- 28.10.2011, 11:14:50
- /
- OTS0113 OTW0113
Weltspartag: Obersten 10% besitzen über 54% des gesamten Geldvermögens
Nur zwei Prozent der Sparkonten hatten Einlagen über 50.000 Euro - mit ein Drittel aller Einlagen.
Wien (OTS) - Dass jeder Österreicher durchschnittlich um die 50
000 Euro an Geldvermögen besitzt, ist beschränkt aussagekräftig.
Denn: "Der Gini-Koeffizient zur Ungleichheit der
Geldvermögensverteilung in Österreich beträgt 0,66 und "liegt damit
im internationalen Vergleich eher hoch", so Daten der Österreichische
Nationalbank
"Über zwei Drittel besitzen keine nennenswerten Geldvermögen. Die
Hälfte der privaten Haushalte verfügt gar nur über 8% des gesamten
Geldvermögens", zitiert die Armutskonferenz die Studien der
österreichischen Nationalbank. Das oberste Zehntel besitzt hingegen
54% des gesamten Geldvermögens. Das reichste Prozent (1%) der
Haushalte hält 27% des gesamten Geldvermögens. Und das oberste
Promill (0,1%) besitzt 8% des Gesamtgeldvermögens. Das entspricht der
gesamten unteren Hälfte aller Haushalte, die ebenfalls über 8% des
Geldvermögens verfügt.
Stellen wir uns Österreich als einen Garten vor, in dem 10
Personen wohnen mit 10 Äpfeln zur Verfügung. Der reichsten Person
allein gehörten fünfeinhalb Äpfel. 3 Personen hätten keinen Apfel.
Nur zwei Prozent der Sparkonten hatten Einlagen über 50.000 Euro.
Auf diesen zwei Prozent der Sparkonten befindet sich knapp ein
Drittel aller Einlagen. Auf diesen wenigen Sparbüchern mit mehr als
50.000 Euro sind die Einlagen zuletzt auch deutlich stärker gewachsen
als auf jenen mit weniger als 50.000 Euro.
Das Immobilienvermögen privater Haushalte in Österreich beträgt
rund 880 Mrd. Euro. 10 Prozent der Österreicher besitzen 61 Prozent
von diesem Vermögen (530 Mrd. Euro). 40 Prozent der Menschen in
Österreich besitzen gar keine Immobilie. Der reichste allein bekäme 6
Äpfel, 4 haben gar keine Äpfel.
Nur 3 Prozent der Haushalte in Österreich besitzen Anteile an
GmbHs, deren Gesamtwert 18,6 Mrd. Euro beträgt. Innerhalb dieser
Gruppe ist der Besitz stark auf eine kleine Personengruppe
konzentriert: 10 Prozent der Anteilhaber besitzen 92 Prozent der
Anteile. Hier hat einer allein 9 Äpfel.
Soziale Ungleichheiten nach Krisen größer
Die soziale Ungleichheit wird in und nach Wirtschaftskrisen
größer, wie der renommierte britische Sozialwissenschafter Tony
Atkinson anhand von vierzig Wirtschaftskrisen beobachtet hat. Der
World Wealth Report berichtet bereits wieder von einem Anstieg des
Reichtums der Reichsten um 8%, bei gleichzeitiger Armut und
Arbeitslosigkeit. "Wir sehen eine zunehmende Ungleichheit innerhalb
der Arbeitseinkommen und gleichzeitig eine wachsende Schere durch
wieder steigende Vermögenseinkommen bei wenigen ganz oben.", so die
Armutskonferenz, Bei Reichtum ist vorrangig nicht Einkommen das
Thema, sondern Vermögen. Der Gini-Koeffizient, ein Maß für
Ungleichheit zwischen 0 und 1 (0 heißt alle haben genau gleich viel,
1 heißt einer hat alles) beträgt bei den Haushalteinkommen europaweit
geringe 0,33. Da schlagen sich die sozialstaatlichen Sozial- und
Dienstleistungen nieder. Bei den Geldvermögen springt der
Gini-Koeffizient auf hohe 0,66 hinauf, bei Immobilienvermögen auf
0,76, bei Unternehmensbeteiligungen auf 0,88 und bei der angeblichen
Mittelschichtssache "Erbschaften" auf 0,94. Vererben tun ganz wenige
fast alles an ganz wenige.
Ungenügende Erfassung der Geldvermögen: Ungleichverteilung noch höher
Einkommen ist deutlich weniger konzentriert als das Vermögen. Der
Ginikoeffizient zur Ungleichheit der Vermögensverteilung ist mehr als
doppelt so hoch wie jener der Einkommensverteilung. Dafür ist
Immobilienvermögen noch ungleicher verteilt und Unternehmenseigentum
überhaupt nur in den höchsten Vermögensstufen von Relevanz. Die
Nationalbank weist darauf hin, dass Besitzer hoher Geldvermögen nur
eingeschränkt erfasst werden. Die tatsächliche Ungleichverteilung ist
demnach noch viel größer, so die Armutskonferenz.
Quellen:
OeNB: Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung 2009;
Vermögensbildung privater Haushalte verliert an Schwung,
Presseaussendung, 19. April 2010.
Fessler P., Mooslechner P., Schürz M., Wagner, K. 2009. Das
Immobilienvermögen privater Haushalte in Österreich. In: Geldpolitik
und Wirtschaft Q2/09. Wien. OeNB.104-124.
http://www.oenb.at/de/img/gewi_2009_q2_analyse05_neu_tcm14-140716.pdf
Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz: Sozialbericht
2007-2008, S. 278
Rückfragehinweis:
Die Armutskonferenz
www.armut.at
01/ 402 69 44 oder 0664/ 544 55 54
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ARM






