• 09.03.2012, 13:37:42
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Die japanische Bevölkerung braucht weiterhin unsere Anteilnahme Gedenken an Opfer der Katastrophe Japans im März 2011 im Hohen Haus

Wien (PK) - Der Präsident des Bundesrates Gregor Hammerl, die
bilaterale parlamentarische Gruppe Österreich-Japan und die
Österreichisch-Japanische Gesellschaft luden heute zu einer
Gedenkstunde "März 2011 - Katastrophe in Japan" ins Hohe Haus ein.
Damit wurde der Opfer des verheerenden Erdbebens vor einem Jahr
gedacht. Gleichzeitig wurde damit allen ÖsterreicherInnen für ihre
Anteilnahme und Hilfe gedankt. Japan habe bereits aus eigener Kraft
viel für den Wiederaufbau getan, sagten die Redner und machten darauf
aufmerksam, dass viele Menschen in Japan unter den vielfältigen
Nachwirkungen der Katastrophe leiden und weiterhin internationale
Anteilnahme und Hilfe brauchen.

Gregor Hammerl erinnerte in seinen Begrüßungsworten an die ungeheuren
Naturgewalten, die mit dem Erdbeben und einem dadurch ausgelösten
Tsunami vor einem Jahr über die östlichen Provinzen Japans
hereinbrachen. Verschärft wurde die Lage durch die schwere Havarie im
Kernkraftwerk Fukushima. Die japanische Bevölkerung habe vor einem
Jahr unermessliches Leid erfahren, die Situation aber auch in
bewundernswerter Weise bewältigt. In dieser Gedenkstunde wolle man
aller Opfer der Katastrophe gedenken und über die offiziellen
Vertreter Japans die japanische Bevölkerung der ungebrochenen
Anteilnahme und Bewunderung Österreichs versichern, sagte Hammerl.

Nationalratsabgeordneter Werner Neubauer schloss sich als Obmann der
bilateralen parlamentarischen Gruppe Österreich-Japan den Worten
Hammerls an und drückte seinerseits den Betroffenen der Katastrophe
seine Anteilnahme aus. Die Kernschmelze in mehreren Reaktorblöcken
des Atomkraftwerks von Fukushima habe zudem die Frage, ob eine
friedliche Atomenergie noch Zukunft habe, wieder ins Zentrum der
Aufmerksamkeit gerückt. Die Katastrophe habe gezeigt, dass bei der
Abschätzung dessen, was ein kalkulierbaren und akzeptables Risiko der
Nutzung von technologischen Möglichkeiten sei, nicht nur
wirtschaftliche, sondern auch ethische Erwägungen von zentraler
Bedeutung seien.

Shigeo Iwatani, der Botschafter Japans in Österreich, berichtete vom
stetig voranschreitenden Wiederaufbau in den betroffenen Gebieten
Japans. In dieser schwierigen Zeit sei die Verbundenheit der Japaner
mit der internationalen Gemeinschaft gestärkt worden. Japan lade
ausländische Firmen ein, sich im Land zu engagieren und damit den
Wiederaufbau voranzutreiben. Sein Land leiste, indem es einen
Wirtschaftsstandort mit guten Bedingungen biete, einen wichtigen
Beitrag zur Bewältigung der internationalen Finanz- und
Wirtschaftskrise. In diesem Zusammenhang seien die Beziehungen zur
Europäischen Union von zentraler Bedeutung. Japan sorge durch strenge
Kontrolle für hohe Lebensmittelsicherheit. Er hoffe daher, dass die
EU alle Einfuhrbeschränkungen bald aufheben werde.

Als Folge der Katastrophe habe in Japan eine Neubewertung der
japanischen Energiestrategie eingesetzt, sagte der Botschafter. Man
sei bemüht, die Abhängigkeit von der Atomenergie zu reduzieren, und
stelle seine Erfahrungen der internationalen Gemeinschaft zur
Verfügung. Darüber hinaus arbeite Japan intensiv an neuen
Technologien zur effizienten und umweltfreundlichen Energiegewinnung
und Energienutzung und sei hier an Kooperationen, auch mit
Österreich, sehr interessiert.

Werner Wiesböck (Vizepräsident der Österreichisch-Japanischen
Gesellschaft) berichtete von seinen persönlichen Eindrücken im
Katastrophengebiet, das er kurz nach dem 11. März 2011 eine Woche
lang bereisen konnte. Was er dort zu sehen bekommen habe, lasse sich
kaum in angemessene Worte kleiden und werde ihn den Rest seines
Lebens begleiten. Über der Atomkatastrophe, die schnell in den
Mittelpunkt des Interesses der Weltöffentlichkeit rückte, dürfe man
die vielen menschlichen Einzelschicksale nicht vergessen, appellierte
er.

Diethard Leopold (Präsident der Österreichisch-Japanischen
Gesellschaft) hob hervor, dass Japan seit seiner Öffnung für die
Außenwelt im 19. Jahrhundert ein ungebrochenes Interesse erfahre. Die
japanische Gesellschaft sei mit ihren oft bewundernswerten Leistungen
in Kultur und Technik integraler Bestandteil der planetarischen
Menschheit geworden. Die Katastrophe habe aber auch die Grenzen der
Möglichkeiten einer hochentwickelten Gesellschaft für rasches und
effizientes Handeln gezeigt. Er appellierte daher, gerade auch die
immateriellen Bedürfnissen der Menschen in Japan, von denen viele
schwer und nachhaltig traumatisiert worden seien, nicht zu vergessen
und ihnen weiterhin Aufmerksamkeit und Anteilnahme nicht zu versagen.

Die Pianistin Yuumi Yamaguchi sorgte für das musikalische
Rahmenprogramm. Der Bariton Yasushi Hirano, Sänger an der Volksoper
Wien, beschloss die Gedenkstunde mit der japanischen und der
österreichischen Hymne in eindrucksvoller Weise. (Schluss)

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