• 23.12.2011, 21:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 24. Dezember 2011 von Mario Zenhäusern "Ein kleiner Funke Hoffnung"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Wirtschaftlich schlechte Zeiten lassen die
Menschen zusammenrücken - auch in Tirol. Eine Welle der
Hilfsbereitschaft verdrängt jeden Fatalismus, wie er angesichts der
anhaltenden Krise entstehen könnte.

Die vermeintlich stillste Zeit des Jahres ist fast vorbei. Stillste
Zeit? Seit jeher ein Begriff, der nicht ernst gemeint sein konnte.
Denn still, das war die Zeit vor Weihnachten eigentlich nie.
Wahrscheinlich nicht einmal vor mehr als 2000 Jahren, als Josef und
Maria hektisch nach einer Unterkunft für die Nacht suchten und
schließlich mit einem Stall vorliebnehmen mussten.
Heutzutage jedenfalls zählt der Advent für viele zu den schrillsten
Zeiten des Jahres. Hektische Einkaufstouren in überfüllten
Einkaufshäusern, musikalisch begleitet von Weihnachts-Pop wie dem
unvermeidlichen "Last Christmas" aus Hunderten Lautsprechern, statt
gemütlicher Stunden bei Kerzenlicht im Kreise der Liebsten.
Die angespannte Situation in Europa, ja eigentlich auf der ganzen
Welt, tut ein Übriges. Wie soll denn weihnachtliche Stimmung
aufkommen angesichts der Tatsache, dass 66.000 Menschen in Tirol akut
von Armut betroffen sind? Wie sollen sich die Menschen im Land auf
Weihnachten freuen, wenn sie nicht wissen, ob sie im nächsten Jahr
noch einen Arbeitsplatz haben? Und wie sollen sie Pläne für das
nächste Jahr schmieden, wenn sie nicht wissen, wie viel ihr Geld im
nächsten Jahr noch wert ist?
Die Aussichten sind also alles andere als positiv und die
Verantwortlichen an den politischen Schalthebeln der Macht machen
derzeit nicht den Eindruck, als ob sie den Herausforderungen
gewachsen wären. Leider.
Dem entgegen steht die Tatsache, dass wirtschaftlich schlechte Zeiten
die Menschen enger zusammenrücken lassen. Gerade in Tirol. Altbischof
Reinhold Stecher sprach zu seinem 90. Geburtstag davon, wie
"überwältigt und dankbar" er sei für die "unglaubliche
Hilfsbereitschaft, die ich in unserem Land innerhalb und außerhalb
der Kirche gefunden habe. Ich sehe in dieser Hinsicht eine positive
Entwicklung in unserer Zeit."
Obwohl es vielen Menschen im Land nicht gut geht, unterstützen sie
jene, denen es noch schlechter geht. Dieses Phänomen verdrängt jede
Form von Fatalismus. Mehr noch: Es weckt jenen Optimismus, der
unbedingt notwendig ist, wollen wir die uns noch bevorstehenden
Krisen meistern. \x{2588}Diese gegenseitige Hilfsbereitschaft, dieses
Füreinander-da-Sein und das nach wie vor intakte soziale Netz in
Öster\x{2588}reich geben den Menschen Sicherheit und Geborgenheit. Das ist
gerade heute, am Heiligen Abend, ein kleiner Funke Hoffnung.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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