• 02.02.2012, 21:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 3. Februar 2012, von Anita Heubacher: "Ohne Einigung bleibt Klinik der Patient"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: An einer Arbeitsstelle als Arzt zwei
Dienstgebern dienen zu müssen, ist ein Kunstfehler, der längst
beseitigt gehört. Bund und Land streiten seit gefühlten Jahrzehnten
um den klinischen Mehraufwand und damit ums Geld.

Ein Arbeitsplatz, zwei Dienstgeber. Das ist eine Rechnung, die nicht
aufgehen kann. Noch dazu, wo die Dienstgeber verschiedene
Arbeitsanforderungen an ihre Dienstnehmer haben. In der
Privatwirtschaft denkunmöglich, an der Klinik Innsbruck schon lange
praktiziert.
Bundes- und Landesärzte bestreiten den Dienst an der Klinik. Die
Anforderung an den Bundesarzt, der über die Medizin-Universität läuft
und damit vom Bund bezahlt wird, ist, zu lehren, zu forschen und
Dienst am Patienten zu versehen. Dann gibt es die Landesärzte, die,
vom Land bezahlt, die Patientenversorgung gewährleisten müssen. Damit
es noch ein bisschen komplizierter wird, bekommt das Land vom Bund
Geld, weil an der Klinik geforscht und gelehrt wird. Das nennt sich
klinischer Mehraufwand. Da geht es um richtiges Geld. 63,7 Mio. Euro
pro Jahr überwies der Bund an das Land. Ab 2007 zahlte der Bund nur
noch 50 Millionen Euro. Bund und Land verkrachten sich dermaßen, dass
der Verfassungsgerichtshof angerufen wurde. Der gab Tirol Recht,
allerdings legte das Höchstgericht den Verteilungsschlüssel nicht
fest. Das war im März 2011.
Und darum streiten Bund und Land munter weiter. Lösung ist noch
keine in Sicht. Aus der Sicht des Landes schuldet der Bund Tirol 100
Millionen Euro. So, und nun kommt die Medizin-Uni (MUI) und stellt
fest, dass 5,5 Millionen Euro in ihrem Budget fehlen und greift zu
drastischen Schritten.
Sie will einen Teil der Bundesärzte, nämlich 200 bis 250
Fachärzte, vom Dienst abziehen, wenn kein Geld vom Bund oder vom Land
fließt. Das Land müsste in die Presche springen und seine Ärzte
einsetzen oder Dienste der Bundesärzte bezahlen. Da schließt sich der
Kreis: Warum noch mehr bezahlen, wenn der Bund Tirol ohnehin schon
100 Millionen Euro aus dem klinischen Mehraufwand schuldet? Warum
noch mehr bezahlen, wenn der Bund am Wiener AKH für alle Ärzte
bezahlt und in Tirol nur für 46 Prozent?
Es dreht sich vieles um den klinischen Mehraufwand. Wird diese
Frage gelöst, könnte man in der Folge mit dem Zweiklassenmodell
Bundes- und Landesärzte aufhören. Ein Ärztepool, wo sich Ärzte im
Laufe ihrer Ausbildung entscheiden können, ob sie sich auf die
Forschung spezialisieren wollen oder nicht. Es würde offensichtlich,
was man von Innsbruck als Universitätsstandort erwartet und was die
Patientenversorgung leisten soll.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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