Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 7. Februar 2012. Von ALEX GRUBER. "Ein böses Foul von oben nach unten".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Ein fragwürdiger Paragraph der
Straßenverkehrsordnung bedroht die Existenz einiger kleiner Tiroler
Fußballklubs, weil für angebrachte Werbetafeln die nötigen
Bewilligungen fehlen. Eine Lawine könnte ins Rollen kommen.
Wieder einmal bezahlen die Kleinen. Nicht nur in puncto stets
sinkender Subventionen. Der Stein des Anstoßes ist im Zillertal zu
finden - dort, wo den Unterhausklubs aus Uderns und Ried/Kaltenbach
ein Schreiben der Bezirkshauptmannschaft Schwaz ins Haus geflattert
ist: Werbetafeln, die sich außerhalb des Ortsgebietes und in
mangelnder Entfernung zur Zillertalstraße B169 befinden und denen die
Bewilligung fehlt, sind zu entfernen. Dass bei einigen Schildern
ortsansässiger Betriebe der Lack nach langjähriger Partnerschaft
längst ab ist, ist ein anderes Kapitel. Es ist die Treue, die zählt
und die das finanzielle Überleben kleiner Klubs sichert.
Die Überprüfung der bestehenden Werbeeinrichtungen entlang der
Zillertalstraße zieht sich schon einige Zeit. Und selbst manch
ausführendes Organ kann der Logik dieser Gesetzgebung nicht folgen.
Ob die Werbebanner der hohen Landespolitik vor Wahlveranstaltungen
denn einer ähnlich strengen Prüfung unterliegen, wird auch mit einem
vielsagenden Schweigen beantwortet. Neben der Frage der Zuständigkeit
(Land, BH oder Gemeinde) sei stets auch der Einzelfall zu prüfen.
Wenngleich im konkreten Fall einer Ausnahmeregelung - die nur erteilt
wird, wenn sie einem vordringlichen Bedürfnis der Straßenbenützer
dient - schon jetzt eine Absage erteilt wird. Es wird ja nicht von
einer "Rettungsgasse" gesprochen.
Der Vorschlag an die Vereine, während der Betriebszeiten
Leuchtreklametafeln zu installieren, ist realitätsfremd. Erstens
wegen der Finanzierung. Zweitens, weil sich die Begeisterung bei
Kleinsponsoren, die seit Jahren 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr
auf den Plätzen in lesbarer Schrift zu finden sind, wohl in
überschaubaren Grenzen hält. Außerdem scheinen grell blinkende
Werbebotschaften auf überdimensionalen digitalen Schirmen eine weit
höhere Gefahr für die Verkehrssicherheit darzustellen als
reliktähnliche Werbemittel. Eine viel frequentierte Straße, auf der
zu Hochsaisonzeiten über 20.000 Fahrzeuge täglich rollen, bringt
übrigens auch viel Geld. Wenn die Tafeln schon weg müssen, könnte die
Obrigkeit auch eine Umverteilung an die Klubs neben dieser
Hauptverkehrsader überdenken. Dort, wo Ehrenamtliche kostenlos in
ihrer Freizeit den heimischen Nachwuchs fördern. Der Bestimmungsgeber
ist außerdem gefordert, Bestimmungen zu hinterfragen, die wie in
dieser Causa ohne jegliches Augenmaß wie eine sinnlose "Blutgrätsche"
erscheinen. Und nicht alle politischen "Aufhänger" sind sauber.
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