OTS0265 / 27.01.2012 / 20:16 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: EU-Hauptausschuss / Faymann / Nationalrat / Spindelegger


Regierung und Opposition uneinig über Fiskalpakt und ESM Diskussion über Themen des informellen Gipfels im EU-Hauptausschuss


   Wien (PK) - Die Differenzen zwischen Regierung und Opposition in 
Bezug auf den vorliegenden Vertrag zu einem Fiskalpakt mit dem Ziel 
der Einhaltung der Budgetdisziplin durch die EU-Staaten wurden heute 
im EU-Hauptausschuss des Nationalrats einmal mehr deutlich, wobei die 
Ablehnung des Vertrages durch FPÖ, Grüne und SPÖ unterschiedlich 
argumentiert wurde. Der Ausschuss trat im Vorfeld des informellen 
Europäischen Rats am 30. Jänner zusammen.
Spindelegger: Vorrangiges Ziel ist Budgetdisziplin
Wie Außenminister Michael Spindelegger darlegte, ist vorrangiges Ziel 
des Vertrags, die Länder zu mehr Budgetdisziplin anzuhalten und ein 
ausgeglichenes Budget zu erreichen. Dafür seien klare Kriterien für 
einen Anpassungspfad festgelegt. Der Vertragstext beinhalte weiters 
eine verpflichtende Schuldenbremse, automatische Korrekturmechanismen 
für Länder, die den Anpassungspfad verloren haben, und die 
Verpflichtung zu einem konsequenten Schuldenabbau, um die 
Gesamtverschuldung auf das Maastricht-Kriterium von 60% zu 
reduzieren. Im Hinblick auf spürbare Konsequenzen soll der EuGH als 
Schiedsgericht fungieren, erläuterte Spindelegger. Die EU wolle auch 
einen Grundstein für eine gemeinsame Wirtschaftspolitik schaffen.
Der Pakt soll mit 1. Jänner 2013 in Kraft treten, offen sei jedoch 
noch die Frage des Ratifikationsverfahrens. Darüber hinaus sei man 
sich noch uneinig darüber, ob es nur für das Defizitverfahren, also 
die Einhaltung von 3% Neuverschuldung, oder auch bei der 
Nichteinhaltung der Gesamtverschuldung von 60% Sanktionsmechanismen 
geben soll. Diskutiert werde weiters, ob nur die Euro-Länder an den 
Sitzungen teilnehmen sollen oder sämtliche EU-Mitglieder. 
Laut vorliegendem Text soll die Schuldenbremse sowohl bindenden als 
auch permanenten Charakter haben, ergänzte Bundeskanzler Werner 
Faymann, und sollte vorzugsweise in der Verfassung verankert sein. 
Diese Formulierung habe man deshalb gewählt, weil einige Länder 
Schwierigkeiten haben, eine solche Bestimmung in der Verfassung zu 
verankern. 
Faymann für höhere "Feuermauer" im ESM
Der Bundeskanzler thematisierte den permanenten Europäischen 
Stabilitätsmechanismus (ESM) und vertrat dabei die Auffassung, dass 
ein Schutzschirm von mehr als 500 Mrd. € eine bessere 
Präventivwirkung gegen Spekulanten haben würde. Er trete daher dafür 
ein, über Kombinationen nachzudenken, um den Betrag auf 750 Mrd. € zu 
erhöhen. Auch wenn Griechenland nicht auf der offiziellen 
Tagesordnung stehe, werde es Gespräche darüber geben, weil bis März 
entschieden werden müsse, ob dem Land neuerlich Mittel zuerkannt 
werden. Dabei habe man auch die Realisierbarkeit eines 
Schuldenschnitts zu berücksichtigen.
Das informelle Treffen werde sich auch mit Wachstumsmaßnahmen 
auseinandersetzen, erläuterte Faymann, und machte sich einmal mehr 
für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer als gerechten 
Beitrag des Finanzmarktes stark. Wichtig sei vor allem, Maßnahmen zur 
Beschäftigung zu setzen, betonte der Bundeskanzler und informierte 
die Abgeordneten, dass er aufgefordert sei, zum Thema 
Jugendarbeitslosigkeit zu sprechen, zumal hier Österreich einen 
erfolgreichen Weg gehe. Er könne sich vorstellen, aus dem 
europäischen Sozialfonds noch nicht ausgeschöpfte Mittel in der Höhe 
von 10 Mrd. € im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit einzusetzen, 
wobei man hier die Kofinanzierungsbedingungen ändern müsse, weil sich 
gerade Länder mit hohen Arbeitslosenraten die Kofinanzierung nicht 
leisten können. 
FPÖ für Einführung einer Hartwährungsunion
Die FPÖ sprach sich sowohl gegen weitere Zahlungen an Griechenland 
sowie gegen eine europäische Transferunion und eine europäische 
Wirtschaftsregierung aus. Die zwei diesbezüglichen Anträge auf 
Stellungnahme fanden jedoch nicht die Mehrheit der 
Ausschussmitglieder. Abgeordneter Johannes Hübner (F) machte sich 
einmal mehr für die Einführung einer Hartwährungsunion ("Euro Nord") 
stark und verlangte die Durchführung einer Volksabstimmung bei jeder 
grundlegenden Änderung der europäischen Verträge, insbesondere auch 
der geplanten Einführung des ESM. 
Jean Claude Juncker habe die Katze aus dem Sack gelassen, sagte 
Hübner, indem er für den Verzicht eines Teils der Forderungen der 
Staaten an Griechenland plädiert habe. Man könne bezüglich des ESM 
auch nicht von einer Feuermauer sprechen, wie dies der Bundeskanzler 
immer tue, sondern man habe es dabei mit einer Feuermauer zu tun, die 
die Spekulation schütze. Der F-Mandatar ortete die Gründe für die 
hohe Arbeitslosigkeit innerhalb der EU-Staaten in den hohen 
Zuwanderungsraten. Nur wenn man diese einschränke, werde man auch im 
Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit erfolgreich sein, meinte er.
Europa-Abgeordneter Andreas Mölzer (F) war der Ansicht, dass das 
Vertrauen der Bevölkerung in die EU schwinde. Der Ruf nach einer 
"höheren Feuermauer" klinge für die Menschen nach einer gefährlichen 
Drohung, da sie sich fragten, was sie diese wieder kosten werde. 
Mölzer befürchtete, dass der EU-Ratsgipfel die tatsächlichen Probleme 
nicht behandeln werde. Der Fiskalpakt führe die bestehenden EU-
Institution ad absurdum und zeige nur die Bedeutungslosigkeit des 
Vertrags von Lissabon auf.
Grüne: Demokratische Spielregeln werden ausgehebelt
Den Ausführungen von Abgeordneten Hübner widersprach Abgeordneter 
Alexander Van der Bellen (G) heftig. Je länger die Krise an der 
Peripherie andauere, desto stärker sei der Migrationsdruck, erwiderte 
er. 
Im Hinblick auf den Fiskalpakt fand Van der Bellen äußerst kritische 
Worte. Bei aller Notwendigkeit, die Defizite abzubauen, werde bei 
einer scharfen und europaweit gleichzeitigen Konsolidierung die 
ohnehin schwächelnde Konjunktur vollständig abgewürgt. Die Grünen 
sähen die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit innerhalb der EU, 
der vorliegende Fiskalpakt beruhe aber auf einer falschen Diagnose. 
Er fasse vieles zusammen, was in der EU ohnehin schon vorhanden sei, 
sagte der grüne Abgeordnete und äußerte vor allem große 
verfassungsrechtliche Bedenken. Was hier mit dem automatischen 
Mechanismus vorliege, sei die Unterwerfung Österreichs unter ein 
Schiedsgericht, was mit einer Beeinträchtigung der Budgethoheit des 
Nationalrats einhergehe. Hier werde ein völkerrechtlicher Vertrag 
außerhalb des EU-Rahmens geschlossen, der demokratische Spielregeln 
und jene des EU-Rechts völlig ausheble. Das Europäische Parlament 
werde de facto ignoriert, die Europäische Kommission zu einer Art 
Hilfsagentur der Räte degradiert. Den nationalen Parlamenten würden 
die ausgehandelten Deals ohne Alternative zur Absegnung vorgelegt. 
Van der Bellen stieß sich vor allem daran, dass die automatischen 
Konsolidierungsmechanismen an das strukturelle Defizit anknüpfen, ein 
statistisches Konstrukt, dessen Berechnungen je nach Methode stark 
schwanken. Die Grünen fordern daher die Einberufung eines 
europäischen Konvents zur Etablierung einer handlungsfähigen und 
demokratisch legitimierten europäischen Wirtschaftsregierung. Der 
diesbezügliche Antrag auf Stellungnahme fand jedoch ebenfalls keine 
ausreichende Zustimmung.
Auch Europa-Abgeordnete Ulrike Lunacek (G) bekräftigte die Kritik der 
Grünen am Fiskalpakt, der ein Demokratiedefizit aufweise, ohne etwas 
Neues gegenüber dem bereits zur Verfügung stehenden Instrumentarium 
zu bringen. Sie trat für das Recht des Präsidenten des Europäischen 
Parlaments ein, an den Sitzungen des Europäischen Rats teilzunehmen.
G-Abgeordnete Ulrike Glawischnig-Piesczek unterstrich die Forderung 
nach einem europäischen Konvent. Es sei außerdem wichtig, weitere 
Staaten von der Notwendigkeit der Finanztransaktionssteuer zu 
überzeugen, sagte sie. 
Abgeordneter Werner Kogler (G) ließ das Argument, der Fiskalpakt 
diene der Beruhigung der Märkte, nicht gelten. Bundeskanzlerin Merkel 
brauche ihn zur Beruhigung der deutschen Öffentlichkeit, meinte er. 
Falls damit aber die Einführung der Finanztransaktionssteuer 
beschleunigt werde, sei aus Sicht der Grünen immerhin etwas Positives 
worden.
BZÖ wirft Regierung Verfassungsbruch vor
Abgeordneter Stefan Petzner (B) warf der Regierung Verfassungsbruch 
vor, weil sie ohne verfassungsmäßige Vollmacht illegale Verhandlungen 
über den Fiskalpakt geführt und das Parlament falsch über die 
Verhandlungsrunden informiert habe. Er führte seine Vorwürfe, die 
sich insbesondere gegen Außenminister Michael Spindelegger richteten, 
noch in zwei weiteren Wortmeldungen im Detail aus. Für die Aussage, 
Spindelegger habe den Nationalrat eindeutig belogen, erhielt er von 
Ausschussobmann Fritz Neugebauer einen Ordnungsruf.
Petzner brachte außerdem einen Antrag auf Stellungnahme ein, in dem 
sowohl der Fiskalpakt als auch der Vertrag zur Einrichtung des 
europäischen Stabilitätsmechanismus strikt abgelehnt werden. Dieser 
Antrag blieb jedoch in der Minderheit und wurde somit abgelehnt. 
SPÖ will "Europäische Jugendgarantie"
Seitens der Regierung fand man wenig Verständnis für die Haltung der 
Opposition. Die SPÖ betonte in ihren Debattenbeiträgen insbesondere 
die Notwendigkeit einer Wachstumsstrategie und die Bekämpfung der 
Arbeitslosigkeit. Mit Sparmaßnahmen allein werde man die Krise nicht 
lösen, meinte etwa Abgeordnete Christine Muttonen (S). Es sei 
Tatsache, dass zur Schuldenkrise nun auch eine schwere Sozialkrise 
mit hoher Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern dazugekommen sei. 
Das bringe die Gefahr mit sich, dass eine ganze Generation die 
Perspektive verliert, was auch zu einer Krise der Demokratie führen 
könne, warnte Muttonen.
Sie begrüßte es daher, dass die Union nun ein umfassendes Konzept 
vorlege, das eine konsequente Finanzmarktregulierung sowie eine 
nachhaltige Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik zum Inhalt hat. Es 
gehe darum, die soziale Säule der EU zu stärken, sagte sie und 
forderte eine "Europäische Jugendgarantie", wodurch kein Jugendlicher 
länger als 4 Monate ohne Arbeit sein soll. Muttonen hielt darüber 
hinaus die Verankerung einer verbindlichen Obergrenze für die 
Gesamtarbeitslosigkeit in einem EU-Land für wünschenswert. Dabei 
sollte bei einer Überschreitung einer bestimmten Arbeitslosenrate die 
Verpflichtung bestehen, sofort Gegenmaßnahmen zu ergreifen. 
Ähnlich argumentierte die Europaparlamentarierin Evelyn Regner (S), 
die ein großes Problem in den Ungleichgewichten innerhalb der 
europäischen Staaten sah. Sie unterstützte die Idee der 
Finanztransaktionssteuer und unterstrich, dass der Fiskalpakt auch 
eine Einnahmenpolitik bedeute. Leise Kritik äußerte sie daran, dass 
das Europäische Parlament nicht eingebunden war und daher zur 
Möglichkeit der Resolution greifen musste. 
Auch S-Abgeordneter Kai Jan Krainer begrüßte den neuen EU-Schwerpunkt 
auf Wachstum und Beschäftigung. Er sprach sich für Maßnahmen gegen 
Jugendarbeitslosigkeit und meinte, eine Obergrenze der 
Arbeitslosenrate, wie es sie für die Defizitquote bereits gibt, sei 
sicher ein komplexes Thema, sollte aber ernsthaft diskutiert werden. 
Abgeordneter Josef Cap (S) schließlich meinte, die hohe 
Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa habe mit Strukturproblemen des 
Arbeitsmarkts dort zu tun und dürfe nicht auf eine Frage der 
Zuwanderung verkürzt werden. Der Fiskalpakt sei aus einem "Realpakt" 
Deutschlands und Frankreichs als den beiden wichtigsten 
Volkswirtschaften der Eurozone entstanden. Es sei wesentlich für 
Österreich, sich in den Dialog, der zwischen Berlin und Paris 
stattfinde, einzubringen. 
ÖVP: Man braucht praktikablen Weg zur Stärkung des Vertrauens
Die Vorschläge von Abgeordneter Christine Muttonen nach Einführung 
von Obergrenzen für Arbeitslosenraten hielt Abgeordneter Martin 
Bartenstein (V) für nicht realisierbar. Er teilte aber ihre 
Auffassung im Hinblick auf eine notwendige Wachstumspolitik zur 
Hintanhaltung von sozialen Konflikten. Deshalb müsse man den 
Binnenmarkt weiter entwickeln und Wachstumshemmnisse abbauen, sagte 
er.
Die ablehnende Haltung der Opposition fand bei Bartenstein kein 
Verständnis, da es darum gehe, einen praktikablen Weg zu beschreiten, 
nachdem Großbritannien ausgeschert ist. Der ehemalige 
Wirtschaftsminister trat auch dafür ein, dass Sanktionen nicht nur 
bei der Überschreitung des Nettodefizits von 3% sondern auch bei der 
Überschreitung der Gesamtverschuldung von 60% in Kraft treten. 
Hinsichtlich der Weigerung der Opposition, der Verankerung der 
Schuldenbremse in der Verfassung zuzustimmen, warf er dieser 
Populismus und Kurzsichtigkeit vor. Seiner Meinung nach sollte man 
auch der Erhöhung der Mittel für den ESM auf 750 Mrd. € nicht die Tür 
verschließen. 
Abgeordneter Reinhold Lopatka (V) sah keinen Widerspruch zwischen der 
Steigerung von Wettbewerbsfähigkeit Europas und Wachstumsmaßnahmen 
und den notwendigen Maßnahmen zu Strukturreformen und Schuldenabbau. 
Es sei wichtig, das Vertrauen der Finanzmärkte wieder herzustellen. 
Auch wenn noch nicht alle Probleme, die der Pakt aufwerfe, gelöst 
seien, wäre doch ein Nichthandeln die schlechtere Option. 
Spindelegger: Korrekturmechanismus ist wichtige Neuerung
In Beantwortung der von den Abgeordneten aufgeworfenen Fragen sagte 
Vizekanzler Michael Spindelegger, der Fiskalpakt bringe mit dem 
automatischen Korrekturmechanismus sehr wohl etwas wesentlich Neues. 
Bisher seien Versuche der Kurskorrekturen in der Budgetpolitik der 
Mitgliedsstaaten nur über einen umständlichen Prozess mit ungewissem 
Ausgang möglich gewesen. Die Frage, warum man stattdessen nicht eine 
große Vertragsänderung anstrebe, sei einfach zu beantworten. 
Großbritannien lasse klar erkennen, daran nicht interessiert zu sein. 
Statt zu warten, bis alle Mitgliedsstaaten von den Maßnahmen 
überzeugt seien, habe man daher den Weg gewählt, der auch beim 
Schengen-Vertrag gegangen wurde, und beginne mit einem Abkommen 
zwischen jenen Mitgliedsstaaten, die bereit seien, dem beizutreten. 
Es werde natürlich angestrebt, dieses sukzessive auszuweiten und es 
in einigen Jahren in die europäische Rechtsordnung zu integrieren.
Die Verfassung sei von ihm sicher nicht gebrochen worden, diese sehe 
auch keine "Verhandlungsvollmacht" vor, wie Petzner es darstelle. 
Vielmehr gehe um eine Unterzeichnungsvollmacht, die er zeitgerecht 
eingeholt habe. Die Vorwürfe von Abgeordnetem Petzner, er habe das 
Parlament bewusst falsch informiert, wies Spindelegger mit 
Entschiedenheit zurück.
Faymann: Instrumente schaffen, um Angriffe auf den Euro abzuwehren
Bundeskanzler Werner Faymann kam in seiner Stellungnahme zu den 
Fragen der Abgeordneten nochmals auf die Frage der 
Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu sprechen. Gerade viele 
südeuropäische Länder hätten einen sehr ungeregelten Arbeitsmarkt und 
Mängel bei der Ausbildung von Facharbeitern. Der Fiskalpakt diene 
dazu, gewisse Versäumnisse bei der Gründung der Eurozone zu beheben. 
Das notwendige Instrumentarium, um auf Finanzkrisen adäquat reagieren 
zu können, werde jetzt geschaffen. Da aber eine Einigung nach dem 
Einstimmigkeitsprinzip schwierig sei, bediene man sich mit dem 
Fiskalpakt eines Hilfskonstrukts. Es werde in Zukunft deshalb 
zweifellos Treffen des Europäischen Rats mit unterschiedlichem 
Teilnehmerkreis geben. Neben Treffen der EU-27 werde es auch Treffen 
der Mitglieder der Währungsunion und der Mitglieder des Fiskalpakts 
geben. Eine Teilnahme des Präsidenten des Europäischen Parlaments 
daran erachte er nur unter der Bedingung als sinnvoll, dass diese 
mehr sei als ein leeres Ritual. 
Zur Frage der Definition des strukturellen Defizits, welches den 
Korrekturmechanismus in Gang setze, so sei diese sicher noch nicht 
abgeschlossen, sie werde sich zweifellos ähnlich gestalten, wie es 
beim Maastricht-Defizit der Fall war. Größeres Vertrauen in die EU 
könne es seiner Ansicht nach nur geben, wenn diese mehr gemeinsame 
Aktionen setze. So spreche er sich für eine Banklizenz für den ESM 
aus, um diesen zu befähigen, auf spekulative Angriffen gegen den Euro 
zu reagieren. Was die Forderung nach Einstellung der Hilfszahlungen 
an in der Krise befindlichen EU-Mitgliedsstaaten betreffe, so sei es 
unseriös, zu meinen, dass man sich damit etwas ersparen würde. Die 
Kosten einer Insolvenz von Staaten wie Griechenland würden weiter 
höher ausfallen als die des Euro-Rettungsschirms. Er werde sicher 
nicht den von Ratingagenturen gewünschten Weg zur Lösung der 
Finanzkrise befürworten, der auf einen Abbau der Sozialsystem 
hinauslaufe. Die Diskussion, wie zusätzliches Wachstum erzielt werden 
könnte, sei aber sicher noch lange nicht beantwortet sein. Er werde 
zweifellos noch öfters Gelegenheit habe, diese Frage mit den 
Abgeordneten zu diskutieren, schloss Werner Faymann.  
Am Ende der Debatte nahmen die Ausschussmitglieder mittels eines 
Antrags eine Präzisierung der Aufgaben des EU-Ausschusses einstimmig 
an, der in erster Linie für Änderungen des Primärrechts (EU-Verträge) 
und Vorhaben des Europäischen Rats zuständig ist. Nachdem immer öfter 
auch informelle Treffen der Staats- und RegierungschefInnen der EU 
oder der Eurozone stattfinden, für die meist keine Tagesordnung im 
engeren Sinn vorliegt, wird nun explizit festgehalten, dass nicht nur 
Themen Gegenstand der Ausschussberatungen sind, die auf der Agenda 
des nächsten Europäischen Rats stehen, sondern allgemein auch jene, 
die bei bevorstehenden Treffen von Staats- und RegierungschefInnen 
der EU oder der Eurozone diskutiert werden sollen. (Schluss)
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