- 15.09.2011, 21:00:35
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 16. September 2011, von Alois Vahrner: "ORF bleibt im Griff der Parteien"
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Bestellung der neuen ORF-Spitze
lief ganz nach dem alten rot-schwarzen Proporz-Muster ab. Und es
zeigt sich erneut, dass bei Österreichs größter Medienorgel weiter
die Parteizentralen den Ton angeben.
Die Wogen sind nur im Vorfeld hochgegangen: Im August fielen die
Würfel für eine zweite Amtszeit von ORF-General Alexander Wrabetz.
Und gestern verlief die Wahl des neuen ORF-Direktoriums ebenfalls
ohne die geringste Überraschung. Sowohl das vierköpfige zentrale
Direktorium als auch die neun Landesdirektoren wurden vom
Stiftungsrat mit großer Mehrheit (teils mit einigen Enthaltungen,
aber ohne Gegenstimme) bestellt. Die nach außen hin spannendste
Entscheidung ist sicher jene für Kathrin Zechner (48) als neue
Fernsehdirektorin.
Letztlich funktioniert vieles in Österreich seit dem Krieg so: Von
wenigen Unterbrechungen abgesehen, wobei das Spiel selbst da
teilweise weiterlief, verteilen Rot und Schwarz die zu vergebenden
Spitzenpositionen mehr oder weniger brüderlich. Und wohl in wenigen
öffentlichen Unternehmen hat die Politik ein größeres Interesse als
beim ORF, sich Einfluss und Machtpositionen zu sichern.
Schwarz-Blau-Orange unter Kanzler Schüssel hatte die personelle
Wende auch beim früher als "Rotfunk" kritisierten ORF durchgezogen -
und dafür ebenso Kritik eingeheimst. Seit dem Machtwechsel ist wieder
die SPÖ in der Pole-Position. Die verzweifelten ÖVP-Versuche,
Alternativkandidaten wie etwa RTL-Chef Gerhard Zeiler ins Rennen zu
schicken, sind gescheitert - weil sich Kanzler Faymann auf die
Wrabetz-Wiederwahl festgelegt hat. Nachdem die Chef-Frage geklärt
war, wurden im Hintergrund die weiteren Positionen abgesteckt -
offenbar auch im Sinn der ÖVP, wie das Abstimmungsergebnis im
Stiftungsrat zeigt. Freuen dürfen sich auch alle neun
Landeshauptleute, dass ihnen keine Direktoren mit anderer
Parteipräferenz vor die Nase gesetzt wurden. In manchen Bundesländern
wie Niederösterreich oder Wien wurde schon jetzt brav
Landeshauptmann-TV gemacht.
In Tirol übernimmt Helmut Krieghofer das Ruder. Ein absoluter
Medien- und TV-Profi, der als Landeschef der in Tirol größten
Versicherung Uniqa auch Managementqualitäten bewiesen hat. Die Optik
freilich ist schief, weil er direkt vom Stiftungsrat, wo er Wrabetz
mitgekürt hat, ins Landesstudio wechselt. Dass die künftige
ORF-Politberichterstattung besonders genau beobachtet wird, muss dem
Ex-ÖVP-Landesmanager klar sein.
Spannend wird auch Krieghofers Arbeitsverhältnis zu seinem Chef
Wrabetz, dem er nach der Abberufung von Elmar Oberhauser im Herbst
2010 noch "fehlende Führungskompetenz" vorgeworfen hatte.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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