- 04.10.2011, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 5. Oktober 2011 von Peter Nindler "Der Aufstand der Unbelehrbaren"
Innsbruck (OTS) - Die ÖVP ist das Klavier, auf dem der Bauernbund spielt. Was für den langjährigen Landeshauptmann Eduard Wallnöfer vor 30 Jahren zum politischen Selbstverständnis gehörte, ist heute Tiroler Politikgeschichte. Aber es sind einige Unbelehrbare, die mit dem Credo Wallnöfers seinen Nachfolger an der ÖVP-Bauernbundspitze in den Schwitzkasten nehmen wollen. Weil sie im Gegensatz zu LHStv. Toni Steixner die vom Verfassungsgerichtshof offenkundig verfassungswidrig bezeichneten Übertragungen von Gemeindegut an die Agrargemeinschaften nicht akzeptieren. Steixner sieht sich deshalb mit einer absurden Situation konfrontiert: Obwohl die Agrar-Hardliner ein Verfahren nach dem anderen vor den Höchstgerichten verlieren, soll er den Boden der Rechtsstaatlichkeit verlassen und mit der geballten Macht des Bauernbundes gegen die eigene ÖVP auftreten. Hier unterliegen die selbst ernannten Interessenvertreter einem nostalgischen Irrglauben. Das wird es nicht mehr spielen - nicht mehr im Jahr 2011. Wenn Das Kräftemessen im VP-Bauernbund mit den widerspenstigen Agrargemeinschaften ist längst überfällig. Es benötigt endlich klare Worte, dass die Rechtsstaatlichkeit in Tirol nicht in Geiselhaft genommen werden kann - und darf.
Steixner einen Fehler gemacht hat, so jenen, dass der Bauernbund zu
lange die schützende Hand über die Widerspenstigen hielt, die ihn
jetzt in Geiselhaft nehmen wollen.
Vielleicht ist dieses Kräftemessen längst überfällig, muss Steixner
den Kritikern endlich zeigen, wo es langgeht. In einer straff
organisierten Vereinigung wie dem Bauernbund, der das Zusammenhalten
- manchmal auch mit der geballten Faust im Hosensack - kultiviert
hat, ist das natürlich eine gänzlich neue Erfahrung. Ob es eine
Zerreißprobe wird, hängt davon ab, welchen Stellenwert die
Agrargemeinschaftsfrage mittlerweile im Bauernbund hat. Wird sie als
Symbol für schwindenden Einfluss in der ÖVP gesehen, steht Steixner
vor einer großen Herausforderung: im Bauernbund und als
Bauernbundobmann.
Möglicherweise überwiegt jedoch die Erkenntnis, dass durch einige
Unbelehrbare das Image Tausender Tiroler Bauern, die mit einem großen
Einsatz für das Land arbeiten, ungerechtfertigterweise ebenfalls
leidet. Und dass die Zukunft der alpinen Landwirtschaft nicht an den
Agrargemeinschaften hängt, sondern an der Frage, wie die Tiroler
Bauern künftig gerecht für ihre gesellschaftlichen Leistungen und
ihre Produkte entlohnt werden. Guten Gewissens kann Steixner die
Reisenden dann ziehen lassen. Auch wenn es schwerfällt und\x{2588} Stimmen
verloren gehen.
Geht es aber in die andere Richtung, bekommt nicht nur Steixner,
sondern auch die ÖVP ein Problem.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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