TIROLER TAGESZEITUNG AM SONNTAG "Leitartikel" Sonntag, 8. Jänner 2012, von Liane Pircher: "Insel der Rauchseligen"

Während andere Länder ihre Maßnahmen weiter verschärfen, bleibt Österreich bei der (Nicht)Raucherlösung lax. Ist das gut so?

Innsbruck (OTS) - In nahezu allen EU-Ländern gibt es mittlerweile einen strengen gesetzlichen Nichtraucherschutz auch in der Gastronomie. Verstöße gegen Bestimmungen werden mit teils drakonischen Strafen geahndet. Österreich hingegen leistet sich den Luxus, mit seinen laxen Bestimmungen in einer Reihe mit Ländern wie Serbien, Montenegro und Albanien zu stehen. Nichtraucherschutz auf Österreichisch heißt: Zuerst gibt es eine Übergangsfrist, dann schauen die Behörden weg, dann wiederum gibt es Ausnahme- bzw. Sonderregelungen und irgendwann weiß keiner mehr so genau, wie das mit dem Nichtraucherschutz hierzulande nun ist. Oder eben nicht. Dabei gäbe es genug Fakten, die Österreich schon längst zu einer klaren, eindeutigen, konsequenten - ja, echten - Lösung zwingen würden: Mit 34 Prozent Rauchern gehört Österreich weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Tabakkonsum. Bei jugendlichen Rauchern führt Österreich die EU-Statistik an. Nirgendwo rauchen mehr Elf- bis 14-Jährige als hier. Österreich gehört noch zu den wenigen Ländern, in denen es weder gesetzlich noch gesellschaftlich geächtet ist, wenn Eltern Kinder in Raucherzonen mitnehmen. Und das, obwohl zig wissenschaftliche Studien belegen, dass Passivrauchen speziell für Kinder extrem gesundheitsschädlich ist. Jährlich sterben schätzungsweise 12.000 bis 14.000 Menschen in Österreich pro Jahr an den Folgen tabakbezogener Erkrankungen, etwa 1000 an Passivrauchen. Während andere Länder längst belegen können, dass konsequente Rauchverbote durchaus gesundheitsfördernde Effekte - etwa Millionen Euro an Einsparungen bei Gesundheitsleistungen - bringen, verharrt Österreich im rauchseligen Stillstand. Die Frage ist nur, wie lange es sich das auch in Zukunft noch leisten können wird. Viel Rauch kommt teuer.

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