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OTS0076   27. März 2012, 11:03

"Rütlischwur" der Umweltorganisationen gegen Kraftwerk Kaunertal

Umweltminister Berlakovich muss Monsterprojekt stoppen


Eine 120 Meter hohe und 450 Meter breite
Staumauer für 42 Milliarden Liter Wasser, 50 Kilometer lange
Druckstollen mit dem Durchmesser des Brennerbasistunnels, und die
ökologische Zerstörung von vier unberührten Hochgebirgsbächen -
dieses Szenario droht alpinen Wildnislandschaften im Tiroler
Oberland, wenn die TIWAG (Tiroler Wasserkraft AG) ihre Pläne für den
Ausbau des Kraftwerks Kaunertal verwirklichen darf. Die
Projektwerberin will dieses und vier weitere Großkraftwerke
durchsetzen und bedient sich dabei rechtlich zweifelhafter Mittel,
beklagen Greenpeace, WWF, GLOBAL 2000 und Ökobüro. Besonders auf das
Projekt Kaunertal reagieren die Umweltorganisationen mit scharfer
Kritik, weil seine Verwirklichung einem ökologischen Desaster
gleichkäme. Sie forderten heute in einer gemeinsamen Erklärung ein
entschiedenes Nein des Umweltministers zu den TIWAG-Plänen ein und
hielten unmissverständlich fest: "Umweltminister Nikolaus Berlakovich
darf dieses Kraftwerk nicht genehmigen. Wir sind nicht generell gegen
Wasserkraft, vielmehr befürworten wir den Ausbau der Erneuerbaren
Energieträger. Das Kaunertal-Kraftwerk bedroht jedoch das Natura
2000-Gebiet Ötztaler Alpen, den Naturpark Ötztal und das einzigartige
Platzertal und ist somit nicht zu verantworten."

Ausbaupläne der TIWAG sind ernsthafte Bedrohung der Tiroler Natur
Für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal südlich von Landeck sollen
vier Wildflüsse und -bäche über Rohr- und Stollensysteme in einen
bestehenden Speicher umgeleitet, sowie ein riesiger neuer Speichersee
im Platzertal errichtet werden. Die Tunnelsysteme würden das Natura
2000-Gebiet Ötztaler Alpen und den Naturpark Ötztal bedrohen. Das
Platzertal auf 2.300 Metern Seehöhe, ist aus ökologischer Sicht als
neuer Speicherstandort völlig ungeeignet. Das von menschlichen
Eingriffen fast unberührte Platzertal, zählt zu den bedrohtesten
Lebensräumen im gesamten Alpenraum und muss deshalb erhalten bleiben.
"Die geplanten Eingriffe sind mit dem Schutzziel dieser hochalpinen
Gebiete absolut unvereinbar!", sagt WWF-Geschäftsführerin Hildegard
Aichberger. "Keine Ausgleichsmaßnahmen der Welt können die Zerstörung
solcher Lebensräume legitimieren."

TIWAG bedient sich rechtlich zweifelhafter Mittel
Der Kaunertal-Ausbau ist Teil eines umfassenden Plans der TIWAG, in
Tirol fünf neue Großkraftwerke zu errichten bzw. auszubauen. Der
entsprechende "Wasserwirtschaftliche Rahmenplan" wurde bereits im
Dezember 2011 beim Umweltminister zur Genehmigung eingereicht. Es ist
aber laut Umweltjurist und ÖKOBÜRO-Geschäftsführer Thomas Alge
rechtlich gesehen nicht möglich, dass ein solcher Plan von einem
Energieversorger eingereicht wird. Das darf in Tirol ausschließlich
Landeshauptmann Günther Platter im Zuge eines Wasserwirtschaftlichen
Regionalprogramms. Der eingereichte Wasserwirtschaftsplan hingegen
darf laut Gesetz nur auf den Schutz und die Sanierung von Flüssen
abzielen, nicht aber auf deren energiewirtschaftliche Nutzung. "Die
TIWAG will offenbar unter dem Deckmantel eines Schutzplanes konkrete
Nutzungsinteressen durchsetzen", stellt Alge fest. "Natürlich
verfolgt sie dabei keinesfalls "gewässerschonende Intentionen", wie
dies im Wasserrecht für die Einreichung solcher Pläne gefordert
wird."

Kraftwerk Kaunertal ist Elchtest für den Umweltminister
Greenpeace kritisiert neben der dubiosen Praxis der TIWAG vor allem
die Vorgehensweise des Umweltministers. "Nikolaus Berlakovich hätte
diesen TIWAG-Plan, der klar gegen das Wasserrecht verstößt, sofort
zurückweisen müssen", meint Greenpeace-Geschäftsführer Alexander
Egit. "Der Umweltminister steht kurz davor als Rechtsbrecher
dazustehen, sollte er dem von der TIWAG als Gewässerschutzplan
getarnten Ausbauplan von fünf Kraftwerken zustimmen. Wenn er den
Rahmenplan unterschreibt, gilt er im Sinne des "Öffentlichen
Interesses" als verordnet - und das lange, bevor die
Umweltverträglichkeitsprüfung entschieden ist", erklärt Egit.
Greenpeace sieht den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal als Elchtest für
den Umweltminister. "Wir fordern Nikolaus Berlakovich auf, den
Skandalplan der TIWAG nicht zu genehmigen. Aus diesem Grund
unterzeichnen wir heute die gemeinsame Kaunertal-Erklärung. Diese
sehen wir als Rütlischwur für den Naturschutz", schließt Egit.

Erneuerbare Ja, aber nicht um jeden Preis
Die Unterzeichner der Kaunertal-Erklärung begrüßen den Ausbau der
Erneuerbaren, fordern jedoch eine brauchbare strategische Planung für
ganz Österreich ein, um sowohl das Bedürfnis der Bevölkerung nach
Energie, als auch das Recht auf eine intakte Umwelt zu gewährleisten.
"Ein Umdenken im Rahmen der Energiestrategie greift zu kurz, wenn es
die sozialen und ökologischen Aspekte ausblendet!", unterstreicht
GLOBAL 2000-Geschäftsführer Klaus Kastenhofer und erklärt weiter:
"CO2-arme Stromerzeugung ist von hoher Bedeutung - dieses Projekt
geht jedoch einfach zu weit! Ich möchte nicht, dass über das
Kraftwerk Kaunertal Energieerzeugung und Umweltschutz auf dem Rücken
der Bevölkerung gegeneinander ausgespielt werden!" Wie Studien des
WWF zeigen, gibt es in Österreich noch ausreichend Ausbaupotential
für die Wasserkraft ohne derart schwere Eingriffe in unser Naturerbe.

Hintergrundinfos, Grafiken und Fotos:
www.wwf.at/kaunertal-erklaerung, www.oekomasterplan.at

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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