• 07.11.2011, 21:00:32
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 8. November 2011. Von WOLFGANG SABLATNIG. "Trümmerfeld Bundesheer".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Verteidigungsminister Darabos hat
das Match gegen seinen Spitzenbeamten und Generalstabschef verloren
und wird das immer wieder vorgehalten bekommen. Er sollte sich
fragen, ob ein gedeihliches Arbeiten so noch möglich ist.

Norbert Darabos hat gestern das einzig Mögliche getan. Betont
nüchtern und emotionslos ließ er mitteilen, dass er die
Berufungsentscheidung in der Causa Entacher zur Kenntnis nehme.
Abwenden konnte Darabos den Schaden aber auch damit nicht mehr -
nicht von seiner Person, nicht vom Bundesheer, aber auch nicht von
Entacher.
Darabos wird die Sache bis ans Ende seiner Amtszeit immer wieder
vergehalten bekommen. Er hat gegen seinen obersten Beamten verloren.
Punkt.
Darabos hat, getrieben von der Krone und Kanzler Werner Faymann, den
inhaltlichen Konflikt um die Wehrpflicht zu einem persönlichen
gemacht und Entacher in die Rolle des Märtyrers gedrängt. Er hat eine
penible Aufzählung angeblicher Verfehlungen Entachers erstellen
lassen und sich damit auf ein kleinliches Hickhack eingelassen.
Darabos hat emotional reagiert, wo eine sachliche und bedachte
Vorgangsweise gefordert gewesen wäre. Nicht erst einmal sind
Spitzenbeamte durch Projektgruppen oder Umstrukturierungen so
ausgebootet worden, dass sie zwar ihr Amt behielten, aus wichtigen
Entscheidungen aber ausgeschlossen waren. Für die Umsetzung seiner
Pilotprojekte zur Absetzung der Wehrpflicht plant Darabos jetzt genau
das - eine zu späte Erkenntnis.
Beschädigt ist aber auch Entacher. Zwar gilt er nun erst recht vielen
im Militär als Held, der sich erfolgreich gegen den ungeliebten
Minister zur Wehr gesetzt hat. Ob der langgediente Offizier
tatsächlich so glücklich ist, mit der politischen Führung seines
Ressorts über Kreuz zu sein, darf aber bezweifelt werden.
Bleibt das Bundesheer. Wenig Geld, wenig Ressourcen, keine Klarheit
über den künftigen Kurs. Denn klar ist, dass die ÖVP Darabos nun noch
mehr als bisher ins Visier nehmen wird und ihm nicht den kleinsten
Erfolg mehr gönnen wird. Darabos ist angeschlagen, und die ÖVP wird
das ausnützen, wo es nur geht. Der Minister sollte sich ernsthaft die
Frage stellen, ob so gedeihliches Arbeiten noch möglich ist. Einen
Rücktritt hat Darabos gestern freilich ausgeschlossen.
Vielleicht würde das aber auch nichts ändern: Für ihre Leistungen -
ob nach Katastrophen oder im Ausland - bekommen die Soldaten und
Offiziere des Bundesheeres nach wie vor beste Noten. Sie sind es
offenbar gewohnt, professionell zu arbeiten, egal wie groß das Chaos
an der Spitze ist.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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