• 28.11.2011, 11:30:44
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Armutskonferenz 52.000 Minderjährige frieren in Österreich

Lage verschärft sich durch steigende Energiekosten / Armutskonferenz begrüßt Vereinheitlichung des Wildwuchses an Tarifen und Gebühren.

Wien (OTS) - Auch heuer müssen viele Menschen in ihren Wohnungen
frieren. Insgesamt können es sich 237 000 Menschen, also drei Prozent
der österreichischen Bevölkerung, nicht leisten, ihre Wohnung im
Winter warm zu halten, davon 52 000 Kinder und Jugendliche unter 19
Jahren. Die Lage verschärft sich: Heute wurde bekannt, dass
Haushaltsenergie um 12 % zum Vorjahr gestiegen ist; Brennholz um
4,5%, Fernwärme um 9,9 %, Gas um 13,1%, Heizöl um 21,4%.

"Im Durchschnitt geben Haushalte mit einem Monatseinkommen unter
900 Euro 36 Prozent ihres Gesamtbudgets für Wohn- und Heizkosten
aus", so Sozialexperte Martin Schenk. "Je weiter das Einkommen sinkt,
desto höher ist dieser Anteil. Die großen Brocken "Wohnen" und
"Energie" drücken schwer auf einkommensarme Haushalte." Haushalte mit
Minimaleinkommen geben mehr aus für Heiz- und Wohnkosten. 64% der
armutsgefährdeten Personen haben einen Wohnkostenanteil am
Haushaltseinkommen von mehr als einem Viertel. Besonders betroffen:
Alleinerziehende, - und bei Personen, die während des ganzen Jahres
keine Arbeit fanden, macht dieser Anteil sogar 49% aus. Ein Viertel
der gesamten jährlichen Finanzhilfe aus den Soforthilfetöpfen der
Hilfsorganisationen geht in die Unterstützungen im Energiebereich,
berichtet die Armutskonferenz, deren Mitgliedsorganisationen über
500.000 Menschen im Jahr unterstützen und betreuen.

Arme Haushalte zahlen zwischen 30 und 40 Prozent mehr für die
Energie als vergleichbare "normale" Haushalte. Grund dafür ist nicht,
dass Armutsbetroffene höhere Tarife hätten. Bei Armutshaushalten
kommen aber häufiger Zusatzkosten wie Mahnspesen oder die Kosten für
das Ab- und Einschalten von Strom beziehungsweise Gas hinzu. Und
gerade Gas kann sehr teuer kommen. In Summe zahlt ein sozial
benachteiligter Haushalt mit einem monatlichen Stromverbrauch von
3.500 kWh bis zu 200 Euro mehr als ein "normaler".

Verordnung der E-Control zur Regulierung von Ab- und
Einschaltgebühren

In diesem Zusammenhang begrüßt die Armutskonferenz den
Verordnungsentwurf der E-Control zur Vereinheitlichung des
Wildwuchses bei den Tarifen. Die Verordnung, deren Begutachtung heute
endet, sieht zumindest einen pauschalierten Höchstbetrag von 25 Euro
vor. Die österreichweit unterschiedlichsten Ab- und Einschaltgebühren
sind eine grüße Belastung für Menschen, die es schwer haben, ihre
Energiekosten zu berappen.

Einkommensschwache sitzen in der Energiearmutsfalle, da das untere
Einkommensfünftel kein Kapital hat, um notwendige Investitionen zu
tätigen. Wichtig wäre es, Betroffene beim Umstieg auf nachhaltige und
auf Dauer günstigere Energieformen sowie bei Maßnahmen für einen
geringen Energieverbrauch und leistbaren öffentlichen Verkehr zu
unterstützen. Kurzfristig heißt das, den Heizkostenzuschuss in eine
echte Grundsicherung zu integrieren, österreichweit zu
vereinheitlichen und mit Investitionen in Energiesparmaßnahmen zu
verbinden. Es geht dabei weiters um den Austausch von Ölheizungen,
der Installierung von thermischen Solaranlagen, den Anschluss an
Fernwärmenetze und Hilfe bei Wärmedämmungsmaßnahmen. Weiters braucht
es Ratenzahlungen auch bei bestehender Schuldenlast, monatliche statt
quartalsweiser Vorschreibungen Es wäre auch so etwas wie eine
Energie-Grundsicherung vorstellbar. Ein Mindestmaß an Wärme muss für
jeden gesichert sein. Ein Mindestmaß an Energie ist frei. Und nicht
zuletzt müssten Wärmedämmung und Sanierungsmaßnahmen in allen Sozial-
und Gemeindebauten erfolgen, kombiniert mit energieunabhängigen
Sozialbauten beziehungsweise Siedlungen.

Rückfragehinweis:
Die Armutskonferenz. www.armut.at
Tel.: 01/402 69 44 (Koordinationsbüro) oder Mobil: 0664/ 544 55 54 (Martin Schenk)

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