• 22.01.2012, 21:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 23. Jänner 2012 von Florian Madl "Das EURO-Trauma scheint vergessen"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Nach dem ökonomischen Flop der
Fußball-Europameisterschaft 2008 rehabilitierte sich Tirol mit den
Olympischen Jugend-Winterspielen. Die heimische Bevölkerung scheint
versöhnt, den Kassasturz gilt es abzuwarten.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Verantwortlichen nach
den gestern zu Ende gegangenen Olympischen Jugend-Winterspielen auf
die Schultern klopfen würden. Diese Einigkeit wurde der Tiroler
Bevölkerung schon im Anschluss an die Fußball-Europameisterschaft
2008 suggeriert, bekanntermaßen ein ökonomischer Flop.
Nach der stimmungsvollen Schlussfeier einer Veranstaltung (Budget:
23,7 Mio. Euro), die besagter EURO (35 Mio. Euro) finanziell um nicht
viel nachstand, fiel der Applaus indes verhaltener aus. Erst nach dem
Kassasturz in einigen Wochen wolle man sich eine Schulnote geben.
Emotional betrachtet verdienen sich die Jugendspiele allemal ein
"Sehr gut". Die Tiroler gewannen an den vergangenen zehn Tagen
tatsächlich den Eindruck, dem Motto gemäß "Teil gewesen zu sein". Und
sie verstanden sich dabei nicht bloß als jener Teil, der zahlte. Für
die 15 Millionen Euro aus öffentlichem Geld (je fünf von Stadt, Land
und Bund) wurde ein Spektakel mit Augenmaß geboten, das neben 63
Medaillenentscheidungen ein gleichermaßen ansprechendes
Rahmenprogramm beinhaltete. Wer kochen wollte, wurde inspiriert. Und
wer sich Usbekistan im Rahmen einer bunten Collage nähern wollte, dem
wurde auch das ermöglicht. Als gestern der Vorhang fiel, nickten
selbst hartnäckige Skeptiker anerkennend.
Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees und
Initiator des Projekts Jugendspiele, ist Tirol in der Tat zu Dank
verpflichtet. Das Versprechen, für die 15- bis 18-jährigen Teilnehmer
keine Spiele der Gigantomanie in den Schnee zu zaubern, wurde
gehalten.
Somit ist es am Belgier, die Zuwiderhandelnden aus dem vorwiegend
asiatischen Raum endlich zur Räson zu rufen. In Singapur umfassten
allein die Kosten der Eröffnungsfeier das Innsbrucker Gesamtbudget.
Und seit chinesische Städte die olympische Bewegung als PR-Plattform
für ihr Regime entdeckt haben, häufen sich auch für das Format
Jugendspiele die Bewerbungen. Veranstaltungen, für die
Yen-Druckmaschinen angeworfen werden und die Infrastruktur ohne
Rücksicht auf die Bürger in den Boden gestampft wird.
Was Jacques Rogge in Tirol erlebte, war so gesehen die heile
olympische Welt. Eine Atmosphäre, in der sich das sensible Thema
Jugendwettkampf nicht mit staatlicher Propaganda und ausufernder
Kommerzialisierung vermengte. Und nur in diesem Rahmen hat das
Projekt Olympische Jugendspiele Zukunft.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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