• 12.09.2011, 21:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 13. September 2011, von Alois Vahrner: "Griechen und die Büchse der Pandora"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Auch wenn Griechenland an der
finanziellen Herz-Lungen-Maschine von EU und Währungsfonds hängt: Die
Situation ist ausweglos, ein Schuldennachlass unausweichlich. Die
Folgen sind aber unabsehbar.

Zum wiederholten Male lässt die Angst vor einer Staatspleite
Griechenlands die internationalen Finanzmärkte erzittern, die
Börsenkurse sind vielfach im freien Fall. Keine drei Jahre ist es
her, seit der Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers die Welt in
die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit stürzte. Dieses Mal liegt
das befürchtete Epizentrum eines neuerlichen Finanzbebens in Europa.
Nach ungezählten Krisentreffen und mehreren Rettungspaketen lodert
die Schuldenkrise in einigen Euroländern weiter. In Griechenland ist
trotz mancher Löschversuche Feuer am Dach. Die antike Weltmacht ist
heute wirtschaftlich eher ein Zwerg. Nach vielen Jahren der
Misswirtschaft ist das Land, das sich den Eurobeitritt nur mit
frisierten Budgetzahlen erschwindelt hat, pleite. Die Bonität des
Landes wurde längst auf Ramsch-Status herabgestuft, kein Investor
würde heute den Griechen noch Geld borgen.
EU und IWF müssen mit immer neuen Milliardenspritzen den Kollaps
verhindern. Wobei aufschieben die trostlose Situation wohl eher
trifft. Griechenland, das beim Steuereintreiben bisher katastrophal
ineffizient agierte, musste als Gegenleistung beinharte Sparpakete
und staatliche Abverkäufe beschließen. Selbst wenn dies alles
lückenlos umgesetzt würde, woran freilich massive Zweifel bestehen,
sind die Griechen in einer ausweglosen Lage. Weil die radikalen
Kürzungen die ohnehin schwache Wirtschaft und damit Löhne und Steuern
weiter nach unten reißen, dreht sich die Abwärtsspirale in
atemberaubendem Tempo weiter.
Allen Polit-Beteuerungen zum Trotz ist aber klar: Griechenland
wird sich aus dem Schlamassel nicht selbst befreien können, auch
langfristig nicht. Das Land kann seinen gigantischen Schuldenberg
nicht nur nicht abtragen, sondern ohne Hilfe nicht einmal annähernd
die horrenden Zinsen bedienen. Daher wird es einen Schuldenschnitt
geben müssen, auch wenn dann das Wort Staatsbankrott noch so
kunstreich umgangen wird.
Noch zögern die meisten europäischen Politiker und Zentralbanker,
ein solches Ende mit Schrecken laut anzudenken. Weil die Folgen
unabsehbar sind, in Griechenland selbst und auch für die Eurozone.
Ist die Büchse der Pandora erst einmal geöffnet, so die Befürchtung,
dann droht ein Dominoeffekt in den anderen Krisenländern. Und der
Beginn des Endes des Euro in seiner jetzigen Form. Die Zukunft wird
diesbezüglich leider sehr turbulent.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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