- 04.01.2012, 20:41:33
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Bitterer Vorgeschmack, Kommentar zur Unicredit von Bernd Neubacher
Frankfurt (ots) - Da könnte mancher der zahlreichen Konsorten, welche
die Kapitalerhöhung von Unicredit garantieren, erst einmal geschluckt
haben. Die Konditionen der italienischen Bank für ihre neueste
Kapitalerhöhung zeugen nicht eben von übermäßigem Vertrauen in die
Marktgängigkeit ihrer Dividendentitel. Gemessen an dem um das
Bezugsrecht bereinigten Schlusskurs vom Dienstag nimmt das Institut
einen Abschlag von 43% in Kauf, um die Stücke zu platzieren. Die
Commerzbank war im vergangenen Jahr noch mit einem Discount von 30%
davongekommen. Dabei wuppte die gelbe Bank im Zuge einer
zweigeteilten Kapitalerhöhung allerdings ein Emissionsvolumen vom
1,4-Fachen der Marktkapitalisierung. Unicredit muss ihre Titel schon
für eine Aufstockung um 60% ihres Börsenwerts zum Tiefpreis
feilbieten. Hatte sie mehr zu erwarten nach Eskalation der
Staatsschuldenkrise und einem Kursverfall von 65% binnen Jahresfrist?
Die Verwässerung wird die Aktionäre schmerzen, Chief Executive
Officer Federico Ghizzoni darf sie egal sein und den Konsorten, die
sich ihren Mut zum Risiko schön vergüten lassen, kommt ein hoher
Abschlag letztlich zupass: Je tiefer der Ausgabekurs, umso geringer
das Risiko, dass sie auf den Aktien sitzen bleiben.
Es mag bessere Zeitpunkte geben, um das dritte Mal in drei Jahren das
Kapital zu erhöhen, als diesen Jahresbeginn, da Europas Banken bei
der Notenbank so viel Geld horten wie nie zuvor. Das Timing aber ist
Ghizzoni am wenigsten von allen Problemen der von ihm geführten Bank
anzulasten: Europas Bankenaufsicht EBA hat den Banken eine Frist per
Ende Juni gesetzt, um eine harte Kernkapitalquote von 9% zu
erreichen, wollen sie staatliche Rekapitalisierungen verhindern. Und
das Marktumfeld, so schlecht es schon sein mag, wird kaum besser
werden, je näher der Stichtag rückt.
Die Konditionen der Unicredit werfen damit nicht nur ein Schlaglicht
auf die Lage von Italiens größter Bank. Sie geben einen Vorgeschmack
auf Emissionen im Bankensektor, die im ersten Halbjahr noch anstehen
könnten, und der ist bitter. Immerhin fehlen laut EBA insgesamt 115
Mrd. Euro Kapital. Europas klamme Großinstitute beteuern, sie könnten
ihre Lücken durch einen Abbau von Risikoaktiva und die Hortung von
Gewinnen schließen. Dies ist eine Wette auf die Konjunktur und das
Branchenumfeld, die eine Bank, der laut Aufsicht knapp 8 Mrd. Euro
fehlen, kaum eingehen kann. Den Beweis, dass man auf diese Weise 5,3
Mrd. Euro aufbringen kann, muss die Commerzbank noch erbringen.
Rückfragehinweis:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
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