• 26.09.2011, 21:00:31
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 27. September 2011. Von WOLFGANG SABLATNIG. "Die Ungeduld der Altvorderen".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Das "Demokratiebegehren" der
politischen Alt-Promis kann eine wichtige Debatte in Gang setzen.
Wenn das gelingt, müssen ihre Nachfolger zuhören und können die
Mahnungen nicht mehr als Keppelei vom Muppet-Balkon abtun.

Wolfgang Radlegger, Erhard Busek, Johannes Voggenhuber & Co. haben
eines gemeinsam: Sie sind, wie so viele Menschen in Österreich, ganz
und gar nicht einverstanden mit der Politik, die uns von Regierung
und Parlament täglich präsentiert wird.
Wolfgang Radlegger, Erhard Busek, Johannes Voggenhuber & Co. haben
aber noch etwas gemeinsam: Sie müssen und wollen nichts mehr werden
in dieser Republik. Sie haben alle schon einmal wichtige Ämter
besetzt und können die Politik daher nun mit einem doppelten Privileg
beobachten: Sie wissen, wie der Hase wirklich läuft, und lassen sich
daher nicht leicht ein X für ein U vormachen. Und sie können ihre
ehrliche Meinung sagen, ohne um die Gunst ihrer Partei und damit um
Amt und Einkommen fürchten zu müssen.
Mit dem "Demokratiebegehren" wollen sie nun mehr tun. Geredet haben
sie schon lange genug. Bei vielen Bürgerinnen und Bürgern sind sie
damit auf offene Ohren gestoßen. Nicht so bei den Adressaten.
Offenheit und ehrliche Auseinandersetzungen sind allen Beteuerungen
zum Trotz nicht gefragt. Lieber werden die Überbringer der
schmerzlichen Nachrichten abgekanzelt. Der Rufer in der Wüste wird da
in den eigenen Reihen gerne als Muppet verunglimpft, der vom Balkon
herunterkeppelt.
Das Demokratiebegehren kann den Ausweg aus dieser Muppet-Falle
weisen. Wenn genügend Menschen unterschreiben, können hoffentlich
auch die aktiven Politiker die Augen vor dem Unmut der Bürger nicht
mehr verschließen.
Die inhaltlichen Details stehen dabei nicht im Vordergrund. Ob jeder
zweite oder jeder dritte Abgeordnete direkt gewählt wird, ist
Geschmackssache. Wichtig ist, dass endlich eine breite Diskussion
darüber beginnt, welche neuen Regeln und Rahmenbedingungen nötig
sind, um die Politik wieder spannend, lebendig und attraktiv werden
zu lassen.
Es ist tragisch genug, dass die Faymanns und Spindeleggers dieser
Tage ihre Vorgänger brauchen, statt selber parteien- und
lagerübergreifend eine derartige Debatte loszutreten. Nicht viel
besser ist es um die Bildungspolitik bestellt, wo es auch das
Volksbegehren eines Altvorderen braucht, um die Blockade zu
bekämpfen.
Die Faymanns und Spindeleggers wären zumindest gut beraten, den
Zwischenruf der Alten ernst zu nehmen. Dann könnten sie sogar Applaus
bekommen - nicht nur vom Balkon, sondern auch aus dem
(Wähler-)Publikum.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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