- 27.03.2012, 09:23:51
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GLOBAL 2000 fordert: Hühnerfleischskandal muss Konsequenzen haben
AGES soll nicht nur testen, sondern auch handeln - auch das Gesundheitsministerium ist gefordert.
Wien (OTS) - Wie die österreichische Umweltschutzorganisation
GLOBAL 2000 kürzlich aufdeckte, befinden sich auch in
österreichischem Hühnerfleisch Antibiotika resistente Keime. In einer
Reaktion betonte die AGES (Österreichische Agentur für
Ernährungssicherheit), dass man einen der beiden Keime (ESBL) bereits
selbst mehrmals nachgewiesen habe. Für Heidemarie Porstner,
Lebensmittel- und Landwirtschaftsexpertin bei GLOBAL 2000, ist dies
nicht ausreichend: "Wie kann es sein, dass wir selbst in einem
geringen Stichprobenumfang in drei von sechs Proben sehr wohl den
MRSA-Keim finden konnten, während die AGES auf ihrer Homepage
erklärt, MRSA in den letzten drei Jahren nicht nachgewiesen zu
haben?" Außerdem ist die alleinige Erklärung, dass auch sie testen,
für GLOBAL 2000 inakzeptabel: "Wenn solche Keime in großer Anzahl
nachgewiesen werden, besteht Handlungsbedarf. Es liegt hier eine
potentielle Gefährdung der BürgerInnen vor. Es ist die Aufgabe von
Gesundheitsministerium und AGES, hier der Gefahr einen Riegel
vorzuschieben."
Wie gefährlich diese Keime sind, bestätigt auch OA Prof. DI Dr. med.
Hans-Peter Hutter (Sprecher der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt):
"Während man sich in ärztlichen Bereichen stark bemüht, dass bei
Verschreibungen von Antibiotika viel vorsichtiger und selektiver
umgegangen wird, scheint es bei Tierhaltungen einen behördlichen und
politischen Freibrief zu geben." Das Problem: In der Tiermedizin
werden Antibiotika eingesetzt, die auch in der Humanmedizin
angewendet werden. Durch die häufige Verabreichung in der
Massentierhaltung werden die Keime aber resistent, das bedeutet,
Infektionen, die durch diese Keime ausgelöst werden, sind mit einer
bedeutenden Gruppe von Antibiotika nicht mehr behandelbar. Hutter
betont: "Aus ärztlicher Sicht ist es unverantwortlich, dass es durch
entsprechende Tierhaltungen zu einer Vermehrung von MRSA-Keimen
kommt. Gerade die Erfahrung im medizinischen Alltag zeigt, wie
schwierig es ist, solche Infektionen zu bekämpfen und solche Keime zu
eliminieren."
Neben den von GLOBAL 2000 getesteten Keimen gibt es noch zahlreiche
andere Bakterien, die eine Resistenz in Bezug auf Antibiotika
entwickelt haben. Porstner erzählt: "Im Zusammenhang mit der
Geflügelzucht wird im jährlichen Bericht der AGES dazu auch der
Campylobacter angeführt. Im Jahr 2011 wurden bei Erhebungen der
resistenten Keime bei Menschen festgestellt, dass in 65 Prozent der
Proben die Campylobacter-Keime auf das Antibiotikum Ciprofloxacin
resistent waren." Campylobacter kann schwere Durchfallerkrankungen
auslösen und wird in schweren Fällen auch mit dem Antibiotikum
Ciprofloxacin behandelt. Das Antibiotikum Ciprofloxacin wirkt vor
allem gegen Magen-Darm-Infekte, Entzündungen im Außenohr,
Blasenentzündungen, Atemwegsinfekte.
"Auch hier stellt sich die Frage: Wenn dieser Keim bereits in einem
so hohen Maße Restistenzen aufweist, warum wurde dann nicht schon
längst etwas unternommen, um den Einsatz der Antibiotika zu
reduzieren?", fragt Porstner. "GLOBAL 2000 fordert eine umgehende
Evaluierung des Hühnerfleischskandals seitens der AGES und des
Gesundheitsministeriums. Es kann nicht sein, dass eine Agentur für
Ernährungssicherheit scheinbar nicht an Maßnahmen, die zu selbiger
führen, interessiert ist."
Rückfragehinweis:
GLOBAL 2000 Lydia Matzka-Saboi/Nunu Kaller Pressesprecherinnen Tel.: +43 699 14 2000 26 / +43 699 14 2000 20 mailto:[email protected] www.global2000.at
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