• 29.02.2012, 13:43:52
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ÖGB: Mehr als 450.000 Menschen trotz Erwerbstätigkeit von Armut gefährdet

Aktionstag der Gewerkschaften, des ÖGB und der Arbeiterkammer

Wien (OTS/GPA-djp/vida/AK/ÖGB) - Mehr als 450.000 Menschen leben
in Familien die trotz Erwerbstätigkeit von Armut gefährdet sind.
Darauf wurde heute beim Aktionstag "Santa Precaria" von GPA-djp,
vida, AK-Wien und ÖGB mit einer "Prozession" in Wien aufmerksam
gemacht. "Es sind vor allem Frauen die davon betroffen sind"
erklärten die ÖGB-Frauenvorsitzende Brigitte Ruprecht und Elisabeth
Vondrasek, Frauenvorsitzende der vida.++++

Die Wohnung nicht ausreichend heizen können, keine neue Kleidung
kaufen können und sich keine gesunden Lebensmittel leisten können,
das ist das Schicksal von mehr als 450.000 Menschen in Österreich.
Und das, obwohl die FamilienerhalterInnen einer geregelten
Erwerbstätigkeit nachgehen. Ruprecht: "Das Arbeit nicht mehr vor
Armut schützt sollte die Verantwortlichen beschämen. Wenn sich
Leistung lohnen soll, müssen die Mindesteinkommen, insbesondere in
den Niedriglohnbranchen, erhöht werden."

5,77 Euro Bruttoverdienst pro Stunde sind keine Seltenheit. Das
bedeutet bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden die Woche weniger als
1.000 Euro Brutto im Monat. Ruprecht: "Die Armutsgrenze liegt derzeit
bei 951 Euro im Monat. Und dazu kommt, dass bei einem derart geringen
Verdienst auch andere Leistungen wie beispielsweise das
Arbeitslosengeld dementsprechend niedrig ausfallen."

Vondrasek machte darauf aufmerksam, dass gerade im Niedriglohnbereich
wie im Tourismus oder in der Reinigungsbranche unfreiwillige
Teilzeit, gestückelte und unregelmäßige Dienste sowie teils ständige
Erreichbarkeit für die Beschäftigten oft bedrückende Realität sind.
"Darunter haben insbesondere viele Frauen zu leiden. Sie stellen
nämlich im Tourismus wie auch in den Pflege- und in den Sozialberufen
die Mehrheit der Beschäftigten und sind dadurch häufig von prekärer
Beschäftigung betroffen. Immer mehr Leistung bei mehr Flexibilität
und weniger Lohn - so kann und darf es nicht weitergehen",
kritisierte Vondrasek.

Als "neue Form der prekären Beschäftigung" sieht vida auch die
24-Stunden-Betreuung alter und kranker Menschen: "Obwohl es sich
durch die steigende Lebenserwartungen um eine wachsende Branche
handelt", mahnt die vida-Frauenvorsitzende: "Unser Hauptkritikpunkt
an der gesetzlichen Regelung der Personenbetreuung ist, dass die
Tätigkeit auch als selbständige Beschäftigung ausgeübt werden darf,
obwohl eine Betreuerin eindeutig von einem einzigen Auftraggeber
abhängig ist." Dies spreche eindeutig gegen die Einordnung als
Selbstständige/er. "Zudem fordern wir verpflichtende
Ausbildungsvorschriften ein, da eine bessere Ausbildung auch das Tor
zu einem höheren Einkommen und den Weg aus prekären Verhältnissen
darstellt", unterstreicht Vondrasek.

Ruprecht und Vondrasek fordern, dass 1.300 Euro Mindestlohn "ohne
wenn und aber" umgesetzt wird. Dazu muss das Angebot an
Kinderbetreuungsplätzen ausgebaut und die Öffnungszeiten ausgeweitet
werden. Weiters soll die Qualifikation von MigrantInnen besser
anerkannt werden.

Rückfragehinweis:

ÖGB-Presse   
   Franz Fischill   
   Tel.: (01) 534 44/39266   
   Mobil: 0664/814 63 11   
   E-Mail: [email protected]  
         www.oegb.at

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