OTS0029   4. Feb. 2012, 12:58

FPÖ: Neubauer: Keine Vertreter des offiziellen Österreichs beim faschistischen Alpini-Treffen

Landtagspräsident Minniti provoziert deutsche und ladinische Bevölkerung - Historikerkommission für Alpini gefordert


"Es wird keine offiziellen österreichischen
Delegationen beim großen Alpini-Treffen vom 11. bis 13. Mai in Bozen
geben", stellte heute der österreichische Nationalratsabgeordnete und
FPÖ-Südtirolsprecher Werner Neubauer im Rahmen einer Pressekonferenz
in Bozen klar. Der österreichische Parlamentarier hatte das
Veranstaltungsprogramm und den Internetauftritt der Bozner Sektion
der Alpini-Vereinigung A.N.A. studiert und anschließend den
österreichischen Bundeskanzler sowie die Minister für Äußeres,
Inneres und Landesverteidigung auf die faschistoide Schlagseite
dieser Veranstaltung hingewiesen.

Die "Sezione Alto Adige" der "Associazione Nazionale Alpini" betätige
sich im Internet ungeniert als Propagandistin der faschistischen
Tolomei-Ortsnamen, erklärte Neubauer. "Da sind 51 'gruppi' mit
ausschließlich Tolomei-Ortsnamen wie 'Appiano' für Eppan oder
'Salorno' für Salurn aufgeführt", schildert der freiheitliche
Südtirolsprecher. Zudem weise die A.N.A.-Sektion "Alto Adige" stolz
auf ihre faschistische Gründungsgeschichte im Jahr 1928 und ihre
Teilnahme an der Einweihung des faschistischen "Siegesdenkmales" in
Bozen hin, welches die ebenso beleidigende wie überhebliche
Aufschrift trägt: "Von hier aus veredelten wir die Anderen durch die
Sprache, die Gesetze und die Künste." Empörend sei auch das
Geschichtsbild, welches in der A.N.A.-Zeitschrift "L'Alpino" gepflegt
werde, hielt Neubauer fest. Darin werde die Entstehung des
historischen Tirol südlich des Brenners mit "barbarischen Invasionen"
erklärt. "Das ist der altbekannte und beleidigende faschistische
Sprachgebrauch, der genau zu der dummen faschistischen
'Siegesdenkmal'-Aufschrift passt", so Neubauer.

Das Statut der A.N.A. lege fest, dass es zu den Aufgaben der
Vereinigung gehört, die "Taten und den Ruhm der Alpinitruppe"
darzustellen. Dementsprechend, erklärte Neubauer, hätten immer wieder
Alpini-Abordnungen Gedenkfeiern vor dem Faschistentempel und dem
Mussolini-Fries in Bozen und vor dem Alpini-Denkmal in Bruneck
abgehalten. In Bruneck werde zudem der Völkermord in Äthiopien
verherrlicht, an dem auch Alpini-Einheiten beteiligt waren. Neubauer
forderte daher heute dringend die Einsetzung einer unabhängigen
Historikerkommission, die die Geschichte dieser umstrittenen Einheit
aufarbeiten solle.

Bei dem bevorstehenden Alpini-Treffen in Bozen werde der Festzug bis
zu dem sogenannten "Siegesplatz" vor dem faschistischen
"Siegesdenkmal" führen. "Auch wenn im offiziellen Festprogramm keine
Kranzniederlegung vor dem 'Siegesdenkmal' vorgesehen ist, so
kündigten doch Alpini-Gruppen auf Facebook und Twitter bereits solche
Huldigungen an den Faschismus an", informierte Neubauer die
Journalisten. "Solange sich die Alpini nicht von ihrer faschistischen
Vergangenheit und den grausamen Kriegsverbrechen in Afrika
distanzieren, muss ein Alpini-Aufmarsch in Bozen von jedem aufrechten
Demokraten als offene Provokation empfunden werden", zitierte der
FPÖ-Südtirolsprecher daher aus seinem Brief an den österreichischen
Bundeskanzler und an die Bundesminister.

"Es ist erfreulich", erklärte Neubauer, "dass die Politiker nun
richtig reagiert und mitgeteilt haben, dass es keine Teilnahme
offizieller österreichischer Delegationen des Militärs und der
Exekutive oder auch einzelner Repräsentanten an dem fragwürdigen
Bozener Spektakel geben wird." Eigentlich sei der Aufmarsch als
Zeichen der über 90-jährigen Besetzung des Landes Tirol zu sehen und
stelle damit eine unzeitgemäße Provokation dar, welche die Menschen
spalte. Umso befremdlicher sei es, dass erst vor kurzem der
Südtiroler Landtagspräsident Mauro Minniti von der Partei Popolo
della Libertá an einer Kranzniederlegung beim Beinhaus in Mals
teilgenommen und damit die deutsche und ladinische Bevölkerung
Südtirols offen provoziert habe. Auch in Innichen soll erst vor
wenigen Tagen - am 31. Jänner - eine Kranzniederlegung stattgefunden
haben. "Dieses Beinhaus wurde erst 1939 von den Faschisten errichtet
- mit den Überresten von Toten, die weiter im Süden auf
Soldatenfriedhöfen eigens ausgegraben wurden. Das ist ein Symbol für
die makabere Geschichte der Alpini und der italienischen Besatzung
Südtirols generell", stellt Neubauer fest.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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