- 17.12.2011, 21:00:32
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"Hypo-Desaster und Familiensilber", Leitartikel von Alois Vahrner, TT am Sonntag, 18. Dezember 2011
Ob es bei den von der Hypo in Italien versenkten 150 Millionen Euro bleibt, ist fraglich. Zum Glück wurde in Tirol nicht immer so katastrophal gewirtschaftet.
Innsbruck (OTS) - Inwieweit sich die bis weit nach Süditalien
reichenden Millionenlöcher bei faulen Krediten als Kriminalfall
erweisen, muss die Justiz klären. Auf jeden Fall war es
Misswirtschaft, bei der die Kontrolle völlig versagt hat, sowohl im
Vorstand als auch im Aufsichtsrat. Und die Landespolitik ließ sich
von atemberaubenden Zuwächsen blenden. Und sah nicht, dass die
Greenhorns aus Tirol auf fremdem Terrain ausgenommen wurden wie die
Weihnachtsgänse.
Der Hypo eine Kapitalspritze zu geben, war unabwendbar. Zumal
Staatsgeld mit 8 Prozent Zinsen sehr teuer ist und ein Verkauf der
Hypo derzeit nicht nur mangels Markt, sondern auch wegen des derzeit
arg ramponierten Werts der Landesbank ein Reinfall gewesen wäre.
Blieb nur Landesgeld. Dafür kommt die Tiwag mit Vorab-Dividenden im
Ausmaß von 230 Mio. Euro zum Handkuss. Fürs Land die derzeit
sinnvollste, weil billigste Variante. Wenn auch klar sein muss, dass
in den nächsten Jahren jährlich satte zweistellige Millionenbeträge
fehlen werden - selbst wenn die Hypo tatsächlich wieder Dividenden
zahlen kann.
Trotzdem ist erfreulich, dass Tirol überhaupt in der Lage ist,
Quellen wie die Tiwag anzuzapfen. Bei der Hypo hat die letzte
Landesregierung versagt, sonst allerdings hat sie wie auch die
vorangegangenen Tirol finanziell gut verwaltet. Tirol hat mit knapp
1500 Euro nicht nur die geringste Pro-Kopf-Verschuldung aller
Bundesländer (Niederösterreich hat 4800 Euro und Kärnten 3800 Euro),
sondern als einziges Bundesland bisher weder Anteile am
Energieversorger noch der Landesbank oder der Wohnbauförderung
versilbert. Selbst bei vorsichtiger Schätzung hat Tirol damit bei
Abzug aller Schulden und dem derzeitigen Mini-Wert der Hypo noch 4
Mrd. Euro auf der hohen Kante.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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