• 12.01.2012, 21:00:31
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 13. Jänner 2012. Von FLORIAN MADL. "Nagelprobe für die olympische Bewegung."

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Bei ihrem dritten Gastspiel in Tirol
betritt die olympischen Familie Neuland. Die ersten
Jugend-Winterspiele sollen den Vorwurf ausräumen, dass
Professionalisierung und Kommerzialisierung bereits bei Teenagern
salonfähig gemacht werden.

Zum dritten Mal gibt sich Tirol dieser Tage die Ehre, die olympische
Familie zu beherbergen. Eine Art Friedensschluss mit jener
Organisation, deren Besuch man im Rahmen zweier Volksbefragungen
(1993, 1997) abgelehnt hatte. Über die Youth Olympic Games in
Innsbruck, Seefeld und im Kühtai, die Jugend-Winterspiele also,
erfolgt nun die neuerliche Annäherung.
Das Verhältnis der Tiroler zu den fünf Ringen ist ein gespaltenes.
Das Wintersportland definiert sich nicht zuletzt über die
Großereignisse von 1964 und 1976, auch die Sportinfrastruktur datiert
in ihren Ursprüngen aus dieser Zeit. Und nicht zu vergessen: Über dem
Olympischen Dorf, Seefeld, dem Baggersee, der Lizum oder dem
Patscherkofel schwebt der Geist der längst vergangenen, aber immer
noch nicht vergessenen Ereignisse. Spiele, die mehr als das
befürchtete Verkehrsaufkommen mit sich brachten. Spiele der Einheit,
der Völkerverständigung und des Fortschritts.
Innsbruck schrieb Geschichte, indem es dem Fernsehen und der Werbung
die Tür öffnete. Das Non-Profit-Event Olympia erfuhr erstmals eine
ökonomische Note, der ehrwürdige Ex-Präsident Avery Brundage ging als
vehementer Gegner und Anachronist in die Annalen ein. So sehr sich
der Hardliner auch dagegen stemmte, er vermochte den Zeitgeist nicht
aufzuhalten.
Mit den ersten Jugend-Winterspielen betritt die Bewegung nun Neuland.
Wieder einmal in Innsbruck. Und wieder einmal wird das hier Erlebte
die Erfahrungswerte für künftige Veranstaltungen dieses Genres
liefern. Wie üblich bei Großereignissen wird apokalyptischen Visionen
Platz eingeräumt: Die frühzeitige Professionalisierung der
Jugendlichen - durch die Medaillenvergabe würde diese bedenkliche
Entwicklung eine zusätzliche Steigerung erfahren. Und dann die
Kommerzialisierung, so etwas wie der kaum wahrnehmbare Feinstaub,
widerspreche dem olympischen Reinheitsgebot, der Idee der
Werbefreiheit. Gerade bei Heranwachsenden, deren Urteilsfähigkeit im
Internetzeitalter auf eine harte Probe gestellt wird, sei das
abzulehnen. Mit einer Aufwertung des Rahmenprogramms will man nun ein
Äquivalent schaffen, um den Wettkampfcharakter zurückzudrängen.
Länderübergreifende Teambewerbe mögen zusätzlich nationaler
Medaillenhamsterei vorbeugen. Und das hier in Tirol. An der Tiroler
Bevölkerung ist es, diese Entwicklung mitzuverfolgen. Vor Ort. Eine
historische Chance.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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