• 03.03.2012, 21:00:32
  • /
  • OTS0047 OTW0047

Was vom Schock geblieben ist - Leitartikel von Liane Pircher

Heute in einer Woche, am 11. März, jährt sich die Atomkatastrophe Fukushima. Aus Ohnmacht wurde längst Gleichgültigkeit.

Innsbruck (OTS/TT) - Sie erinnern sich? Fast ein Jahr ist es nun
her, als das Unfassbare passierte. Einmal mehr haben menschliches
Versagen und das Kleinreden von Gefahren eine gigantische Katastrophe
verursacht, einen GAU, der das Leben von Tausenden Menschen
auslöschte und das von vielen in den nächsten Jahrzehnten als
Dauerfolge frühzeitig beenden wird. Die Katastrophe rund um das
japanische Atomkraftwerk Fukushima am 11. März 2011 machte selbst
globale Koryphäen der Nuklearphysik sprachlos. Das scheinbar
Beherrschbare war durch einen Tsunami nicht mehr beherrschbar
geworden. Der Schock saß tief, weil das Unglück in einer modernen
Industrienation passierte. Weltweit war das mediale Sirenengeheul
laut. Europa hatte Angst. Tausende Kleinbürger deckten sich mit
Geigerzählern und Jod-Tabletten ein, seit Jahren in Weinkeller
umfunktionierte Schutzräume wurden für den eigentlichen Zweck wieder
reaktiviert. Energiepolitik wurde zum beherrschenden Thema.

Und jetzt? Was davon ist nach einem Jahr übrig? Die japanische
Regierung will nach wie vor keinen Atomausstieg. Es fehlen
Alternativen. Und Atomkraft ist weltweit Gegenwart. Fukushima hat
sich einfach nur nahtlos in viele andere Katastrophen eingereiht -
Tsunami (2004), Katrina (2005), Zyklon Nargis (2008), Haiti (2010).
Keiner spricht mehr davon, dass Katastrophen an technischen
Errungenschaften (dazu zählen Atomkraftwerke) im Gegensatz zu
Naturkatastrophen nicht unter Schicksal fallen. Das verdrängen wir.
Eine zutiefst menschliche Reaktion. Es ändert aber nichts daran, dass
Cäsium 137 eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat. Und acht Prozent von
Japans Landfläche damit belastet sind. Viel radioaktiver Müll landete
im Meer.

Wie es aussieht, haben wir nichts gelernt. Man muss nicht in
Fukushima leben, um zu spüren, dass sich dieses Verdrängen irgendwann
rächen könnte.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel