• 15.09.2011, 20:27:00
  • /
  • OTS0278 OTW0278

Internationaler Tag der Demokratie: Wolf Biermann im Parlament Start des zweiten Teils der Veranstaltungsreihe "Vielfalt Demokratie"

Wien (PK) - Der 15. September wurde 2007 von den Vereinten
Nationalen zum Internationalen Tag der Demokratie erklärt und 2008
erstmals begangen. Auch im österreichischen Parlament wird dieser
Tag seither zum Anlass für besondere Veranstaltungen genommen. Nach
kleinem Beginn steht heuer bereits zum zweiten Mal eine ganze
Veranstaltungsreihe am Programm. Unter dem Titel "Vielfalt
Demokratie" ist bis Ende Oktober eine Reihe von Vorträgen,
Podiumsdiskussionen und andere Veranstaltungen im Hohen Haus
geplant. Zum Auftakt setzte sich heute der deutsche Liedermacher
Wolf Biermann in einem musikalisch aufgelockerten Vortrag mit "Glanz
und Elend der Demokratie" auseinander.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer betonte in ihrer
Begrüßungsansprache, für sie sei es eine Selbstverständlichkeit,
dass auch das Parlament den Internationalen Tag der Demokratie
begehe, und zeigte sich über das Kommen von Wolf Biermann erfreut.
Man müsse die Demokratie hochhalten, meinte sie in Anlehnung an
einen kürzlich gehaltenen Vortrag von Ex-VfGH-Präsident Ludwig
Adamovich, dürfe aber nicht verkennen, dass es auch anderer Werte
wie Rechtsstaatlichkeit bedürfe. Einmal mehr gab Prammer überdies zu
bedenken, dass Demokratie ohne Demokratinnen und Demokraten nicht
existieren könne: hier sieht sie nicht nur die Politik, sondern die
gesamte Bevölkerung gefordert.

Wolf Biermann wies in seinem Vortrag und einem anschließenden
Gespräch mit der Journalistin Eva Weissenberger ("Kleine Zeitung")
unter anderem darauf hin, dass er sich erst sehr spät mit der
Demokratie angefreundet habe. Als Kind in ein "Kommunistennest"
geboren, habe er zunächst gelernt, dass Demokratie ein "Schmarrn"
sei, und sie später mit seinen Freunden als "Propagandalüge der
Bourgeoisie zur Verschleierung der Ausbeutung" verachtet.
Mittlerweile maße er sich nicht mehr an, eine bessere Regierungsform
finden zu können.

Die Demokratie habe trotz manchen Elends einen unverkennbaren
Vorteil, betonte Biermann: sie befördere den Frieden. Noch niemals
in der Neuzeit hätten zwei Demokratien Krieg gegeneinander geführt.
Als "Glanz" des demokratischen Staates bezeichnete er die geheimen
und freien Wahlen, die es einem Volk ermöglichten, einen "Führer"
loszuwerden, "ohne ihn totschlagen zu müssen".

Man dürfe die Demokratie aber auch nicht allzu romantisch und zu
verklärt sehen, mahnte Biermann. Die Demokratie sei eine
"unglaublich unbequeme Gesellschaftsform". Alle Leute hätten eine
Stimme, auch "das stumpfsinnige Pack" könne wählen. Dies führe nicht
zuletzt dazu, dass Politiker zu viele "ängstliche Überlegungen"
anstellten, wiedergewählt zu werden, anstatt Probleme bestmöglich zu
lösen. "Die Politiker tappen in Schuldenfallen", um ihre Wähler zu
befriedigen, zeigte sich Biermann überzeugt. In diesem Sinn macht er
für die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise auch nicht
Spekulanten, sondern die Politik verantwortlich.

Gefragt nach seiner politischen Einstellung, betonte Biermann, dass
er die Begriffe links und rechts für verbraucht halte. Es gebe
"unglaublich rechte Linke und unglaublich linke Rechte". Für ihn sei
Politik vor allem die Suche nach einer weniger schlechten Lösung.
"Wer die Welt retten will, soll nicht in die Politik gehen, sondern
ins Bett", formulierte er. Uneingeschränkt bekannte sich Biermann
zum "Freiheitskrieg der Menschheit".

Die Veranstaltungsreihe "Vielfalt Demokratie" wird am 27. September
anlässlich des Internationalen Weltgehörlosentags mit dem Stück
"Signings" der Teatro-Barocco-Produktion fortgesetzt. Am 14. Oktober
steht ein Vortrag des französischen Diplomaten und Schriftstellers
Stephane Hessel am Programm, der mit seinem Buch "Empört Euch!"
international für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Dazu kommen zahlreiche
weitere Vorträge und Podiumsdiskussionen. Den Abschluss bildet der
mittlerweile schon traditionelle "Tag der offenen Tür" am
Nationalfeiertag. (Schluss)

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at)
im Fotoalbum.

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: [email protected], Internet: http://www.parlament.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel