• 02.12.2011, 14:13:49
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Entwicklungszusammenarbeit muss barrierefrei werden ExpertInnengespräche zur Lage Behinderter in der Dritten Welt

Wien (PK) - Am heutigen Welttag für Menschen mit Behinderungen lenkte
eine Veranstaltung im Parlament heute das Augenmerk auf die Lage
behinderter Menschen in der Dritten Welt. Unter dem Titel
"Entwicklungszusammenarbeit - all inclusive ?" diskutierten auf
Einladung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und des Zweiten
Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer Expertinnen und Experten
über Schritte zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von
Menschen mit Behinderung und unterstrichen dabei die Notwendigkeit
der besonderen Berücksichtigung Behinderter in der EZA.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer rief in ihren
Begrüßungsworten in Erinnerung, dass 15% der Weltbevölkerung eine
Form von Behinderung aufweisen und 80% dieser Menschen in
Entwicklungsländern leben. Diese Ausgangslage stelle uns alle in der
Entwicklungszusammenarbeit vor eine enorme Herausforderung, zumal
Behinderung höhere Gesundheitsgefährdung, schlechteren Zugang zu
Bildung und geringere Chancen auf Arbeit und Einkommen nach sich
ziehe, betonte Prammer und wies vor allem auf die besondere
Betroffenheit von Frauen mit Behinderung hin. Programme der
Entwicklungszusammenarbeit dürfen sich deshalb nicht automatisch auf
junge und gesunde Männer konzentrieren, sie müssen von sich aus
Menschen mit Behinderung berücksichtigen und dabei auch einen
speziellen Fokus auf die Frauen legen, stand für Prammer fest.

Wer sich für die weltweite Durchsetzung der Rechte behinderter
Menschen engagiert, der müsse aber auch im eigenen Land mit gutem
Beispiel vorangehen, gab die Nationalratspräsidentin zu bedenken und
sprach in diesem Zusammenhang die Situation im Parlament und das
bisherige Wirken von Abgeordneten mit Behinderung an. Klar war für
Prammer, dass bei der anstehenden Sanierung des Gebäudes die volle
Herstellung der Barrierefreiheit eine große Herausforderung
darstellen werde.

Ein schriftliches Statement der WHO-Koordinatorin für Behinderung und
Rehabilitation, Alana Officer, das von der Schauspielerin und
Regisseurin Chris Pichler verlesen wurde, präsentierte die Ergebnisse
des Weltberichts Behinderung/aktuelle Situation in den
Entwicklungsländern und unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit, im
Zuge der Entwicklungsprogramme Menschen mit Behinderung zu
berücksichtigen. Die größten Hindernisse von Behinderten in der
Dritten Welt seien Stigmatisierung und Diskriminierung, Mangel an
Gesundheits- und Rehabilitationsleistungen, fehlende Barrierefreiheit
sowie Unzulänglichkeit von Informations- und
Kommunikationstechnologien, heißt es darin. Dies führe dazu, dass
Menschen mit Behinderung schlechtere Chancen auf Arbeit haben und
daher in höherem Maße armutsgefährdet sind, wobei behinderte Kinder
und Frauen zu der am stärksten benachteiligten Gruppe zählen.
Kritisch merkt der Bericht auch an, dass behinderte Menschen bisher
aus den Entwicklungsprogrammen keinen angemessenen Nutzen ziehen
konnten. Das Statement appellierte daher an die politischen
EntscheidungsträgerInnen, Chancengleichheit für alle in der
Entwicklungszusammenarbeit zu gewährleisten, und schloss, den
Wissenschaftler Stephen Hawking zitierend, mit den Worten: Menschen
mit Behinderung müssen die Chance auf volle Teilnahme am Leben der
Gesellschaft haben, sie müssen die Chance haben zu strahlen.

Die Lage von Menschen mit Behinderungen in armen Ländern war im
Anschluss daran dann auch Anknüpfungspunkt einer Gesprächsrunde, in
der Yetnebersh Nugussie (Ethiopian Center for Disability and
Development), Musikari Kombo (Abgeordneter des kenianischen
Parlaments), die Nationalratsabgeordneten Ulrike Königsberger-Ludwig
(S) und Franz Glaser (V), Richard Kühnel (Leiter der Vertretung der
EU in Österreich) sowie Klaus Steiner (Sektion EZA im
Außenministerium) vor allem die Bedeutung der Zusammenarbeit von
reichen und armen Ländern in der Frage der Rechte behinderter
Menschen hervorhoben und zu einer gerechteren und nachhaltigen
Entwicklungszusammenarbeit aufriefen.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at)
im Fotoalbum. (Schluss)

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
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