• 22.11.2011, 15:48:48
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Wiens Kinder- und JugendanwältInnen kritisieren Vorstoß Eltern die Familienbeihilfe zu streichen

Eltern "schlimmer" Kinder benötigen Unterstützung statt Strafe

Wien (OTS) - Monika Pinterits und Anton Schmid, die Kinder- und
JugendanwältInnen der Stadt Wien, kritisieren den jüngsten Vorstoß
der VP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter, "unkooperativen"
Eltern von ProblemschülerInnen die Familienbeihilfe zu streichen.
"Das ist völlig unsinnig, da das Geld ja den Kindern zugute kommt und
diese letztendlich die Leidtragenden sind", stellt Pinterits klar.
Eine andere Überlegung sieht vor, "schlimme Kinder" in so genannte
Time-out-Klassen auszugliedern.
In der am Montag vorgestellten Prävalenzstudie "Gewalt in der Familie
und im nahen Umfeld" vom Österreichischen Institut für
Familienforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft,
Familie und Jugend wird beschrieben, dass es in Österreich besonders
in zwei Sozialräumen häufig zu psychischen Gewaltanwendungen an
Kindern kommt: Zum einen in der Schule und zum anderen in der
Familie.
"Anstatt endlich eine Schule am Vorbild der skandinavischen Länder zu
entwickeln, wird aufgrund einer Gewaltanwendung eines Direktors
(Unschuldsvermutung!) nun darüber diskutiert, wie Sanktionen für
Eltern "schlimmer Kinder" aussehen könnten", empört sich Schmid.
"Wieder einmal werden - anstatt seriös über die derzeitige
Schulsituation zu diskutieren - Sanktionen wie ein bedingter Reflex
gefordert. Es ist eine Schande, wie einige AkteurInnen des Systems
Schule mit Problemen umgehen - sinnvolle Ideen abseits von Strafen
oder Segregation gibt es nicht", kritisieren die JugendanwältInnen.
Seit geraumer Zeit gibt es in Wien SchulsozialarbeiterInnen, die mit
Kindern und Familien arbeiten, die Schwierigkeiten haben. Auch die so
genannten "Mosaikklassen", in denen versucht wird, integrativ auf
bestehende Probleme einzugehen, könnten Vorbildwirkung erzielen.
"Tatsächlich machen Kinder und Jugendliche nämlich nur dann Probleme,
wenn sie selbst Probleme haben", weiß Pinterits.
Eltern, die sich überfordert fühlen, sollten viel eher Unterstützung
erhalten. Und auch LehrerInnen könnten sich Hilfe holen und müssten
nicht alles selbst bewältigen.
Nicht Sanktionen, sondern Hilfestellungen seien gefragt. "Außerdem
sollte man die Diskussion darüber führen, wie es überhaupt dazu
kommen kann, dass Schläge als Erziehungsmittel angewendet werden", so
die JugendanwältInnen. Es gebe viele Bereiche im Schulsystem, die
Verbesserungen nötig hätten. "Deshalb muss nun auch endlich eine
seriöse Debatte darüber geführt werden", schließt Schmid.

Rückfragehinweis:
Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
Frau DSA Monika Pinterits & Herr Dr. Anton Schmid
Tel.: (++43-1) 70 77 000
mailto:[email protected]

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