• 21.12.2011, 20:51:34
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Im Zweifelsfall optimistisch, Kommentar zum EZB-Tender von Georg Blaha

Frankfurt (ots) - Viele gute Gründe gibt es, in der Rekordnachfrage
der Banken nach dreijährigen Ausleihungen von der Europäischen
Zentralbank (EZB) eine bedenkliche Wegmarke zu sehen. Das erste Mal
in ihrer Geschichte führt die Notenbank ein Refinanzierungsgeschäft
überhaupt über diese Frist durch. Die Institute griffen prompt zu und
pumpten sich mal eben eine knappe halbe Billion Euro. Das Volumen
übertraf die Prognosen ebenso wie die Nachfrage bei früheren
"Krisentendern", die die Notenbank im Laufe der unendlichen
Geschichte namens Finanzkrise durchgeführt hatte.

Man könnte fragen: In welche Bredouille sind die Banken des Euroraums
denn überhaupt geraten, dass sie solche Unsummen nachfragen müssen?
Öffnet sich denn gerade mit Blick auf die lange Laufzeit nicht eine
Hintertür zur Staatsfinanzierung - wenn nicht direkt über die EZB,
dann per Umweg über die Banken? Und: Drohen über die nun sprunghaft
angestiegene Überschussliquidität im Eurosystem nicht stärkere
Inflationsgefahren?

Trotz dieser Bedenken sollte die hohe Nachfrage beim Dreijahrestender
der EZB im Zweifelsfall optimistisch bewertet werden. Hätten sich die
Banken zurückgehalten, wäre das ein viel fataleres Signal gewesen. Um
ein altes Bonmot leicht variiert zu bemühen: Die Pferde hätten
Reißaus von der Tränke genommen. Dergleichen ließ sich nämlich beim
Jahrestender der EZB im Oktober beobachten, als die politische
Unsicherheit so hoch war und die Banken so sehr im Nebel tappten,
dass sie das billige Notenbankgeld nicht einmal mehr
hinterhergeschmissen haben wollten. Mittlerweile scheinen die
Institute jedoch wieder klarer zu sehen.

Dass sich die Banken mit den frischen EZB-Geldern an der
Staatsfinanzierung beteiligen und damit ordnungspolitische Grundsätze
unterlaufen, ist zwar nicht auszuschließen. Manch klammer
Finanzminister mag darauf hoffen. Aber mit Blick auf kommende
Stresstests dürften die Institute kaum gewillt sein, sich im großen
Stil Emittenten- und Kursrisiken in Form von wackeligen
Peripheriepapieren in die Bücher zu holen.

Die Inflationsgefahr aus der reichhaltigen Liquidität ist zwar nicht
von der Hand zu weisen, zumal die EZB im neuen Jahr auf ihre kurzen
Abschöpfungstender verzichten möchte. Doch bislang ließ sich zwischen
der Bereitstellung von Krisenliquidität und den Inflationsraten 2008
bis 2010 kein rechter Zusammenhang herstellen. Insgesamt überwiegt
die Hoffnung, dass die Währungshüter mit ihrem neuen Instrument
richtigliegen.

Rückfragehinweis:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de

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