- 17.01.2012, 20:56:32
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Kein Freibrief, Kommentar zum abgeblasenen Verkauf von Galeria Kaufhof durch Metro, von Annette Becker.
Frankfurt (ots) - Verkehrte Welt? Metro bläst den Verkauf von Galeria
Kaufhof ab und erntet Applaus an der Börse. Dabei hatte die in
Aussicht gestellte Veräußerung doch Hoffnungen auf eine
Sonderausschüttung genährt. Immerhin waren Gebote von 2Mrd. Euro im
Gespräch. Grob gerechnet also 6 Euro je Aktie.
Doch mit der Entscheidung, sich beim Verkauf nicht unter Druck setzen
zu lassen - schon gar nicht, nachdem die Geschäftsentwicklung der
Warenhäuser im vierten Quartal 2011 den Preisverhandlungen nicht eben
zuträglich gewesen sein dürfte -, beweist der seit Anfang des Jahres
amtierende Vorstandschef Olaf Koch Stärke. Denn die unter Mitwirkung
der Medien geführten Verkaufsverhandlungen hatten zuletzt den
Eindruck hinterlassen, bei Kaufhof handele es sich um einen
Ladenhüter, von dem sich die Düsseldorfer schnellstmöglich trennen
müssten - egal zu welchen Konditionen.
Sicher lässt sich trefflich darüber streiten, ob das Geschäftsmodell
Warenhaus langfristig eine Zukunft hat. Doch so lange sich mit dieser
Vertriebslinie Geld machen lässt - zumindest 2010 verdiente Kaufhof
die Kapitalkosten -, sollte von einem Räumungsverkauf abgesehen
werden. Dessen unbenommen bleibt die Aussage, dass die Vertriebslinie
langfristig nicht ins strategische Konzept der Düsseldorfer passt.
Auch das machte Koch unmissverständlich klar, obgleich der
Veräußerungszeitpunkt offen ist.
Dass die Entscheidung mit Rückendeckung des größten Einzelaktionärs,
des Familienkonzerns Haniel, getroffen wurde, ist evident. Denn nach
den monatelangen Personalquerelen muss derzeit allen Beteiligten in
erster Linie an einer Beruhigung der Großwetterlage in Vorstand und
Aufsichtsrat gelegen sein.
Zwar ist Haniel - nicht zuletzt aufgrund des dramatischen
Kursverfalls der Metro-Aktie - auf die Verkaufserlöse angewiesen, um
das eigene Rating wieder in den Griff zu bekommen, doch dem frisch
gekürten Metro-Chef bei seiner ersten Entscheidung gleich in die
Parade zu fahren geht eben auch nicht. Schon gar nicht, da es der
Aufsichtsratsvorsitzende Franz Markus Haniel war, der Koch gegen den
Willen der Arbeitnehmervertreter mit seinem Doppelstimmrecht an die
Konzernspitze hievte.
Metro sei jedoch davor gewarnt, die gestrige Kursreaktion als
Freibrief für die Verschleppung des Verkaufs auf den
Sankt-Nimmerleins-Tag zu interpretieren. Denn auch wenn ein
Kurssprung um in der Spitze 6% eine feine Sache ist, die Aktie ist
mit gut 28 Euro nur halb so viel wert wie vor Jahresfrist.
(Börsen-Zeitung, 18.1.2012)
Rückfragehinweis:
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