vida: Wirtschaft muss für bessere Arbeitsbedingungen im Tourismus sorgen
Lehrlings- und Fachkräftemangel ist anders nicht lösbar, Aussichten trotz Rekordbeschäftigung trist
Wien (OTS/ÖGB) - "Auch wenn die Beschäftigung im Tourismus 2011
wieder einen Rekordwert erreicht hat, bleibt die Branche ein
Sorgenkind", sagt vida-Vorsitzender Rudolf Kaske. "184.550
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt bedeuten ein Plus von fast 3.600
Beschäftigten bzw. zwei Prozent, aber von ihnen arbeiten viele nur
Teilzeit. Dazu kommen noch zehntausende geringfügig Beschäftigte."
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Außerdem werden immer mehr Dienstleistungen ausgelagert, vor allem in
den Städten, etwa Housekeeping oder Service. Leiharbeit in 4- und
5-Stern-Betrieben nimmt zu, so Kaske: "Die UnternehmerInnen führen
ins Treffen, dass dadurch jederzeit das benötigte Personal in voller
Zahl zur Verfügung steht, die KollegInnen aus den Betrieben berichten
jedoch, dass durch den ständigen Wechsel die Qualität leidet. Wenn
die Qualität der Dienstleistungen nicht mehr stimmt, sparen die
Betriebe jedoch an ihrer Lebensgrundlage", warnt der
vida-Vorsitzende.
Hochwertige Dienstleistungen erfordern qualifiziertes Personal. Seit
Jahren klagt die Tourismusbranche über Lehrlings- und
Facharbeitermangel, schafft aber keine attraktiven Rahmenbedingungen,
kritisiert Kaske: "Wenn ein Handelsdiskonter im letzten Lehrjahr mit
Lehrlingsentschädigungen wirbt, die höher sind als der Lohn eines
Arbeitnehmers mit Lehrabschlussprüfung im Tourismus, braucht sich
niemand wundern, dass die Branche weiterhin kaum konkurrenzfähig
ist."
"Einige Betriebe haben das erkannt", sagt Rudolf Komaromy,
Vorsitzender der vida-Bundesfachgruppe Tourismus: "Es gibt
UnternehmerInnen, die bessere Rahmenbedingungen bieten. Weil der
geltende Kollektivvertrag für das Hotel- und Gastgewerbe nur einen
Mindestlohn von 1.205 Euro vorsieht, schließen sie
Betriebskollektivverträge und Betriebsvereinbarungen ab. Diese
Vereinbarungen beinhalten faire Arbeitsbedingungen und Löhne, die
sich durchschnittlich zwischen 30 und 40 Prozent über den
kollektivvertraglichen Mindestlöhnen bewegen. Damit sichern sich
diese Betriebe die so dringend benötigten Fachkräfte."
Bei Lehrlingen soll nicht vergessen werden, dass es sich nicht um
billige Arbeitskräfte sondern um Auszubildende handelt, fordert der
stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft vida, Alfred Gajdosik:
"Wer Lehrlingen wenig bezahlt und sie über Gebühr arbeiten lässt,
wird sie nach der Lehre nicht in der Branche halten können. Auch die
Ausbildner sind zu unterstützen und laufend zu schulen", sagt
Gajdosik: "Von Seiten der Wirtschaftskammer heißt es immer, gute
Leistung hat ihren Preis. Dasselbe gilt auch für die
MitarbeiterInnen, die diese Leistungen vollbringen."
Barbara Pölki
Tel: 01/53 444-79 263
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