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OTS0229   15. Dez. 2011, 14:54

Bewusste Irreführung durch Fukushima-Betreiber und japanische Regierung

GLOBAL 2000-Analyse zeigt, dass "Kaltabschaltung" völlig falscher Gebrauch des technischen Begriffs ist


Morgen wird die japanische Regierung verkünden, dass
TEPCO, der Betreiber der vier zerstörten Atomreaktoren in Fukushima,
den Zustand der "Kaltabschaltung" ("cold shutdown") erreicht habe.
TEPCO definiert diesen Zustand als die Senkung der Temperatur am
Boden des Reaktordruckbehälters auf unter 100 GradC, sodass kein
weiteres Kühlwasser mehr verkocht. Ebenfalls soll die radioaktive
Freisetzung durch das AKW "unter Kontrolle" sein und das Risiko für
die Bevölkerung "signifikant reduziert" sein. "Hier von
Kaltabschaltung zu sprechen grenzt an eine bewusste Lüge. All dies
ist Teil des Sicherheits-Mythos von TEPCO, die bereits kurz nach
Beginn der Reaktorkatastrophen eine 'Roadmap towards Restoration'
veröffentlichten, in denen genau dieser Zeitablauf vorgezeichnet
wurde: Kaltabschaltung bis Ende 2011", klagt Dr. Reinhard Uhrig,
Atomexperte von GLOBAL 2000 die Irreführung der Bevölkerung an.

Kaltabschaltung bezeichnet bei Atomkraftwerken den Zustand des
ausgeschalteten, heruntergefahrenen Reaktors, dessen Brennelemente
durch die weitere Zufuhr von Kühlwasser über Monate so lange gekühlt
wurden, dass die Nachzerfallswärme von anfangs fünf Prozent der
Reaktorleistung abgeführt wurde und die Brennelemente auch ohne
weitere Kühlung das Wasser nicht über 100 GradC erhitzen würden. "In
Fukushima gibt es keine Brennelemente mehr: Sie sind vollständig
geschmolzen (meltdown), haben sich durch den Boden der
Reaktordruckbehälter durchgebrannt und sind als
Uran-Plutonium-Klumpen auf den Boden der Containments gefallen, wo
sie sich bereits in den Betonmantel hineingebrannt haben - im Fall
von Reaktor 1 bis auf 30 cm an die äußere Stahlhülle heran",
berichtet Uhrig. "Die Temperatur im Inneren der Brennstoff-Klumpen
beträgt schätzungsweise immer noch über 3000 GradC - nur durch die
massive Zufuhr von Wasser, 22 000 Liter pro Stunde, können diese
hochgefährlichen Stoffe daran gehindert werden, wieder eine
Kernschmelze zu erreichen." Der Betreiber rechnet beim Ausfall der
provisorischen Kühlung innerhalb von 19 bis 20 Stunden mit erneuten
Kernschmelzen.

Neben den großen Wassermengen, die zur Kühlung der Reaktoren benötigt
werden und die sich als 89 Millionen Liter hochradioaktive Brühe im
Keller der Reaktoren sammeln und von dort ins Grundwasser laufen,
sind hohe Wasserstoffkonzentrationen in den Reaktordruckbehältern das
zweite akute Problem in Fukushima: In Rohrleitungen wurden bis zu 60
% Wasserstoff gemessen, ab 4 % ist ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch
hochexplosiv, wie sich bei den Explosionen im März gezeigt hat, die
die Reaktorhüllen zerstörten. Der Betreiber experimentiert jetzt mit
der Zuleitung von Kühlwasser, die reduziert wird, um die Temperaturen
in den Reaktoren wieder zu steigern - dadurch soll die
Wasserstofffreisetzung wieder unter Kontrolle gebracht werden.

"Die japanische Regierung ist in erster Linie Diener der
Betreiberfirma TEPCO und der Atomlobby, indem sie willfährig den
Sicherheits-Mythos der Kaltabschaltung weiterverbreitet: In Fukushima
experimentieren die Betreiber mit der Sicherheit der Menschheit -
weitere Verstrahlung passiert laufend, und von einem sicheren Zustand
sind die Reaktor-Ruinen weit entfernt", so Uhrig abschließend.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0229 2011-12-15 14:54 151454 Dez 11 GLL0001 0478



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