• 21.03.2012, 18:53:08
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Tourismuswirtschaft: Minister Mitterlehner mit positiven Erwartungen Starke Zuwächse bei Gästen aus Osteuropa

Wien (PK) - In einer aktuellen Aussprache informierten die
Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT),
Franz Hartl und Wolfgang Kleemann, die Mitglieder des
Tourismusausschusses über aktuelle Entwicklungen in der heimischen
Tourismusbranche. Angesichts nach wie vor geringer Betriebsgrößen und
von Problemen bei der Eigenkapitalausstattung bemühe sich die ÖHT,
innovative Investitionen durch Finanzierungen und Haftungen sowie
durch die Abwicklung von Bundesförderungen und Beratungen zu
erleichtern. Angesichts überdurchschnittlicher Investitionen und
einer guten Entwicklung bei den Nächtigungen, insbesondere bei Gästen
aus den neuen EU-Mitgliedsländern und aus Russland blickte
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner in der Debatte mit durchaus
positiven Erwartungen in die Zukunft des heimischen Fremdenverkehrs.
Auf Antrag aller Fraktionen verabschiedete der Ausschuss
Entschließungen zur Aktualisierung der Schulmaterialien in der
Tourismusausbildung, für einen fairen Wettbewerb auf Online-
Buchungsplattformen und zur verstärkten Kooperation zwischen
Österreich Werbung und staatlich geprüften FremdenführerInnen.

Die Arbeit der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT)

ÖHT-Geschäftsführer Wolfgang Kleemann identifizierte als Hauptproblem
der österreichischen Tourismuswirtschaft die relativ geringe Größe
der Betriebe, die im Durchschnitt nur 40 Betten pro Haus aufweisen.
Der Entwicklungstrend gehe bei insgesamt sinkender Bettenanzahl in
Richtung Fünf- und Viersternbetriebe, die Zahl der Dreisternbetriebe
gehe leicht zurück, Ein- und Zweisternbetriebe gehen allmählich ganz
aus dem Markt, berichtete Kleemann. Das zweite Problem sei die
mangelnde Eigenkapitalausstattung der Betriebe, die teilweise auch
auf starke Investitionstätigkeit bei nachhinkenden operativen
Ergebnissen zurückzuführen sei.

Seit dem Jahr 2011 gilt in der Tourismusförderung eine zwischen Bund
und Ländern vereinbarte "Förderpyramide". Für Förderungen unter
100.000 € sind alleine die Länder zuständig, führte Wolfgang Kleemann
aus. Doppelgleisigkeiten können so vermieden, Verwaltungskosten
reduziert und Budgeteinsparungen erreicht werden. In der Tätigkeit
der ÖHT werde die Besicherung von Krediten durch Haftungen immer
wichtiger, insbesondere bei der Jungunternehmer-Förderung sowie
deshalb, weil besicherte Kredite nicht
eigenkapitalunterlegungspflichtig sind.

Der Bund fördert nicht nur einzelne Betriebe, sondern das
"Gesamtkunstwerk Tourismus", also die Vernetzung von Betrieben oder
auch Bootsverleiher, Schiffsunternehmen und kreative Ideen,
sogenannte "Leuchtturmprojekte". Außerdem informierte Kleemann über
die Förderung von Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen in der
Tourismuswirtschaft.

ÖHT-Geschäftsführer Franz Hartl erklärte den Ausschussmitgliedern die
Struktur des Privat-Public-Partnership-Unternehmens ÖHT, dessen
Funktion es ist, Tourismusunternehmen zu finanzieren und zu fördern,
Haftungen zu übernehmen und das Tourismusförderungsprogramm des
Bundes umzusetzen. Außerdem widme sich die ÖHT der Beratung der
Betriebe und stellt statistische Daten zur Verfügung. Im Jahr 2011
konnte ein Investitionsvolumen von 880 Mio. € ausgelöst und damit ein
Rekordwert erreicht werden, teilte Franz Hartl mit. Zu den Zielen der
Tourismusförderung des Bundes zählen der Ganzjahrestourismus und die
Steigerung der Investitionen im Sommertourismus. Der Schwerpunkt der
Förderungsaktionen liegt in den Bereichen Betriebsgrößenoptimierung,
innovative Investitionen, Qualitätsverbesserung und
Mitarbeiterunterbringung. 99 % der Förderungen entfallen auf KMU,
2011 wurden 257 Unternehmensneugründungen und insgesamt 160.000
Gästebetten gefördert, teilte Geschäftsführer Hartl den Abgeordneten
mit.

Auf Detailfragen der Ausschussmitglieder erläuterte Franz Hartl die
Jungunternehmerförderung der ÖHT, in der Investitionsförderungen,
Haftungsübernahmen, aber auch Beratungsangebote eine große Rolle
spielen. Abgeordnete Ruperta Lichtenecker (G) erfuhr auf ihre Fragen
auch, dass die Förderpyramide zu Einsparungen von 1,4 Mio. € geführt
habe, was es erlaube, mittels Zuschüssen zusätzliche Investitionen
von 15 Mio. € zu unterstützen.

Zum Thema "Kreditklemme" hatte Wolfgang Kleemann unterschiedliche
Wahrnehmungen: Großbanken zeigten bei der Kreditvergabe
Zurückhaltung, Regionalbanken nicht. Deshalb und im Hinblick auf
Basel III werden Haftungen immer wichtiger, weil besicherte Kredite
nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, sagte Kleemann
Abgeordnetem Franz Hörl (V).

20 % aller geförderten Investitionen gelten Infrastrukturprojekten,
etwa Golfplätzen oder Beschneiungsanlagen. Bei Beschneiungsanlagen
ortete Kleemann allmählich eine Sättigung des Bedarfs.

Abgeordneter Franz Hörl (V) stimmte mit Wirtschaftsminister Reinhold
Mitterlehner in der positiven Beurteilung der guten Arbeit der ÖHT
überein und bedankte sich überdies beim Wirtschaftsminister für
dessen engagiertes Auftreten im Interesse des Österreichtourismus bei
der Berliner Tourismusmesse. Hörls Interesse galt der Refinanzierung
der ÖHT.

Abgeordnete Heidrun Silhavy (S) interessierte sich für
Haftungsausfälle im Tourismus, für Maßnahmen zur Erhöhung der
Familienfreundlichkeit der Betriebe und für die Entwicklung der
Eigenkapitalausstattung der Unternehmen.

Abgeordneter Maximilian Linder (F) drängte angesichts geringer
Inanspruchnahme von Förderungen im Sommertourismus auf eine
Verbesserung der Förderkulisse.

Abgeordneter Stefan Markowitz (B) hielt es für angebracht, die
Förderungen für Klein- und Mittelbetriebe zu verbessern und
erkundigte sich nach Gründen für die Ablehnung von
Förderungsanträgen.

Von Seiten der ÖHT-Geschäftsführer wurden die Ausschussmitglieder
darüber aufgeklärt, dass sich die ÖHT bei der Europäischen
Investitionsbank refinanziere und künftig auch einen EZB-Tender
nützen werde. Restrukturierungsfälle in der Tourismusbranche seien im
Einzelnen nicht konjunkturell, sondern meist auf individuelle
Fehlinvestitionen zurück zu führen.

Haftungsausfälle sind im Tourismus sehr selten und betragen bei den
ÖHT-Haftungen unter 1 % des Gesamtvolumens. Die Förderungspyramide
habe die Transparenz des Fördersystems wesentlich verbessert, teilten
die ÖHT-Geschäftsführer mit. Die Eigenkapitalausstattung der Betriebe
verbessere sich langfristig, sei mancherorts aber nach wie vor ein
Problem. In Sommersaisonregionen verdienen die Betriebe weniger als
in den Winterregionen, daher bemühe sich die ÖHT um Förderungen des
Ganzjahrestourismus. Förderungsanträge werden etwa abgelehnt, wenn
Renovierungen und Instandhaltungen nicht als Investitionen anerkannt
werden können.

Abgeordnete Elisabeth Kaufmann-Bruckberger (B) und Abgeordneter
Johann Hell (S) zeigten sich besorgt wegen der langen
Entschuldungsdauer von Tourismusbetrieben und erfuhren, dass
schlechte Bilanzjahre und hohe Zinsen zur Verlängerung der
Entschuldungsdauer beitragen.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner charakterisierte die
Entwicklung der österreichischen Tourismusbranche positiv und stellte
fest, dass die deutschen Gäste zwar immer kürzer bleiben, aber immer
öfter zu Kurzurlauben nach Österreich kommen. Enorm positiv entwickle
sich der Zustrom von Österreichurlaubern aus Tschechien, Ungarn,
Rumänien und Russland. Im Sommer trage der Städtetourismus zu einer
positiven Entwicklung bei. Auch die Investitionen entwickelten sich
ebenso gut wie in anderen Branchen, er blicke daher mit positiven
Erwartungen in die Zukunft, sagte der Minister und machte darauf
aufmerksam, dass die Tourismusförderungen trotz Sparpakets
unverändert bleiben, weil der Tourismus im engeren Sinn einen BIP-
Anteil von 7 % und gemeinsam mit der Freizeitwirtschaft einen BIP-
Anteil von 14 % habe.

Förderung der IT-Kenntnisse in der Tourismusausbildung

Sodann befasste sich der Ausschuss mit einem Antrag zur
Modernisierung der Tourismusausbildung. Vertreter aller fünf Parteien
forderten den Wirtschaftsminister und die Unterrichtsministerin dazu
auf, dem wachsenden Stellenwert des Internet-Handels in der
Tourismusausbildung durch laufende Aktualisierung der
Unterrichtsmaterialien Rechnung zu tragen und dafür Leitlinien
auszuarbeiten (1754/A[E]). Die Abgeordneten Heidrun Silhavy (S),
Franz Hörl (V), Roman Haider (F), Gabriela Moser (G) und Stefan
Markowitz (B) begründeten ihre Initiative mit dem Hinweis darauf,
dass jede vierte Buchung im Tourismus über das Internet erfolgt. Der
professionelle Umgang mit Informationstechnologie sei eine
entscheidende Basisqualifikation in allen Berufsbereichen.

Abgeordneter Roman Haider (F) betonte die Wichtigkeit von Aspekten
wie e-commerce oder Buchungsplattformen, weshalb es begrüßenswert
sei, Grundlagen dafür zu schaffen, dass die heimischen
Jungtouristiker bestmöglich ausgebildet werden. Abgeordnete Heidrun
Silhavy (S) schloss sich dem an und plädierte darüber hinaus dafür,
vermehrt Sprachenangebote und Bildung in Sachen Kultur in die
Ausbildung einfließen zu lassen. Abgeordneter Gabriel Obernosterer
(V) unterstrich, dass Österreich als Tourismusland eine adäquate und
zeitgemäße Ausbildung brauche, weshalb der Antrag sinnvoll und
begrüßenswert sei. Dies wurde auch von Abgeordneter Birgit Schatz (G)
so gesehen, die bei dieser Gelegenheit den Minister fragte, wie
Ausbildungsplätze im Tourismus attraktiviert werden könnten.
Abgeordnete Elisabeth Kaufmann-Bruckberger (B) signalisierte
gleichfalls Zustimmung, ehe die S-Abgeordneten Rosa Lohfeyer und
Elmar Mayer noch auf Details der Thematik eingingen.

Bundesminister Reinhold Mitterlehner sah die Initiative positiv und
meinte, die Situation in der Tourismuswirtschaft sei letztlich auch
eine finanzielle Frage, nicht zuletzt ob saisonaler
Beschäftigungsmodelle. Hier denke man daher vermehrt an
Ganzjahresprofile und strebe generell eine Qualitätssteigerung an. Es
müsse künftig attraktiver sein, in diesem Bereich tätig zu sein.

Der Antrag wurde einstimmig vom Ausschuss angenommen.

Österreich Werbung und FremdenführerInnen sollen stärker kooperieren

Einstimmig und ohne Debatte passierte ein Antrag den Ausschuss, in
dem die Abgeordneten Gabriela Moser (G), Heidrun Silhavy (S), Franz
Hörl (V), Roman Haider (F) und Stefan Markowitz (B) dem
Wirtschaftsminister in einem gemeinsamen Entschließungsantrag
(1871/A(E)) vorschlagen, die Kooperation der Österreich Werbung mit
den FremdenführerInnen ("Austrian Guides") zu verbessern. Die
staatlich geprüften FremdenführerInnen ("Austria Guides") betreuen
und beraten viele Österreichgäste "vor Ort" kompetent und vermitteln
ein eindrucksvolles Österreich-Erlebnis am Puls der Zeit. Sie bieten
nicht nur kulturelle und historische Informationen, sondern schaffen
auf eine intensive persönliche Weise jenes zeitgemäße Österreichbild,
auf das sich die Österreich Werbung in ihren Marketingaktivitäten im
In- und Ausland erfolgreich konzentriert, argumentierten die
Antragsteller.

Online-Buchungen: Abgeordnete für fairen Wettbewerb

Weiters traten die Abgeordneten Gabriel Obernosterer (V), Heidrun
Silhavy (S), Roman Haider (F), Gabriela Moser (G) und Stefan
Markowitz (B) dafür ein, die Konzentrationsprozesse am Online-
Tourismusmarkt genau zu beobachten und faire Wettbewerbsbedingungen
sicherzustellen (1883/A(E)). Die wachsende Marktmacht einiger weniger
großer Anbieter gefährde einen fairen Wettbewerb auf den
internationalen Online-Buchungsplattformen, die aus der Tourismus-
und Freizeitwirtschaft nicht mehr wegzudenken sind. Einseitige
Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Einführung einer
Meistbegünstigungsklausel sowie die Anhebung der Kommissionssätze um
25 % durch einen Anbieter haben Unmut in der Tourismusbranche
hervorgerufen und zu einer Beschwerde der Österreichischen
Hoteliervereinigung bei der Bundeswettbewerbsbehörde geführt, führten
die Antragsteller aus.

In der Debatte sprach Abgeordneter Stefan Markowitz (B) von einem
wirklich guten Antrag von großer Wichtigkeit, der sich jedoch
vielleicht eine etwas entschlossenere Textierung verdient hätte.
Abgeordneter Gabriel Obernosterer (V) beleuchtete wie sein
Fraktionskollege Franz Hörl den Hintergrund des Antrags. Die
Entwicklung der letzten Jahre lasse es geboten erscheinen, im
Interesse der heimischen Tourismuswirtschaft entsprechend zu
reagieren. Hörl illustrierte diese Ausführungen mit konkreten
Beispielen aus der Praxis. Abgeordnete Heidrun Silhavy (S)
unterstrich die Rolle der Wirtschaft beim Erarbeiten einer
zukunftsträchtigen Lösung der Problematik, und Abgeordneter Mathias
Venier (F) konnte dem Antrag viel abgewinnen, vor allem in der
vorliegenden Form, gelte es doch, die Thematik zunächst einmal
gründlich zu evaluieren und auf dieser Basis gegebenenfalls
entsprechend zu reagieren.

Bundesminister Reinhold Mitterlehner sprach sich bei dieser
Gelegenheit für faire Wettbewerbsbedingungen unter Nutzung aller sich
bietenden Möglichkeiten aus und zeigte sich über den Antrag daher
erfreut.

Der Antrag passierte einstimmig den Ausschuss. (Schluss)

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