• 16.12.2011, 09:09:30
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Veranstaltung "Medienberichterstattung über Suizide"

Presserat hat Experten die Frage gestellt, wie über Suizide in den Medien berichtet werden soll

Wien (OTS) - Zusammen mit den Wiener Linien und dem
Kriseninterventionszentrum hat der Presserat gestern zu Vorträgen
geladen, die das sensible Thema Suizidberichterstattung betrafen.

In Österreich ist die Suizidrate mehr als doppelt so hoch wie die
Zahl der Verkehrstoten. Das Fazit der Veranstaltung: Medien können
durch zurückhaltende Berichterstattung, eine sensible
Herangehensweise an das Thema und das Anführen von Hilfsangeboten
Suizide verhindern.

Ella Wassink (Deutscher Presserat) berichtete über eindrucksvolle
Fälle aus Deutschland. Ein detaillierter Artikel über drei junge
Frauen, die sich über das Internet zum gemeinsamen Suizid
verabredeten, wurde vom Deutschen Presserat gerügt. Dabei ging es
nicht nur um die Verletzung der Intimsphäre der Betroffenen, sondern
auch um den sogenannten Werther-Effekt: Die genaue Schilderung der
Suizidmethode und des Hergangs des Suizids führt zu einem
Imitationseffekt.

Die Medizinjournalistin Christina Lechner hob in ihrem Vortrag
hervor, dass die Öffentlichkeit, aber auch Journalisten zu wenig über
derartige Effekte Bescheid wissen. Hier gebe es Aufholbedarf: "Wüsste
die Bevölkerung über den Werther-Effekt besser Bescheid, hätte sie
größeres Verständnis für die Zurückhaltung der Medien bei diesem
Thema. Journalisten sollten diesen Effekt in einem Artikel
ansprechen." Vor diesem Hintergrund plant der Presserat, eine
kompakte Broschüre über Suizidberichterstattung herauszugeben, die in
den Redaktionen verteilt werden soll.

Schließlich wurden auch die Medienberichte über den Tod Ludwig
Hirschs bewertet. "Bei so prominenten Personen wie Ludwig Hirsch,
Hannelore Kohl oder Gunter Sachs lässt es sich nicht verhindern, dass
das Thema Suizid auf der Titelseite landet. Entscheidend ist dabei
aber, wie das Ganze aufbereitet wird", meinte Ella Wassink. "Ich
bewerte es als sehr negativ, dass der Ablauf des Suizids von Herrn
Hirsch in manchen Medien in Wort und Bild sehr detailliert
geschildert wurde. Wissenschaftliche Studien belegen, dass diese Art
der Berichterstattung bei Menschen, die sich in einer Krisensituation
befinden, zu Nachahmungseffekten führen kann. Außerdem kam es zu
einer Verkürzung: Eine schwere Krankheit habe den Suizid von Ludwig
Hirsch ausgelöst. Bei einem Suizid gibt es aber nicht den einen
Grund, es spielen viele Faktoren ineinander. Es wäre wichtig, dass
Medien auf Alternativen hinweisen. Auch bei schwerer Krankheit gibt
es Möglichkeiten, dagegen anzukämpfen oder sein Leben positiv zu
gestalten", so Dr. Stein vom Kriseninterventionszentrum.

Rückfragehinweis:
Mag. Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Presserats,
Tel.: 01-20699-180

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