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OTS0015   16. Okt. 2011, 11:10

UN-Tag: Kinder von Armut besonders stark betroffen

142.000 Minderjährige in Österreich"manifest arm". Soziale Investitionen zahlen sich aus.


"Wer in den frühkindlichen Bereich investiert, sozial
integrative Schulen fördert und Menschen in der Pflege nicht allein
lässt, leistet einen entscheidenden Beitrag zur Armutsbekämpfung", so
die Armutskonferenz zum Internationalen Tag zur Bekämpfung der Armut.
"Besonders auffällig die konstant hohe Armutsbetroffenheit bei
Kindern und Jugendlichen. Als manifest arm können 142.000
Minderjährige bezeichnet werden. Nimmt man die "EU 2020 Indikatoren"
her, finden sich 320.000 Kinder und Jugendliche als entweder
armutsgefährdet, ausgegrenzt oder mit Eltern ohne Erwerbsarbeit
wieder. Überproportional von Armut betroffen sind
Ein-Eltern-Haushalte."

"Wir können etwas tun", so die Armutskonferenz. "Es gibt genügend
Instrumente und Möglichkeiten, in der Schule, in der Frühförderung,
beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern. Armut
ist kein Naturereignis, das es mit jeder neuen Statistik zu bestaunen
gilt."

Soziale Investitionen zahlen sich aus. Budgetkonsolidierung und
Zukunftsinvestitionen sind kein Widerspruch, sondern gemeinsame
Notwendigkeit und Gebot der Stunde", betont das österreichische
Anti-Armutsnetzwerk, dessen Mitgliedsorganisationen über 500 000
Hilfesuchende im Jahr unterstützen. "Es ist höchste Zeit, Überfluss
zu besteuern und in die Zukunft zu investieren. Fangen wir gleich bei
Kinderbetreuung, Schule und auch Pflege an." Österreich liegt mit
seinen Sozialdienstleistungen unter dem EU-Durchschnitt. Insgesamt
entstehen bei Kinderbetreuung wie bei der Pflege Win-win-Situationen
zwischen Familieneinkommen, Arbeitsplätzen, Frühförderung von Kindern
und Entlastung Angehöriger. Hier gibt es viel ungenütztes Potential,
das brach liegen gelassen wird.

Soziale Ungleichheit nimmt zu

Die soziale Ungleichheit wird in und nach Wirtschaftskrisen
größer, wie der renommierte britische Sozialwissenschafter Tony
Atkinson anhand von vierzig Wirtschaftskrisen beobachtet hat. Wir
sehen eine zunehmende Ungleichheit innerhalb der Arbeitseinkommen und
gleichzeitig eine wachsende Schere durch wieder steigende
Vermögenseinkommen bei wenigen ganz oben. Der World Wealth Report
berichtet bereits wieder von einem Anstieg des Reichtums der
Reichsten um 8 Prozent bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit und Armut.
Allein eine Anpassung vermögensbezogener Steuern auf das EU-Niveau
brächte in Österreich 4 Milliarden Euro.

Wichtige Reformen im föderalen System notwendig

Unausweichlich sind auch Reformen im Dschungel des föderalen
Systems mit seinen neunmal unterschiedlichsten Regelungen, die in
vielen Fällen sachlich nicht begründbar sind. So herrschen
beispielsweise je nach Bundesland, je nach Bezirk, je nach Gemeinde
andere und häufig willkürliche Vollzugspraktiken. Dieselben Fragen
stellen sich in den neun unterschiedlichen Jugendwohlfahrtsgesetzen
oder den neunmal unterschiedlichen Kosten für dieselbe
Pflegedienstleistung.

In die Zukunft investieren - Bildung, Schule und Kinderbetreuung

"Es muss europaweit richtig investiert werden und von den
Profiteuren der letzten Jahre, den obersten 10 Prozent, ein
entscheidender Beitrag zu den Krisenkosten einverlangt werden", fasst
die Armutskonferenz zusammen. Das heißt: "In die Zukunft investieren
mit Bildung, Forschung, Kinderbetreuung und Pflege, Konjunktur nicht
abwürgen, Jobs schaffen, Budget konsolidieren, Schwächen des
Sozialstaats korrigieren, seine Stärken optimieren. Wer sozialer
Polarisierung mit all ihren negativen Folgen für die ganze
Gesellschaft gegensteuern will, muss nicht nur für die Stabilisierung
des Finanz- und Bankensektors eintreten, sondern auch für die
Stabilisierung des sozialen Ausgleichs.", so die Armutskonferenz
abschließend.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0015 2011-10-16 11:10 161110 Okt 11 ARM0001 0490



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Rückfragehinweis: Die Armutskonferenz. www.armut.at
01/ 4026944 oder 0664/ 544 55 54

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