- 19.01.2012, 21:00:31
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Ein richtiger Schritt ist zu wenig
Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: Niko Pelinka hat seine Bewerbung
als Büroleiter von Alexander Wrabetz zurückgezogen. Und stilisiert
sich jetzt zum Opfer. Gelitten hat aber nur der öffentlich-rechtliche
Rundfunk, der jetzt seine Chance zur Reform nutzen muss.
Von Christiane Fasching
Das Büroleiter-Schild von Niko Pelinka wandert in den
Küniglberg-Müll. Am Donnerstag hat der einstige ORF-Stiftungsrat
seine Bewerbung um den zu spät ausgeschriebenen Posten zurückgezogen.
Und die Welt darüber mittels schriftlicher Erklärung in Kenntnis
gesetzt. Die "andauernde öffentliche Debatte" über seine Person sei
nicht mehr akzeptabel gewesen, heißt es da. "Untergriffige Angriffe"
gegen ihn, seine Familie und Freunde wolle er fortan vermeiden,
"dieses unwürdige Theater" niemandem mehr zumuten. Dass Pelinka -
neben Generaldirektor Alexander Wrabetz - selbst Co-Regisseur dieses
bizarren Schauspiels war, gesteht er sich jedoch nicht ein. Lieber
stilisiert er sich zum Opfer und indirekt auch zum Beschützer des
ORF, dessen Ansehen er natürlich nicht schaden wollte. Dabei hat die
Büroleiter-Affäre das Image des öffentlich-rechtlichen Senders stark
angekratzt - daran ändert auch der Rückzug des SPÖ-Aufstrebers
nichts.
Die Causa Pelinka zeigt vielmehr, dass in der ORF-Führungsetage nach
wie vor parteipolitische Spielchen gespielt werden. Der jüngst
geführte Postenschacher brachte das Fass bloß zum Überlaufen und
nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die ORF-Journalisten in
Rage. Womit wir beim einzigen positiven Punkt der unrühmlichen
Tragikomödie wären - so politisch beeinflussbar Generaldirektor
Wrabetz auch sein mag, so unabhängig agierten seine Mitarbeiter in
dieser Sache. Die Proteste der Journalisten waren massiv und modern
(es wurde eifrig getwittert und geyoutubed) und haben schlussendlich
auch dazu geführt, dass Wrabetz die Reißleine zog - und umstrittene
Bestellungen vom Tisch gewischt wurden.
Das Thema der politischen Einflussnahme auf den ORF ist damit aber
noch lange nicht vom Tisch. Leider. Umso wichtiger wäre es, dass der
Stiftungsrat, der heute tagt, seinem Plan treu bleibt und trotz der
aktuellen Ereignisse die ORF-Personalpolitik diskutiert. Um
"unwürdige Theater" künftig zu vermeiden. Zudem wären aber auch
strukturelle Änderungen des Unternehmens notwendig, wie sie dieser
Tage mehrfach vorgeschlagen wurden. Am Donnerstag auch von Wrabetz
selbst - der Idee einer "Cooling-off"-Phase, die verhindern würde,
dass Stiftungsräte, die den Generaldirektor wählen, sofort in
ORF-Führungsposten wechseln können, steht er wohlwollend gegenüber.
Das wäre die Chance für den Beginn einer neuen, unabhängigeren
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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