OTS0280   5. Okt. 2011, 19:00

CeMM und MedUni Wien entschlüsseln Mechanismus bei altersbedingter Makuladegeneration

Initialzündung für die Entwicklung neuer Therapien


Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Christoph
J. Binder am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften und an der MedUni Wien
hat einen Mechanismus bei der Entstehung der altersbedingten
Makuladegeneration entschlüsselt, der bisher völlig unbekannt war.
Das eröffnet große Chancen, neue Therapien für eine der schwersten
Augenerkrankungen zu entwickeln.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die Hauptursache für
Erblindung in der westlichen Welt. Die krankheitsauslösenden Vorgänge
waren bisher weitgehend unbekannt. Die WissenschafterInnen konnten
nun zeigen, dass ein häufig auftretendes Abbauprodukt körpereigener
Moleküle, das so genannte Malondialdehyd (MDA), bei der Entstehung
von AMD eine wesentliche Rolle spielt und wie dieses unschädlich
gemacht werden kann.

Mechanismus identifiziert, der MDA unschädlich macht
Durch oxidativen Stress in der Netzhaut kommt es zur Anhäufung des
potenziell schädlichen Abbauprodukts Malondialdehyd. Erstautor David
Weismann, Ph.D.-Student am CeMM, konnte nun jenen Abwehrmechanismus
identifizieren, der Malondialdehyd (MDA) im gesunden Organismus
unschädlich macht bzw. dessen Abtransport vermittelt. Die Ergebnisse
der Studie, die wesentlich dazu beitragen können, neue Therapien zu
finden, wurden in der aktuellen Ausgabe von "Nature", eines der
absoluten Top-Fachmagazine weltweit, publiziert.

"Sensationeller Erfolg"
Giulio Superti-Furga, wissenschaftlicher Direktor des CeMM sagte
zu diesem wissenschaftlichen Durchbruch: "Ich freue mich ganz
besonders, dass das junge Team um Christoph Binder solch einen
sensationellen Erfolg erlangt hat. Ein Artikel in Nature ist die
weltweit tollste objektive Anerkennung einer einzelnen
Forschungsleistung und Österreichs Wissenschafter produzieren
höchstens ein paar solche Artikel im Jahr. Christoph Binders Leistung
bestärkt die Vision der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
und der Medizinischen Universität, am CeMM und an der MedUni Wien
beste Bedingungen für junge Menschen zu schaffen und Grundlagen- und
klinisch relevante Forschung auf höchstem Niveau zu betreiben."

"Das ist ein Meilenstein in der Erforschung der altersbedingten
Makuladegeneration, der auch international große Beachtung finden
wird. Die Medizinische Universität Wien stellt damit erneut ihren
guten internationalen Ruf unter Beweis", sagt Wolfgang Schütz, Rektor
der MedUni Wien.

In der mehrjährigen Studie am CeMM und der MedUni Wien, an der
auch WissenschafterInnen der University of San Diego, der Universität
Jena und der John Hopkins University mitwirkten, wurde nachgewiesen,
dass eines der häufigsten Proteine im Blutplasma, der
Komplementfaktor H, das schädliche Malondialdehyd neutralisiert und
so Entzündungen verhindert. Diese Funktion des Komplementfaktors H in
der körpereigenen Abwehr war bisher unbekannt. Variationen in jenem
Gen, das für Faktor H kodiert, führen zu einem sieben- bis neunfach
erhöhten Risiko, an AMD zu erkranken.

Binders Forschungsgruppe konnte nun zeigen, dass die
Risikovariante vom Komplementfaktor H nur mehr unzureichend vor den
schädlichen Einflüssen von MDA schützen kann und so das
Erkrankungsrisiko erhöht. Binder: "Die Ergebnisse sind eine weitere
Bestätigung für die These, dass die angeborene, körpereigene Abwehr
nicht nur Bakterien und Viren wirksam bekämpft, sondern auch vor
schädlichen Prozessen innerhalb des Körpers schützt." Oswald Wagner,
Vizerektor der Meduni Wien und Leiter des Klinischen Institutes für
Labormedizin: "Wir können am Patienten bereits testen, ob diese
Mutation und damit ein erhöhtes Risiko besteht."

CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften) - Kurzprofil
Das CeMM ist eine internationale, unabhängige und
interdisziplinäre Forschungseinrichtung für molekulare Medizin. "Aus
der Klinik für die Klinik" - orientiert sich das CeMM an den
medizinischen Erfordernissen und integriert Grundlagenforschung sowie
klinische Expertise, um innovative diagnostische und therapeutische
Ansätze zu entwickeln. Die Forschungsschwerpunkte sind Krebs,
Entzündungen und Immunstörungen.
Infos: www.cemm.oeaw.ac.at.

Medizinische Universität Wien - Kurzprofil
Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der
traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten
Europas. Mit fast 7.500 Studierenden ist sie heute die größte
medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mit ihren
31 Universitätskliniken, 12 medizintheoretischen Zentren und
zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den
bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im
biomedizinischen Bereich. Für die klinische Forschung stehen über
48.000m2 Forschungsfläche zur Verfügung.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0280 2011-10-05 19:00 051900 Okt 11 MEU0001 0680



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