• 10.11.2011, 09:01:23
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Konjunktur weiter gedämpft

Wien (OTS/WIFO) - Das weltwirtschaftliche Umfeld schwächt sich
weiter ab. Insbesondere die Euro-Krise trägt zu einem Anstieg der
Unsicherheit bei. Dies wirkt sich spürbar auf die Konjunktur in
Österreich aus.

Das Wachstum der Weltwirtschaft verliert weiter an Tempo. Der
Welthandel stagnierte laut Centraal Planbureau (CPB) zwischen März
und August weitgehend. Diese Abschwächung zeigte sich in den letzten
Monaten insbesondere in den asiatischen Schwellenländern, deren
Wirtschaft nach der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise der Motor der
Konjunkturerholung gewesen war. Eine noch deutlichere Abwärtsdynamik
verzeichnete jedoch der Euro-Raum, die Warenimporte gingen dort
merklich zurück. In den USA hingegen stieg das BIP im III. Quartal
mit +0,6% gegenüber dem Vorquartal überraschend stark. Die
vorlaufenden Konjunkturindikatoren - in erster Linie das
Konsumentenvertrauen - deuten aber auch hier auf eine Dämpfung der
Konjunktur hin. Die anhaltend angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt
belastet die Erwartungen. Ein günstigeres Bild zeichnen die
Indikatoren für die Industrie: Auftragseingänge und Produktion
stiegen zuletzt.

Für den Euro-Raum liegen noch keine Schätzungen zur
BIP-Entwicklung im III. Quartal vor; allerdings zeichnet sich eine
Stagnation der Wirtschaftsleistung in der zweiten Jahreshälfte ab.
Die anhaltende Euro-Krise und die Eintrübung des weltwirtschaftlichen
Umfeldes dämpfen die Erwartungen der Unternehmen und privaten
Haushalte merklich. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt.
Im September stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenquote auf 10,2%.
Überdurchschnittlich hoch war sie in den Krisenländern Spanien,
Griechenland, Irland und Portugal sowie in den baltischen Ländern,
der Slowakei und in Bulgarien.

In Österreich expandierte die Wirtschaftsleistung im 1. Halbjahr
2011 kräftig. In der zweiten Jahreshälfte mehren sich hingegen auch
hier die Anzeichen für eine deutliche Konjunkturabkühlung. Die
Abschwächung des internationalen Umfeldes wirkt sich insbesondere auf
die exportorientierte Sachgütererzeugung aus. Im August wurde die
Produktion noch ausgeweitet, und auch die Kapazitätsauslastung und
die Auftragsbestände waren zuletzt hoch. Die Erwartungen der
Unternehmen bezüglich Produktion und Geschäftslage in den nächsten
Monaten sinken allerdings seit mehreren Monaten, die
Produktionserwartungen waren laut WIFO-Konjunkturtest im Oktober
erstmals überwiegend negativ. In der Bauwirtschaft und im
Dienstleistungssektor ist ebenfalls eine merkliche Dämpfung zu
erkennen.

Die Eintrübung der Konjunktur ist auf dem Arbeitsmarkt bereits
spürbar. Zwar stieg die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten im
Oktober etwas, die Arbeitslosenquote verringerte sich aber nicht.
Saisonbereinigt lag sie nach österreichischer Berechnungsmethode bei
6,9%. Die Zahl der Personen in Schulung ist hingegen stark
rückläufig.

Nachdem die Energie- und Rohstoffpreise im Frühjahr kräftig
gestiegen waren, sanken sie zuletzt wieder. Dadurch verringert sich
der Druck auf die heimische Preisentwicklung. Im Vorjahresvergleich
betrug der Preisanstieg im September gemäß nationalem VPI jedoch
3,6%. Laut HVPI betrug die Inflation 4,0%.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.itkt.at/ ). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragehinweis:
Rückfragen bitte am 10. November 2011 zwischen 9 und 17 Uhr an
Dr. Stefan Ederer, Tel. (1) 798 26 01/464, [email protected].

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