Psychisch kranke und verhaltensauffällige Kinder bitte warten!
Minister Stöger präsentiert Kinder-Gesundheitsstrategie ohne Erwähnung der Psychotherapie!
Wien (OTS) - Kopfschütteln und Unverständnis im Raum, als heute
Vormittag das Strategiepapier für die Kinder-Gesundheit mit 20
Punkten präsentiert wird und dabei die längst erwartete
kassenfinanzierte Kinderpsychotherapie nicht einmal erwähnt wird. Die
erdrückende Mangelversorgung im Bereich Kinderpsychotherapie war
nämlich in der Arbeitsgruppe "psychosoziale Versorgung" eines der
ganz großen Schwerpunktthemen. Auch im Abschlussbericht war der
Psychotherapie für Kinder und Jugendliche ursprünglich ein breiter
Platz gewidmet. Im Ministerbüro dann aber die Streichung! Stattdessen
nur der Ausbau von stationären kinder- und jugendpsychiatrischen
Versorgungsstrukturen und von Ambulatorien? "Das ist zum einen sehr
teuer, nur bei sehr schweren und komplexen Krankheitsbildern
notwendig und für viele Eltern wegen der Stigmatisierung, die mit
einer stationären Aufnahme oder Ambulatoriumsbetreuung verbunden ist,
auch nicht annehmbar. In der Schweiz und in Deutschland geht man von
1/3 stationärer und 2/3 ambulanter Psychotherapie in der
niedergelassenen Praxis aus und hat sehr gute Erfolge damit!", sagt
Dr. Eva Mückstein, Präsidentin des österreichischen Bundesverbandes
für Psychotherapie.
Angesichts der neuen Zahlen zur Zunahme von psychischen
Erkrankungen und der OECD-Berichte zur schlechten psychischen
Gesundheit der österreichischen Kinder, eine mehr als unverständliche
Strategie! In Österreich kommen nur etwa 0,3 Prozent der Kinder und
Jugendlichen in den Genuss einer Psychotherapie, der Bedarf liegt
aber bei mindestens 2 Prozent dieser Altersgruppe. Rund die Hälfte
derer, die Psychotherapie in Anspruch nehmen, zahlt sich die
Behandlung selbst, obwohl die Kassen gesetzlich dazu verpflichtet
sind, Psychotherapie im Krankheitsfall zu finanzieren. Vielen Eltern,
die bereit wären, mit ihrem Kind zur Behandlung zu kommen, ist dies
unter diesen Bedingungen finanziell nicht möglich.
Und wie schaut die Situation in der Praxis aus:
PsychotherapeutInnen berichten von täglichen Anrufen verzweifelter
Eltern, die einen finanzierbaren Psychotherapieplatz suchen und
keinen finden. Eltern, LehrerInnen, ÄrztInnen, Krankenhäuser und
psychosoziale Einrichtungen beklagen, dass sie häufig eine
Psychotherapie empfehlen und Eltern motivieren, Hilfe in Anspruch zu
nehmen, die Behandlung dann aber nicht leistbar ist.
Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie appelliert
daher dringend an den Gesundheitsminister, endlich die
Kassenfinanzierung von Psychotherapie in sein Programm aufzunehmen
und die Umsetzung sicherzustellen!
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