- 04.01.2012, 21:00:31
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. Jänner 2012. Von FLOO WEISSMANN. "Gespaltene Republikaner".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Amerikas Konservativen fehlen
Kandidaten, die in der eigenen Partei mehrheitsfähig sind und
Begeisterung auslösen. Ihr internes Ringen hilft möglicherweise
ausgerechnet ihrem gemeinsamen Feindbild Obama bei der Wiederwahl.
Der Abstimmungsprozess der US-Republikaner in Iowa mag
vorsintflutlich anmuten und nicht repräsentativ sein. Trotzdem haben
die 1774 Wählerversammlungen - mitunter in Kirchen oder Wohnzimmern -
einige wichtige Erkenntnisse zum Beginn des amerikanischen Wahljahrs
noch unterstrichen.
Erstens: Amerikas Konservative sind tief gespalten. Der gemäßigtere
Flügel und die Realos tendieren zu Mitt Romney - aber nicht, weil sie
ihn mögen, sondern weil sie glauben, dass seine Wahlkampfmaschine es
am ehesten mit Präsident Barack Obama aufnehmen kann. Die Fundis von
der Tea Party und der religiösen Rechten haben hingegen mit Rick
Santorum kurzfristig einen neuen Bannerträger aus dem Hut gezaubert.
Dieser ist aber noch kaum von Gegnern und Medien geprüft und verfügt
noch nicht über das Geld und die Organisation, um in einem
Vorwahl-Marathon gegen Romney zu bestehen. Die Jungen und die
Neuzugänge wiederum, die eigentlich die Zukunft der Partei
darstellen, verehren den Staatsgegner Ron Paul, der dem konservativen
Establishment als Abweichler gilt.
Zweitens: Der konservative Enthusiasmus, der die Republikaner vor
zwei Jahren zu einem Triumph bei den Kongresswahlen getragen hat, ist
abgeflaut. Die Beteiligung an den Abstimmungen in Iowa lag nur wenig
über jener im Jahr 2008, das im Zeichen der Demokraten stand. Und der
Favorit Romney, den viele für unvermeidlich halten, hat in der
eigenen Partei mehr Gegner als Anhänger. Die Konservativen sind
unzufrieden mit ihrem politischen Personal.
Drittens: Negativwerbung wirkt und wird heuer neue Blüten treiben.
Romney hat seinen vermeintlichen Hauptgegner Newt Gingrich in Iowa
durch TV-Spots zerlegen lassen. Nicht ausgeschlossen ist freilich,
dass dem wütenden Gingrich ein Comeback gelingt und er als Vierter
noch eine Weile mitmischt. Den Schmutzkübel bedienen heuer erstmals
neuartige Interessengruppen ("Super-PACs"), die laut Entscheidungen
des Höchstgerichts unbegrenzt Spenden auch von Konzernen annehmen und
Kandidaten direkt attackieren dürfen.
Viertens: Der Nutznießer der Spaltung und der Bitterkeit von Amerikas
Konservativen kann Präsident Obama sein, dessen Umfragewerte zum
Beginn des Wahljahres erstmals seit Langem wieder gestiegen sind. In
jener Verfassung, in der sie sich in Iowa präsentiert haben, bilden
Amerikas Konservative möglicherweise die wichtigsten Wahlhelfer eines
Präsidenten, der wegen der multiplen Krise der Supermacht schon als
angezählt galt.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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