• 13.10.2011, 09:42:05
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Präsidentin Prammer empfängt Saud al Faisal Außenminister Saudi-Arabiens zu Gast im Hohen Haus

Wien (PK) - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer empfing gestern
Abend den Außenminister des Königreichs Saudi-Arabien, Prinz Saud al
Faisal, im Hohen Haus zu einem Gedankenaustausch. Die Präsidentin
unterstrich die guten Beziehungen zwischen den beiden Staaten und
verwies dabei auch auf den Besuch des Vorsitzenden der saudi-
arabischen Schura im Jahr 2009.

Saud al Faisal berichtete vom Reformprozess in seinem Land. Man
befinde sich an einem Wendepunkt in der Geschichte Saudi-Arabiens.
Die Vorstellungen König Abdullahs zielten auf einen grundlegenden
Wandel im Gefüge der arabischen Gesellschaft ab. Es habe, so der
Minister, Zeiten gegeben, da Frauen nicht einmal die Schule besuchen
durften. Nun aber seien das aktive und passive Wahlrecht für Frauen
bei Lokalwahlen und die Ernennung von Frauen in die Schura geplant.
Es brauche aber noch viele Erklärungen seitens der Regierung, da in
der Bevölkerung nicht wenige skeptisch auf einen solchen
Paradigmenwechsel reagierten.

Ein solcher Wandel, betonte der Prinz, könne nicht verordnet werden,
er müsse vielmehr im Konsenswege durch Überzeugen herbeigeführt
werden. Dementsprechend sorgfältig gelte es, die Reformen
vorzubereiten. Die Regierung agiere vorsichtig, aber beständig,
versicherte der Außenminister seiner Gastgeberin. Saudi-Arabien
bewege sich, aber gemäß der allgemeinen Bedingungen. Alles müsse im
Zusammenspiel mit den Entwicklungslinien der Zeit geschehen.

Saud al Faisal kam zudem auf das Zentrum für den interreligiösen
Dialog zu sprechen. König Abdullah habe hart dafür gearbeitet, einen
Platz zu schaffen, an dem man die Religionen auf der Basis
gemeinsamer Grundlagen zusammenbringen könne. Dafür sei Wien der
richtige Platz, zeigte sich der Gast überzeugt.

Präsidentin Prammer unterstrich die Notwendigkeit demokratischer
Reformen und betonte dabei insbesondere den Stellenwert der Rechte
der Frau. Ohne eine zufriedenstellende Lösung der Frauenfrage könne
es auch keine befriedigende Umsetzung der Menschenrechte geben.
Insofern sei sie sehr gespannt, wie die jüngsten Initiativen zum
aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Saudi-Arabien realisiert
werden.

Schließlich monierte die Präsidentin auch die Notwendigkeit der
Abschaffung der Todesstrafe. In Europa bestehe in dieser Frage
bereits allgemeiner Konsens, und sie hoffe sehr, dass sich auch jene
Staaten von der Richtigkeit der Abschaffung dieser drakonischen
Strafe überzeugen ließen, die sie derzeit noch verhängten.

Zuletzt befassten sich die Präsidentin und ihr Gast noch mit den
jüngsten Entwicklungen rund um den "arabischen Frühling". (Schluss)

HINWEIS: Fotos von diesem Besuch finden Sie auf der Website des
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