- 28.12.2011, 21:00:34
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 29. Dezember 2011 von Christiane Fasching "Am schrägsten ORF"
Innsbruck (OTS) - Utl.: Realsatire auf dem Küniglberg:
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz schreibt einen Job aus, den er
längst an SPÖ-Aufstreber Niko Pelinka vergeben hat. Und wundert sich,
dass man sich wundert.
In der neuen ORF-Satire "Wir Staatskünstler" schlüpft Nicholas
Ofczarek am Ende jeder Sendung in die Rolle eines jungen Mannes, der
mit Bundeskanzler Faymann per Werner ist und ORF-Generaldirektor
Wrabetz freundschaftlich Alex nennt - demnächst darf dieser junge
Mann im Büro des ORF-Chefs nach dem Rechten sehen. Und einmal mehr
seine Fähigkeiten als roter Strippenzieher unter Beweis stellen. Die
Rede ist vom 25-jährigen Niko Pelinka, dessen Küniglberg-Karriere vor
zwei Jahren begann - und schon damals mit ungläubigem Kopfschütteln
quittiert wurde. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas hievte den
damals 23-jährigen SPÖ-Aufstreber in den ORF-Stiftungsrat, wo er den
langjährigen "Freundeskreis"-Leiter Karl Krammer ersetzte, sogleich
in medias res ging und das Personalkarussell so zu drehen begann, wie
es ihm und dem Werner in den Kram passte.
Den geplanten Höhepunkt vermasselte sich Pelinka, der einstige
Pressesprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, beinahe
selbst. Kurz vor der wenig überraschenden Wiederbestellung Wrabetz\x{2588}
zum ORF-General erschien ein Porträt des "Public
Affairs"-Beauftragten der ÖBB, das ihn in ein schräges Rot-Licht
rückte. Von regelmäßigen Telefonaten mit Wrabetz war da die Rede und
von Absprachen, was die Auswahl von Diskussionsgästen anbelangt.
Konsequenzen blieben aus. Auch jetzt dürften die Telefone von Pelinka
und Wrabetz wieder heiß laufen. Wurde doch am 23. Dezember bekannt,
dass der Sohn von News-Redaktionsleiter Peter Pelinka ab Jänner
Büroleiter des Generaldirektors werden soll. Seinen ÖBB-Job hat er
sicherheitshalber schon gekündigt. Bereits bei Wrabetz\x{2588} Wiederwahl
war gemunkelt worden, dass für Pelinka ein Sessel am Künigl\x{2588}berg frei
gemacht wird - Fragen dazu wurden mit Schweigen quittiert.
Dafür bleibt nun Beobachtern und ORF-Insidern die Sprache weg. Kann
man es doch kaum fassen, dass in einem öffentlich-rechtlichen Sender
derartig unverfroren mit hochdotierten Jobs umgegangen wird.
Redakteursrat und Betriebsrat laufen Sturm und protestieren, was zur
Folge hat, dass die ORF-Granden nur noch peinlicher werden und
Pelinkas bereits fix versprochener Job seit gestern ausgeschrieben
ist: Realsatire auf dem Küniglberg. Leid tun können einem dabei jene
ORF-Mitarbeiter, deren oberstes Credo politische Unabhängigkeit ist.
Alexander Wrabetz lebt ihnen gerade das Gegenteil vor. Auf so einen
Chef könnten sie verzichten.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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