- 08.11.2011, 20:51:35
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Operation Wahrheit, Kommentar zum Gewinneinbruch bei der Société Générale von Gerhard Bläske
Frankfurt (ots) - Aktionäre der Société Générale konnten am gestrigen
Dienstag aufatmen. Trotz eines deutlichen Rückgangs des Nettogewinns
im dritten Quartal strich das Papier große Kursgewinne ein. Analysten
hatten zwar bessere Ergebnisse erwartet. Doch an den Märkten überwog
offenbar die Erleichterung darüber, dass es nicht noch schlimmer
gekommen ist.
Grund zur Freude haben die Anteilseigner dennoch nicht. Denn erstens
fährt das Papier schon seit Jahren Achterbahn. Zuletzt ging es
meistens nach unten. Zweitens aber gibt es für 2011 keine Dividende.
Die Bank steht unter Druck. Sie muss ihre Kapitalbasis stärken und
will dafür keinesfalls Staatshilfe in Anspruch nehmen. Auch eine
Kapitalerhöhung birgt in diesen Zeiten Risiken. Es soll nun gespart
werden, Boni werden reduziert, Kosten eingespart, risikoreiche
Engagements und riskante Papiere verkauft, Personal abgebaut, Gewinne
einbehalten. Doch ob die Märkte der Bank diesmal glauben, ist
fraglich.
Noch immer wirkt der Fall des Händlers Jérome Kerviel nach, der 4,9
Mrd. Euro verzockte. Dass er allein handelte, können sich viele nicht
vorstellen. Zudem verlor die Bank in der Subprime-Krise hohe Beträge
und verfügt über ein großes Portefolio toxischer Papiere, das nun
losgeschlagen werden muss. Es kommt hinzu, dass französische Banken
viel stärker als Institute anderer Länder in den Krisenstaaten der
Eurozone engagiert sind: Durch die Nutzung von
Bilanzierungsspielräumen säten sie Misstrauen an den Märkten, weil
sie im zweiten Quartal nur 21% ihrer Griechenland-Exposures
abgeschrieben haben, viel weniger als andere.
Das gesamte französische Bankenwesen ist in Verruf geraten. Die
franko-belgische Bank Dexia muss wegen ihrer riskanten Politik
zerschlagen werden und wird teilweise verstaatlicht. Die
Ratingagenturen haben Frankreichs Institute heruntergestuft, die
Triple-A-Bewertung des ganzen Landes ist - auch wegen der Banken -
bedroht.
Ob es der SocGen und den anderen Instituten des Landes gelingt, mit
den angekündigten Maßnahmen sowie einer Abschreibung der
Griechenland-Anleihen auf 40% ihres Nominalwertes verloren gegangenes
Vertrauen wiederzugewinnen, ist fraglich. Zu fragil ist die
gesamtwirtschaftliche Lage, zu groß das Portfolio an Risikopapieren,
zu unabsehbar die Risiken in einigen Märkten, zu unsicher auch die
Perspektiven im Retail Banking, wo die Margen derzeit besonders
gering sind. Die Operation Wahrheit bei der SocGen kommt spät -
vielleicht zu spät.
Rückfragehinweis:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
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