OTS0023   21. Nov. 2011, 09:00

West-Ost-Gefälle im österreichischen Wohnbau - 2012 Rückgang der Baubewilligungen erwartet


Zwischen 2005 und 2010 wurden gemessen an der
Bevölkerungszahl in Westösterreich - insbesondere in Tirol und
Vorarlberg - die meisten neuen Wohnungen bewilligt. Vor allem der
Anstieg der Einpersonenhaushalte war dafür ausschlaggebend. Die
schwache Nachfrage (Einkommen, Demographie) dämpfte hingegen den
Wohnungsneubau in den südlichen Bundesländern. Trotz starken
Bevölkerungswachstums und hohen Einkommens fielen die
Baubewilligungen in Niederösterreich und Wien besonders niedrig aus.
Insgesamt wird in Österreich 2011 mit einem Anstieg der
Baubewilligungen um 3% auf 39.300 Einheiten gerechnet. Bereits 2012
ist aufgrund der Konjunktureintrübung ein Rückgang um 2% auf 38.600
Baubewilligungen zu erwarten.

In den westlichen Bundesländern lag die Wohnbaurate
(Baubewilligungen in neuen Wohngebäuden pro Kopf, in 1.000) in den
letzten Jahren deutlich über dem österreichischen Durchschnitt.
Zwischen 2005 und 2010 wurden im Mittel pro Jahr etwa 5,2 Einheiten
pro Kopf (in 1.000) bewilligt, österreichweit etwa 4,5 Einheiten. In
Tirol und Vorarlberg ist die Wohnbaurate zwar tendenziell rückläufig,
aber im Durchschnitt weiterhin sehr hoch (5,5 bis 6 Einheiten) - die
Zunahme kleinerer Haushalte ist hier sicher mit ausschlaggebend. Die
gute Arbeitsmarktentwicklung und die vergleichsweise gute
Einkommenssituation sowie eine leichte Verlagerung der
Haushaltsstruktur zu den Einpersonenhaushalten stärkten auch in
Oberösterreich und Salzburg die Nachfrage nach neuen Wohnbauten.

In den südlichen Bundesländern Kärnten und Steiermark trug die
schwache wirtschaftliche und demographische Entwicklung zu einer
niedrigeren Wohnbaurate bei (Durchschnitt 2005/2010 rund 4 Einheiten
pro Jahr). 2010 war ein bemerkenswerter Anstieg auf 4,7
Baubewilligungen pro Kopf (in 1.000) zu verzeichnen, der vor allem
auf die dynamische Entwicklung in Kärnten zurückging.

In Ostösterreich ist die Wohnbaurate nur im Burgenland relativ
hoch (2005/2010: 5,2 Einheiten), in Niederösterreich und Wien dagegen
unterdurchschnittlich (in Wien bereits seit 1990). 2010 betrug sie in
Niederösterreich 4,3 Baubewilligungen (pro Kopf in 1.000) und war in
Wien mit 3,1 Einheiten am niedrigsten unter den Bundesländern.

Die demographische Entwicklung - im Osten Österreichs
(insbesondere Wien) wächst die Bevölkerung deutlich dynamischer als
im Süden und Westen - und auch die gute Einkommensposition in
Niederösterreich und Wien würden auf eine stärkere Nachfrage nach
neuen Wohnbauten hindeuten.

Übersicht 1: Demographische und wirtschaftliche Bestimmungsfaktoren
der Wohnbaurate - auf der WIFO-Website (
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )

Für 2011 prognostiziert das WIFO eine Ausweitung der
Baubewilligungen um 3% auf 39.300. Diese Entwicklung spiegelt auch
das beschleunigte gesamtwirtschaftliche Wachstum 2011 wider. Weniger
als die Hälfte werden Bewilligungen für Einfamilienhäuser sein
(17.500), 21.700 Einheiten werden Wohnungen in Mehrgeschossbauten
sein. Gemessen an der Bevölkerung (in 1.000) entspricht dies 4,6
Einheiten, die Wohnbaurate liegt somit weiterhin über dem
europäischen Durchschnitt der 19 europäischen Länder, die dem
Euroconstruct-Netzwerk angehören (Übersicht 2).

Übersicht 2: Entwicklung der Baubewilligungen in Österreich und 19
europäischen Ländern - auf der WIFO-Website (
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )

Die Zunahme der Baubewilligungen hält allerdings nicht an, bereits
2012 wird ein leichter Rückgang um 2% erwartet. Insgesamt dürften
2012 rund 38.600 Baubewilligungen erteilt werden. Der Rückgang
resultiert vor allem aus dem Mehrgeschoßbau (geplante Kürzungen der
Wohnbauförderung) und aus der deutlichen Abschwächung der
gesamtwirtschaftlichen Dynamik im Jahr 2012. Im Bereich der
Einfamilienhäuser wird mit 17.300 bewilligten Einheiten gerechnet, an
Wohnungen in Mehrgeschoßbauten werden knapp 21.200 Einheiten
erwartet. Für die Wohnbauinvestitionen sind aus dieser Entwicklung
kaum nachhaltige Impulse anzunehmen.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0023 2011-11-21 09:00 210900 Nov 11 WFO0001 0548




Rückfragehinweis: Mag. Andrea Kunnert
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-478 * Fax. +43 1 798 93 86
Andrea.Kunnert@wifo.ac.at

Aussendungen von WIFO abonnieren: als RSS-Feed per Mail

Geokoordinaten:


Errechnete Personen: