• 22.12.2011, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 23. Dezember 2011 von Peter Nindler "Gespart wird bei der Umwelt"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Dass die Tiroler Abfallverbände ihren Müll
aus Kostengründen nicht mehr auf der Schiene, sondern auf der Straße
transportieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die
umweltpolitische Doppelmoral im Land.

Eine vorausschauende Umweltpolitik zum Nulltarif gibt es nicht. In
umweltverträgliche Technologien zu investieren, kostet Geld, zu
günstig waren Umwelt- und Luftverpestung in der Vergangenheit. Der
Ausstieg aus der Atomenergie kommt deshalb so teuer, weil die
Energiewende jahrelang auf die lange Bank geschoben wurde. Erdöl und
von Kernkraftwerken erzeugter Strom sind vergleichsweise billige
Energieträger, auch wenn diese von Jahr zu Jahr teurer wurden. Erst
die Atomkatastrophe von Fuku\x{2588}shima löste ein energiepolitisches Beben
und ein radikales Umdenken aus.
Was allerdings empört, ist die Doppelmoral, wenn es um ökologische
Nachhaltigkeit, globalen Klimaschutz und - wie in Tirol - um
regionale Anstrengungen für eine bessere Luftqualität geht. Mit dem
jetzt vom Europäischen Gerichtshof gekippten sektoralen
Lkw-Fahrverbot hat das Land in den vergangenen drei Jahren u.\x{2588}a.
internationale Mülltransporte auf die Schiene gezwungen. Denn "just
in time" ist für den Abfall wohl keine notwendige Geschäftsstrategie,
obwohl die österreichischen und internationalen
Müllverbrennungsanlagen ständig nach verwertbaren Brennstoffen
gieren.
Konsequent hat die Landesregierung für die Abfalltransporte in die
Müllöfen die Bahn gewählt, und natürlich war dies teurer. Was blieb
ihr auch anderes übrig: Man kann schließlich nicht den Müll-Transit
auf die Gleise verbannen, den Tiroler Müll jedoch mit dem Lkw in die
Verbrennungsanlagen befördern. Groß war deshalb die Empörung, als vor
zwei Jahren bekannt wurde, dass Streusalz mit Lkw aus Frankreich nach
Tirol geliefert wird. Doch still und leise wanderte auch der
heimische Müll wieder auf die Straße. Der Abfallverband Kitzbühel
machte den Anfang, weil es preisgünstiger ist. Die Oberländer
folgten, 20.000 Tonnen Müll rollen jetzt auf der Straße zur
thermischen Verwertung.
Damit werden zwangsläufig die Bemühungen des Landes hintertrieben,
bahntaugliche Güter von der Straße wegzubekommen. Gegenüber Brüssel
ist das ebenfalls ein Schuss ins ökologische Knie. Die Verbände
argumentieren mit der Kos\x{2588}tenkeule und haben kurzfristig zweifelsohne
Recht. Umgerechnet auf die Tonne Müll relativiert sich allerdings der
Preis. Und warum muss immer bei der Umwelt gespart werden?
Die ökologische Wende muss im eigenen Haus passieren, nur dann wird
sie auch von Gästen akzeptiert werden.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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