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OTS0019   12. Dez. 2011, 09:00

Wirtschaftsentwicklung im Zeichen der Schuldenkrise


Die europäische Wirtschaftspolitik diskutiert
anhaltend, durch welche Maßnahmen das Vertrauen der Finanzmärkte in
die Kreditwürdigkeit der Länder mit hoher Staatsverschuldung
zurückgewonnen werden kann. Auch für Staaten mit relativ geringer
Verschuldung sind die Finanzierungskosten mittlerweile gestiegen. Die
Dynamik der Realwirtschaft lässt weiter nach, jedoch ist nach wie vor
kein Einbruch der Wirtschaftsleistung zu erkennen.

Die schwierige Entscheidung über eine Stabilisierung der
Finanzmärkte für europäische Anleihen fällt in eine Phase abnehmender
und sehr unterschiedlicher Konjunkturdynamik. Der Anstieg der
Renditen von Staatsanleihen in den letzten Monaten weist sogar auf
eine Zunahme der Verunsicherung auf den Finanzmärkten hinsichtlich
der Bedienbarkeit der Schulden einzelner Euro-Länder hin. Vor diesem
Hintergrund versucht die Politik vermehrt durch die Ankündigung
verstärkter Sparbemühungen eine Beruhigung herbeizuführen. Dies birgt
jedoch die Gefahr einer weiteren Konjunkturdämpfung.

Mittlerweile sind die Finanzierungskosten auch für Staaten mit
vergleichsweise unproblematischem Verschuldungsniveau gestiegen.
Selbst für deutsche Anleihen war nach einem deutlichen Rückgang
jüngst ein leichter Anstieg der Zinssätze festzustellen. Die
Realwirtschaft blieb bisher von den Auswirkungen weitgehend
verschont. Zwar kühlt sich die Konjunktur im Euro-Raum seit dem
Frühjahr ab, wie die Unternehmensumfragen zeigen, jedoch verstärkte
sich die Abwärtsbewegung bislang nicht. Im III. Quartal expandierte
die Wirtschaft des Euro-Raumes unverändert um 0,2% gegenüber der
Vorperiode. In Deutschland beschleunigte sich das Wachstum sogar
leicht von +0,3% auf +0,5%; während die Exportwirtschaft anhaltend an
Schwung verliert, entwickelt sich die Binnennachfrag recht robust.
Konsumentenvertrauen und Einzelhandelsumsätze weisen auch zum
Jahresende auf eine stabile Konsumnachfrage hin.

Für die österreichische Wirtschaft ergab die Revision der
vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im III.
Quartal 2011 ein Wachstum von real 0,3% gegenüber der Vorperiode
(nach +0,5% im II. Quartal). Damit hat sich die Konjunktur neuerlich
abgeschwächt. Die Dynamik dürfte weiter nachlassen, jedoch steht auch
in Österreich unmittelbar kein Einbruch der Wirtschaftsleistung
bevor. Im November verschlechterte sich die Einschätzung der
künftigen Wirtschaftsentwicklung durch die Unternehmen nicht weiter,
und auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist als verhalten
positiv zu beurteilen.

Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website ( http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )

Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website (
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.itkt.at/ ). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0019 2011-12-12 09:00 120900 Dez 11 WFO0001 0875




Rückfragehinweis: Mag. Dr. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-245 * Fax. +43 1 798 93 86
Marcus.Scheiblecker@wifo.ac.at

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