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OTS0069   2. Feb. 2012, 10:09

Neues Psychotherapie-Debakel der WGKK zeigt: Gesundheitsleistungen privatisieren und kontingentieren schadet den PatientInnen


Im Jahr 2000 haben die Krankenkassen die
Psychotherapie zum "Versuchskaninchen" im österreichischen
Gesundheitswesen erklärt: Das bewährte, sozialpartnerschaftlich
organisierte Dreieck Krankenkassen - Leistungsanbieter - PatientInnen
wurde für die psychotherapeutische Versorgung aufgelöst. Das System
zur psychotherapeutischen Krankenbehandlung auf Krankenschein wurde
vollständig in die Hände von privaten Versorgungsvereinen gelegt und
kontingentiert.

Kassen haben Verantwortung für Behandlungssystem abgestreift

Die Verantwortung für die entscheidenden System- und
Qualitätsfragen - wie die zur Verfügung gestellten finanziellen
Mitteln eingesetzt werden, wie die PatientInnen zur Psychotherapie
kommen, wie die Behandlung durchzuführen ist und welche
PsychotherapeutInnen so genannte "Kassenstunden" erhalten, - liegt
seither nicht mehr in den Händen der WGKK, sondern bei den privaten
Versorgungsvereinen. Die für die Qualitätssicherung und Fachlichkeit
zuständige Berufsvertretung wurde von den Kassen schlicht umgangen.
Dr. Eva Mückstein, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes
für Psychotherapie (ÖBVP): "Regelmäßig rufen im Berufsverband
PatientInnen an, die sich beschweren, weil sie keine
kassenfinanzierte Psychotherapie finden. Schicken wir diese
PatientInnen zur Krankenkasse, werden sie ohne Aussicht auf Erfolg im
Kreis geschickt: Die Kassen erklären, die Versorgungsvereine sind
zuständig. Die Versorgungsvereine sagen, die Kontingente sind
ausgeschöpft und verweisen auf die Kassen.".

Mit schwerwiegenden nachteiligen Folgen für die PatientInnen

Bezeichnend ist, dass die Kassen seit der Kontingentierung nicht
mehr von Menschen, sondern nur noch von Behandlungsstunden reden. So
erklärte die WGKK gestern in den Medien, den Neuzugang zur
Psychotherapie sperren zu wollen, weil der private Versorgungsverein
74.000 über das Kontingent hinaus gehende Behandlungsstunden vergeben
haben soll. Was steckt hinter dieser Äußerung der WGKK: Ein schwerer
Systemfehler, den die Kassen selbst verursacht haben und geschätzte
2000 Personen, die unter psychischen Störungen und Problemen leiden
und offenbar - gegen den Willen der WGKK - behandelt wurden! Für
dieses "Vergehen" sollen nun offenbar die Psychotherapie-Bedürftigen
bestraft werden!

ÖBVP fordert angesichts der neuen Misere: Schluss mit den
Psychotherapie-Experimenten!

  • Die EntscheidungsträgerInnen sind aufgefordert das gesetzlich verankerte sozialpartnerschaftliche Versorgungsdreieck auch für den Bereich Psychotherapie (wieder) herzustellen
  • Der ÖBVP fordert die Aufnahme von Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen, damit die entscheidenden System- und Qualitätsfragen vertraglich geregelt werden
  • Der ÖBVP fordert die Aufhebung der Kontingentierung der Therapiestunden, um jedem psychisch Erkrankten die notwendige Behandlung zu ermöglichen.

Die WGKK wird aufgefordert, die Verantwortung für den Systemfehler
selbst zu tragen und den PatientInnen den Zugang zur
Kassen-Psychotherapie sofort wieder zu öffnen!

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0069 2012-02-02 10:09 021009 Feb 12 OBP0001 0411



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Rückfragehinweis: Dr.in Eva Mückstein,
Präsidentin ÖBVP
T: 0676/600 46 76,
E: eva.mueckstein@aon.at

Mag.a Barbara Zsivkovits,
Presse & PR ÖBVP
T: 01/512 70 90.23,
E: oebvp.zsivkovits@psychotherapie.at
www.psychotherapie.at

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