- 31.10.2011, 09:56:16
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Bayr zum Weltspartag: "Auch Mikrokredite sind Kredite"
Nachhaltige Mikrofinanzierung braucht 'responsible finance'
Wien (OTS/SK) - Zum Weltspartag am 31. Oktober erinnert Petra
Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für Globale Entwicklung, an die
Nebenwirkungen des Mikrofinanz-Booms. "Mikrokredite erfreuen sich
mittlerweile weltweit wachsender Beliebtheit und das auch in der so
genannten 'Ersten Welt'. In Deutschland beispielsweise sind 2010
tausend dieser Kleinkredite vergeben worden und auch in Österreich
wird diesem relativ jungen Finanzzweig bei den Banken ein
exponentielles Wachstum prophezeit." Trotzdem sollte bei der
momentanen Euphorie von Seiten der Investoren nicht auf die möglichen
Risiken vergessen werden. "Mikrokredite sind Kredite. Die Erfahrungen
in Indien zeigen, dass besonders arme Frauen Opfer einer
richtiggehenden 'Mikrofinanz-Industrie' werden und Haushalte dort im
Schnitt mit bis zu acht Krediten gleichzeitig belastet werden.
Schulden alleine bedeuten noch keinen Statusgewinn", so Bayr am
Montag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****
Banken würden Mikrofinanzierung gerne als eine Art "Testlabor" für
die Banken von morgen missbrauchen, dies sei aber, so Bayr, "nicht im
Sinne ihres Erfinders". Die Nationalratsabgeordnete kritisiert vor
allem die fehlende Aufklärung bei der Kreditvergabe.
"Mikrofinanzierung ist nicht bloß Mikrokreditvergabe. Im Gegenteil,
sie ist ein soziales Instrument und so genannte 'Nichtbankfähige'
brauchen eben 'responsible finance', also umfassende, kostenlose
Begleitmaßnahmen, um sie vor Überschuldung, negativen
Umweltauswirkungen u.Ä. zu warnen. Außerdem muss den Menschen
vermittelt werden, dass Schulden sich nicht von heute auf morgen in
Luft auflösen." Gleichzeitig verweist die Vorsitzende des
Entwicklungspolitischen Unterausschusses auf die positiven 'side
effects' von verantwortungsvoller Mikrofinanzierung. "Frauen konnten
sich vom herkömmlichen Rollenverständnis emanzipieren. Durch ihr
neues Rollenbild als Unternehmerinnen waren sie gefordert, lesen,
schreiben und rechnen zu lernen. Sie konnten es sich dadurch auch
leisten, ihre Kinder in die Schule zu schicken und oftmals begannen
sie sich politisch mehr zu engagieren", sagte Bayr.
Trotzdem dürfe die Mikrofinanzierung nicht dazu missbraucht werden,
den Staat aus seiner sozialen Verantwortung zu entlassen. "Die
Menschen dürfen nicht gezwungen werden, irgendwelche Kredite
aufzunehmen, nur um sich und ihren Familien ein menschenwürdiges
Dasein zu sichern. Zu allererst müssen Grundbedürfnisse wie Bildung
und Gesundheit von staatlicher Seite gedeckt werden, erst dann soll
es jeder und jede Einzelne auf sich nehmen können, einen Kredit
aufzunehmen. Egal, ob jetzt von einem Mikrofinanzinstitut oder einem
lokalen Geldverleiher", so Bayr. (Schluss) bj
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