicht. Wichtig war für ihn
vor allem die Freiheit der Bildung, wobei er betonte, die Kompetenz
für die Bildung liege nicht beim Staat, sondern bei den PädagogInnen.

Cornelia Kolmann meinte, wichtig sei weniger die
Organisationsstruktur als vielmehr die Qualität der Schule. Ihre
Anliegen waren die Erhöhung der Autonomie der einzelnen Schulen, die
Erstellung eines Förderangebotes sowohl für begabte als auch für
schwache SchülerInnen, aber auch die Entlastung der LehrerInnen durch
den Einsatz von SchulpsychologInnen, SozialarbeiterInnen oder
LebensberaterInnen.

Paul Kimberger betrachtete die Herstellung von Chancengerechtigkeit
als Aufgabe der Bildungspolitik und meinte, es müsse dabei auf die
unterschiedlichen Begabungen, aber auch auf die Unterschiede zwischen
Stadt und Land Rücksicht genommen werden. Spaß allein könne nicht die
Maxime pädagogischen Handelns sein, warnte er überdies. Hohen
Stellenwert wies er auch einem modernen und attraktiven
Lehrerdienstrecht zu, das geeignet ist, viele junge Menschen zu
überzeugen, in den Lehrberuf einzusteigen. Die Bezahlung sollte dabei
seiner Meinung nach auf Masterniveau aufbauen.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied nannte als ihr politisches Ziel
die gemeinsame Ganztagsschule, schränkte jedoch ein, in der Politik
gehe es um das Machbare. Dieses sei in der jetzigen Situation eine
Kombination aus neuer Mittelschule und ganztägigen Schulangeboten.
(Fortsetzung Besonderer Ausschuss)

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