• 02.12.2011, 11:42:25
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Diskussion über Transparenz bei Inseraten und im Journalismus

Gemeinsame Veranstaltung des Presserats und des Kuratoriums für Journalistenausbildung

Diskussionsteilnehmer des zweiten Panels: Helge Fahrnberger (kobuk), Christian Rainer (profil), Moderator Franz Bauer (Presserat), Claus Reitan (Die Furche), Alex Warzilek (Presserat)

Wien (OTS) - In Wien hat gestern eine prominent besetzte
Diskussionsveranstaltung zum Thema Transparenz und Medien
stattgefunden. Das aktuelle Thema ist auf reges Publikumsinteresse
gestoßen. Zur Veranstaltung kamen 100 Personen, die meisten davon
waren Journalisten.

Das neue Medientransparenzgesetz war Thema im ersten Panel.
Medienjournalist Harald Fidler erwartet sich wenig neue Erkenntnisse
bei der Offenlegung von Eigentumsverhältnissen der Medienunternehmen.
Florian Philapitsch, der stellvertretende Leiter der Medienbehörde
KommAustria, sprach sich für mehr Transparenz aus und wünscht sich
die Offenlegung der Regierungsinserate in Form von "open data", damit
auch außerhalb der Behörde damit gearbeitet werden kann. Oliver
Voigt, Geschäftsführer der Mediengruppe "Österreich", hält das
Konzept Presseförderung für antiquiert und bevorzugt Inserate: "Da
bekommt man wenigstens was für sein Geld." Der
Kommunikationswissenschafter Wolfgang Langenbucher war der Ansicht,
dass Medienmanager, die redaktionelle Inhalte an Unternehmen
verkaufen, besser woanders investieren sollten: "Vielleicht ist bei
Hühnern und Eiern mehr Geld drinnen."

Im zweiten Panel wurde die Transparenz der journalistischen Arbeit
diskutiert. Anette Novak, Chefredakteurin der schwedischen
Tageszeitung Norran, stellt täglich die Themenliste ihrer Redaktion
ins Internet, sie beschreibt, dass ihre Leser sich nun stärker mit
der Zeitung identifizieren: "Wenn sie Teil des Mediums sind, wollen
sie auch, dass es das Medium noch lange gibt."
Profil-Chefredakteur und -Herausgeber Christian Rainer hält dagegen
wenig von Crowdsourcing und der Mitbestimmung der Leser: "Vielleicht
sind die Leser in Schweden besonders engagiert, in Österreich würde
das nicht funktionieren."

Helge Fahrnberger betreibt den Medien-Watchblog kobuk!; er schlug
vor, Rechercheergebnisse und Interviews in vollem Umfang öffentlich
zu machen, um so das Vertrauen der Leser (zurück) zu gewinnen.
Claus Reitan, Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Furche", meinte,
dass Journalismus in einer Demokratie transparent sein muss,
allerdings darf dabei das Redaktionsgeheimnis nicht gefährdet werden.

Anette Novak empfahl den Medien auch noch, ein Gütesiegel für
qualitativ hochwertigen Journalismus zu verwenden, ähnlich dem
Fair-Trade-Zeichen für ethisch einwandfreie Lebensmittel. Sie fasste
die Diskussion zusammen: "Es herrscht kein Krieg zwischen
traditionellem Journalismus in Zeitungen und neuen Formen im Internet
und mit den Lesern, wir sollten das Gute aus der Tradition mitnehmen
in Experimente, die uns insbesondere das Internet ermöglicht."

Rückfragehinweis:

Mag. Franz Bauer, Präsident des Presserats, Tel.: 0664-9376811
   Mag. Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Presserats
   Tel.: 01-20699-180
   Mag. Elisabeth Wasserbauer
   Geschäftsführerin des Kuratoriums für Journalistenausbildung
   Tel.: 0662-834133-0

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