• 13.10.2011, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 14. Oktober 2011, von Alois Vahrner: "Der Abgesang der Sozialpartnerschaft"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Kampfmaßnahmen bis hin zu Streiks
sind ein legitimes letztes Mittel der Gewerkschaften, um
Arbeitnehmerinteressen durchzusetzen. In der jetzigen Phase sind die
Warnstreiks bei den Metallern aber völlig überzogen.

Begleitet von gewerkschaftlicher Kampfrhetorik wurden gestern
österreichweit an die 150 Unternehmen zumindest zeitweise bestreikt.
Heute sollen die Kampfmaßnahmen weitergehen. Auch ein Vollstreik wird
nicht mehr ausgeschlossen.
Was war passiert? Die Arbeitgeber hatten weder den - nicht
schlecht ausgestatteten - Metaller-Kollektivvertrag aufgekündigt oder
angesichts der hereinbrechenden Rezessionsgefahr eine Nulllohnrunde
oder gar Lohnkürzung vorgeschlagen. Grund für die Ausrufung der
Streiks war das angeblich "schäbige" Angebot der Arbeitgeber. Diese
hatten ihr Offert von plus 3,1 auf plus 3,65 Prozent und dazu eine
Einmalzahlung von 200 Euro angehoben. Wenigverdiener bekämen damit
fast 4,4 Prozent mehr Lohn überwiesen. Unverschämt niedrige Angebote
sehen anders aus. Die Gewerkschaft beharrt indes unverdrossen auf
ihrer Forderung nach einer Lohnerhöhung um 5,5 Prozent. Und erntet
damit nicht nur Kopfschütteln bei den Unternehmern, sondern auch bei
etlichen Arbeitnehmern.
Es ist völlig klar und ebenso verdient, dass die Beschäftigten
ihren Anteil an der bis vor Kurzem ausgezeichneten Konjunktur
bekommen. Das bedeutet eine Erhöhung über der Inflationsrate (was die
Kaufkraft mehr als nur absichert) und dazu auch eine entsprechende
Konjunkturprämie. Erhöhungen allerdings um 5,5 Prozent (gut 2 Prozent
über der Inflationsrate), die dann als neue Basis in die unsicheren
Folgejahre mitgenommen werden, sind wider jegliche Vernunft.
Letztlich ist es sogar brandgefährlich, wenn den Firmen ein
solcher Kosten-Rucksack umgehängt wird. Wenn beim vorausgesagten
Konjunktureinbruch Aufträge und Preise unter Druck kommen, dann wird
das auch die Beschäftigten treffen. Bei überzogenen Lohnerhöhungen,
die heuer offenbar mit Gewalt durchgesetzt werden sollen, werden
Arbeitsplätze zusätzlich gefährdet.
Österreich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten meist zu Recht
gerühmt, eine vorbildlich funktionierende Sozialpartnerschaft zu
haben. Sogar eine so gute, dass die Sozialpartner teils fast mehr
Einfluss hatten als die Regierung. Streiks waren nahezu ein
Fremdwort, die durchschnittliche Dauer pro Beschäftigtem meist in
Sekunden zu messen. Bereits nach der ersten Verhandlungsrunde mit
Streiks zu drohen und sie nach der zweiten umzusetzen, erinnert
leider an südeuropäische Verhältnisse.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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