GLOBAL 2000: Ressourceneffizienz-Aktionsplan ohne Verbindlichkeit selbst ineffizient
Das Bekenntnis zur Ressourceneinsparung ist zwar erfreulich, aber nicht ausreichend
Wien (OTS) - GLOBAL 2000 begrüßt den heute von Umweltminister
Nikolaus Berlakovich veröffentlichten österreichischen
Ressourceneffizienz-Aktionsplan (REAP) - allerdings fehlt dem Plan
das wichtigste Aktionsfeld - ein Bekenntnis zur Verbindlichkeit. Lisa
Kernegger, Ökologin bei GLOBAL 2000, erklärt: "Es ist längst
überfällig, sich den Themen Ressourceneffizienz und
Ressourcenverbrauch in Österreich anzunehmen - daher ist der
Aktionsplan definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.
Allerdings ist es leider ein Ameisenschritt - der Aktionsplan enthält
nämlich keinerlei verbindliche Maßnahmen."
Es ist zu befürchten, dass durch die fehlende Verbindlichkeit die
Verringung des österreichischen Ressourcenverbrauchs nicht zu
erreichen ist. Außerdem ist anzunehmen, dass der Plan nicht
maßgeblich zu der so wichtigen absoluten Entkoppelung von
Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch beiträgt. Im Idealfall
sollte die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts positiv sein, der
Materialverbrauch aber abnehmen. "Das Thema Ressourceneffizienz ist
einfach viel zu wichtig, um es der Freiwilligkeit zu überlassen",
betont Kernegger: "Ein Bekenntnis zur Reduktion des
Rohstoffverbrauchs um einen Faktor 4 bis 10 bis zum Jahr 2050 ist
zwar sehr erfreulich - aber ohne verbindliche Untermauerung bleibt es
zahnlos. Der Aktionsplan ist in seiner derzeitigen Form selbst zu
wenig effizient - der Ressourcenverbrauch wird so auch weiterhin
steigen statt fallen."
GLOBAL 2000 fordert neben der Definition von verbindlichen
Reduktionszielen auch entsprechende Gesetze und Instrumente, um diese
Ziele zu erreichen. "So könnte zum Beispiel eine ökologische
Steuerreform mit geringeren Steuern auf den Faktor Arbeit und höheren
Steuern auf Ressourcen einen Anreiz zur Erhöhung der
Materialeffizienz bieten und so eine Reduktion des
Ressourcenverbrauchs mit sich bringen", betont Lisa Kernegger. GLOBAL
2000 als Partnerorganisation von Friends of the Earth Europe setzt
sich seit geraumer Zeit dafür ein, den Ressourcenverbrauch europaweit
einheitlich anhand von vier Indikatoren zu messen: nämlich dem
Materialverbrauch, dem Landflächenverbrauch, dem Wasserverbrauch und
den Treibhausgasemissionen.
Abschließend betont Kernegger: "Im Zuge dieser Debatte darf nicht
vergessen werden, dass Österreich auf zu großem ökologischen Fuß
lebt. Durch seine Importabhängigkeit von verschiedenen Rohstoffen und
Produkten werden viele Umweltprobleme schlicht ausgelagert. Diese
Tatsache ist weder nachhaltig noch moralisch vertretbar. Bei einem
österreichischen Ressourceneffizienz-Aktionsplan darf die
Internationalität auf keinen Fall ausgeklammert werden."
Nunu Kaller/Simonne Baur
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